Rue Valley: Ein narratives RPG-Päckchen mit (Zeit-)Schleife

Special Marlin Nixdorf Michael Grünwald
Rue Valley: Ein narratives RPG-Päckchen mit (Zeit-)Schleife
Quelle: Emotion Spark Studio

Und täglich grüßt das Ende der Welt: Rue Valley reißt uns mit in einen Strudel aus Zeit, Raum sowie Psyche - und zwingt uns, gegen uns selbst anzukämpfen, um der Wahrheit näher zu kommen.

Unterstützt von Publisher Owlcat Games, die sich durch Pathfinder: Wrath of the Righteous und Warhammer 40,000: Rogue Trader einen Namen gemacht haben, wagt sich das serbische Emotion Sparks Studio in die Welt der Story-RPGs, und tritt mit Rue Valley (jetzt kaufen 14,0 € ) eine fesselnde Geschichte los, die uns wieder und wieder und wieder mitreißt.

Sisyphos und sein Laster

Acht Uhr abends: Im Rue Valley neigt sich der Tag dem Ende, die Sonne wirft rot getönte Strahlen über den Horizont. Nicht mehr lang, dann ist das kleine Tal in der Wüste komplett in Dunkelheit gehüllt.

Eugene Harrow kommt gerade aus einer gerichtlich verordneten Therapiesitzung und schleift sich erschöpft durch das Motel, in dem er Zuflucht sucht. Nachdem er an der Rezeption eingecheckt hat, steuern wir ihn durch die Flure und erleben die folgenden 47 Minuten zum ersten Mal.

Eugene Harrow vor der Exposion in Rue Valley. Quelle: Emotion Spark Studio Denn um Punkt 20:47 Uhr - im englischen System als 8:47 PM dargestellt - geht für Eugene Harrow die Welt unter. Ein grelles Licht in der Ferne deutet auf eine massive Explosion hin, Eugene schließt die Augen und ... sitzt wieder beim Therapeuten. Die Uhr auf dem Tisch zeigt 8:00 PM. Da wird ihm klar: Irgendetwas stimmt nicht.

Wie Fans von Deathloop und The Legend of Zelda: Majoras Mask sofort auffallen wird: Wir stecken in einer Zeitschleife fest.

In den wenigen Minuten vor der Explosion, die sich langsam aber sicher auf das Motel zubewegt, erleben wir viele, viele Sonnenuntergänge, treffen urige Charaktere und lernen das Tal und uns selbst ein bisschen besser kennen.

Der Cast von Rue Valley. Quelle: Emotion Spark Studio Dabei wird uns klar: Bei Eugene sitzen einige Schrauben lockerer als bei anderen und seine Vergangenheit liegt ihm schwer auf den Schultern. So schwer, dass wir in den ersten Zeitschleifen gezwungen sind, die Geschehnisse einfach hinzunehmen.

Neben den düsteren Themen und intensiver Introspektion wirft uns Rue Valley aber auch ein klassisches Mystery vor die Füße, um dessen Ergründung wir mit Eugene ringen müssen.

Nach und nach versteht er, was passiert, und gewinnt die nötige Willensstärke, um der Zeitschleife auf den Grund zu gehen und sich seiner Vergangenheit zu stellen.

Ich male mir das alles nur aus

Mit seiner Isometrischen Konstruktion wirft Rue Valley einige interessante Schatten in seine sonnenscheingeflutete Spielwelt. Die Umgebungen sind in einer impressionistischen Darstellung von Licht und Schatten gehalten, die gelegentlich durch animierte Konturen umrahmt wird. Abgesehen von den klaren Formen und gelegentlich erkennbaren Pinselstrichen ziehen sich auch die Benday Dots, also die Punktschraffur aus alten Comics, die ein bisschen an Polka-dots erinnert, durch die Spielwelt, und sticht uns besonders ins Auge, wenn wir im Highlighter-Modus die interaktiven Objekte hervorheben.

In den 47 Minuten jedes Spieldurchlaufs fängt Rue Valley eine beeindruckende Vielzahl von Lichtsituationen ein, die der Wüstenstadt eine authentische Atmosphäre verpassen. Von der goldenen bis zur blauen Stunde werden die Gebäude und Straßen in buntes Licht getaucht, Schatten wachsen und schrumpfen in die Welt und zeigen so, wieviel Zeit uns noch bleibt, ohne uns jemals eine Uhr ins Gesicht zu drücken. Dass wir nur circa zehn Schauplätze besuchen dürfen, wird durch die Dynamik interessanter gemacht und passt zum Thema.

Während die Animationen der Charaktere übrigens absichtlich weniger als 30 Frames in der Sekunde zeigen, und so ein bisschen an ein Daumenkino erinnern, sind die überzeichneten Bewegungen selbst gefüllt mit Persönlichkeit. Ob die Dame mit den Aggressionsproblemen nun dem Getränkeautomaten den Mittelfinger zeigt, oder Eugene sich aus lauter Erschöpfung wie eine Raupe auf sein Bett schiebt, dienen alle Bewegungen dazu, die Figuren abzurunden.

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