Rue Valley reißt uns mit in einen Strudel aus Zeit, Raum und Psyche - und zwingt uns, gegen uns selbst anzukämpfen, um der Wahrheit näher zu kommen.
Let's do the Time Loop again!
Da ist es doch sehr von Vorteil, dass wir die selben 47 Minuten wieder und wieder erleben dürfen. Für ein Spiel mit Zeitschleifenmechanik ist das verhältnismäßig wenig Zeit, aber trotzdem passiert in dieser Dreiviertelstunde genug, um rund 20 Stunden Spielzeit zu füllen.
Quelle: Emotion Spark Studio
Da sich unsere Statuswerte mit jedem Effekt verändern, laufen auch die Interaktionen nie genau gleich ab. Die Ereignisse sind extrem gestrafft und es wirkt zunächst, als sei Rue Valley ein stressiges Spiel, dessen Taktung keinen Raum für Handlungen unsererseits lässt.
Der Minutenzeiger bewegt sich aber nicht linear, sondern wird basierend auf unseren Aktionen weitergeschoben. Wir haben alle Zeit der Welt, uns umzusehen, Entscheidungen zu überdenken und uns mit dem Gedanken an das Ende der Welt anzufreunden.
Aber was nützt all das Grübeln, wenn Eugene sich am Ende an nichts erinnern kann? Im Gegensatz zu uns vor dem Bildschirm kann er nichts mitnehmen, wenn er vom Ende der Welt zurück in seine Therapiestunde geschleudert wird.
Sein Unterbewusstsein behält glücklicherweise die wichtigsten Erkenntnisse, um Durchlauf für Durchlauf Fortschritte abzustecken. Eugene erlebt gewissermaßen Déjà-vus, die nur an der Oberfläche seines Wissens kratzen, während wir als Spieler alles in Kontext bringen können.
Dafür betreten wir die Rue-Valley-Version von Sherlock Holmes' berühmtem Gedankenpalast. Eugenes Kopf ähnelt allerdings eher einem Spinnennetz als einem Schloss, seine Erinnerungen werden wie lose Blasen in einer großen Mindmap miteinander verbunden. Nur, wenn eine Erinnerung mit anderen verbunden wurde, kann Eugene sie behalten.
Quelle: PC Games
Aus diesen Verbindungen formulieren sich Intentionen - Missionsziele, im übertragenen Sinne - deren Erledigung Willenskraft erfordert, von der wir als depressiver Patient verständlicherweise nicht genug haben. Wir mausern uns also Schleife für Schleife Willenskraft zurück, um uns an eine Wiederholung zu erinnern und so lernen zu können.
Sollte man Rue Valley in der Zukunft gespielt haben?
Als Newcomer haben Emotion Sparks Studio sich mit Rue Valley die Chance geschaffen, einen bleibenden Eindruck im Genre Story-RPG zu hinterlassen und gute Chancen abzuliefern. Die Persönlichkeitsmechaniken reizen, sich in die charmant geschriebenen Interaktionen zu stürzen und werden von einer vielversprechenden Prämisse dabei unterstützt.
Sowohl auditiv als auch visuell verspricht das Spiel ein hochwertiges Erlebnis, auch wenn die Synchronisation, die den Charakteren viel Flair verleiht, voraussichtlich nur auf Englisch zu hören sein wird. Dem Gameplay lässt sich verhältnismäßig wenig abgewinnen, es verblasst aber sowieso im Angesicht des wunderschön-freien Artstyles und den komplexen Effekt-Zusammenhängen, die Konsequenzen in ein absurdes Spielprinzip bringen.
Das Rue Valley Motel öffnet voraussichtlich im ersten Quartal 2025 seine Türen für alle Gäste auf Steam. Preise sind aber noch nicht bekannt. Bis dahin können wir uns aber die Beine in der kostenlosen Alpha-Version vertreten, die ebenfalls auf Steam zu finden ist. Transparenzhinweis: Das Vorschau-Event zu Rue Valley fand digital statt.
