Broken Roads in der Vorschau: Wasteland in Australien - so gut wie Disco Elysium?
Special
Auf den ersten Blick wirkt das stark auf seine Geschichte fokussierte Broken Roads wie ein ganz klassisches Rollenspiel in Form von Wasteland oder den ersten beiden Fallouts, doch das Indie-Spiel aus Australien hat einige Innovationen im Gepäck und liefert darüber hinaus einen wichtigen Unterschied! Welcher das ist, verrät unsere Vorschau - kommt das nächste Disco Elysium?
Egal, welche modernen Medien man heutzutage konsumiert, wer gerne in Abenteuer abseits des Fantasy-Sektors eintaucht, der findet sich eigentlich ständig in den endlosen Weiten Amerikas wieder. Klar, da schwingt schon eine große Faszination mit, und das nicht nur bei uns in Deutschland. Dennoch wirkt es manchmal etwas ermüdend, bedenkt man auch, wie viele spannende Settings es sonst so gibt. Das gilt für die Fallout-Reihe (selbst die kommende Netflix-Serie setzt mit Los Angeles wieder einmal auf die USA), den Genre-Nachbarn Wasteland, aber auch zig andere große Spiele, Filme, Bücher und Serien aus den diversen Kategorien der Unterhaltungswelt. Kein Wunder also, dass das isometrische Rollenspiel Broken Roads dank des ausgefallenen Settings Australien durchaus für Interesse sorgen kann - und das gilt nicht nur für Fans von textlastigen RPGs.
Jetzt denken sich vielleicht einige: "Moment mal, Australien ist doch ein total spannender Ort, der sich super anbietet für große und intensive Videospielerfahrungen - da gibt's doch sicher einiges!" Jaja, spannend ist das alles, aber es gibt tatsächlich kaum große Spiele mit Australien-Setting. Abseits des Open-World-Racers Forza Horizon 3 von Playground Games und Xbox sowie dem Mad-Max-Universum wird es nämlich schnell dünn.
Mit Broken Roads wird es (voraussichtlich) dieses Jahr also schon bald einen weiteren Namen auf der Liste geben. Wie gut das Abenteuer mit ambitioniertem Moralsystem, starker narrativer Ausrichtung und einem Stil ausfällt, der an eines der besten Rollenspiele der letzten Jahre erinnert, muss sich noch zeigen. Wir wagen aber einen ersten intensiveren Blick.
Moderne Ideen, alt verpackt
Broken Roads macht bereits in den ersten Sekunden deutlich, in welche Richtung das fortlaufende Abenteuer gehen soll, das sicherlich aufgrund des altbekannten Genres einiges an Spielstunden für euch bereithält. Im Zentrum der Spielerfahrung stehen - wie sollte es anders sein - eine Kamera von oben, das ein oder andere Entscheidungsdilemma, typische und komplexe Rollenspielelemente sowie eine große Menge an Text. Ihr wisst schon, im Stil vom ultraerfolgreichen Baldur's Gate 3, das aktuell für Aufsehen sorgt!
Das alles trifft dann auch noch auf einige weitere Klassiker in dem Bereich, etwa eine postapokalyptische Welt, philosophisches Storytelling, strategische rundenbasierte Kämpfe, viel Erkundung ... ihr merkt schon, die Parallelen zu Wasteland, Fallout & Co. sind omnipräsent. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass das im ersten Moment vielleicht altbacken wirkende Broken Roads keine eigenständigen Ideen mit sich bringt. Neben dem hübschen Grafikstil und dem spannenden Setting hat das Rollenspiel nämlich auch spannende Innovationen parat!
Ein innovatives und philosophisches Moralsystem - wie cool!
Im Gespräch auf der Gamescom hat uns das Team etwa verraten, man möchte besonders mit dem Moralsystem punkten. Während viele andere Videospiele schlicht auf zwei Möglichkeiten, das Gute und das Böse, setzen, hat es sich Broken Roads zur Aufgabe gemacht, die moralische Einordnung der Spielfiguren deutlich stärker an tatsächlichen philosophischen Ansätzen festzumachen.
Quelle: Drop Bear Bytes
Der "Moral-Kompass" aus Broken Roads
Der "moralische Kompass" definiert uns über die vier Bereiche "Nihilist" (zum Relativismus tendierend), "Humanist" (wichtig ist die Würde jedes einzelnen Menschen), "Machiavellist" (kühl und berechnend) und "Utilitarist" (auf praktischen Nutzen bedacht). Dabei gibt es zahlreiche Überschneidungen, je facettenreicher wir agieren, desto weiter fällt unser Weltbild aus. Wer hingegen die vielen kniffligen Situationen einseitiger angeht, der fällt vielleicht auch mal durch sein beschränkteres Weltbild auf.
Dass das deutlich spannender ist, als ein simpler Wert zwischen zwei Extremen, das müssen wir vermutlich nicht weiter erklären. Dabei nimmt das Moralsystem nicht nur Einfluss auf Dialogoptionen und Quest-Verläufe, auch die philosophischen Überzeugungen der Figuren werden maßgeblich im Spielverlauf beeinflusst - wie spannend!
