Die Speicherkrise treibt seltsame Blüten: Mit der Steam Machine haben wir einen Mini-PC im Test, den wir eigentlich lieben wollen - aber zu diesem Preis kaum jemandem empfehlen können.
Nach dem Steam Deck und dem Steam Controller hat Valves Hardware-Familie neuen Zuwachs bekommen. Die Steam Machine ist ein Mini-PC fürs Wohnzimmer, der die gleiche Philosophie verfolgt wie sein kleiner Handheld-Bruder: PC-Gaming soll genauso unkompliziert sein wie auf einer Konsole und jedes Spiel soll mit dem Controller bedienbar sein.
Wie gut letzteres funktioniert, haben wir in unserem Test zum Steam Controller geklärt. Hier geht es nun um den kleinen Würfel, der in den letzten Tagen die Schlagzeilen dominiert hat - und ob sein Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich so schlimm ist, wie es klingt.
Warum ist die Steam Machine so teuer?
Wenn ihr fleißig Gaming-News verfolgt, dann wisst ihr es schon: Die Steam Machine ist ein ausgesprochen teurer Spaß. Das Gerät startet bei stolzen 1.039 Euro mit einer 512GB-SSD und ohne Controller. Für die 2TB-Variante kommen noch einmal 320 Euro hinzu, für das Controller-Bundle 69 Euro.
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Die Steam Machine ist damit 529 Euro teurer als eine PS5 Pro mit der gleichen Ausstattung. Und so viel können wir vorwegnehmen: Mit Leistung wiegt Valves "Companion Cube" den Unterschied nicht auf.
Wie die Preise zustande kommen, wird in Gesprächen mit dem Hersteller deutlich: Arbeitsspeicher, Grafikspeicher und SSDs sind in den letzten Monaten durch den KI-Hype massiv teurer geworden und Valve ist ein vergleichsweise kleines Licht am Hardware-Markt, kann also nicht zu den besten Konditionen einkaufen.
Den Preis subventionieren, also bei der Hardware draufzahlen und das Geld mit Software-Verkäufen wieder reinholen, möchte Valve auch nicht, da das Gerät nicht auf das Steam-Ökosystem beschränkt sein soll. Es ist - wie das Steam Deck auch - keine zugesperrte Konsole, sondern ein Linux-PC, mit dem ihr machen könnt, was ihr wollt.
Quelle: PC Games Hardware
Käufer des 2TB-Modells erhalten noch zwei wechselbare Frontplatten für ihren "Gabecube".
So komfortabel ist SteamOS
Der vollwertige Linux-Desktop ist stets nur ein paar Knopfdrücke vom "konsoligen" Gaming-Modus entfernt, wenn ihr tiefer einsteigen wollt. Das attraktivste Feature der Steam Machine ist aber natürlich genau diese Konsolen-ähnliche Erfahrung, nur eben mit PC-Spielen.
Ihr schließt den kleinen Kasten per HDMI oder DisplayPort an euren Bildschirm an, verbindet einen Steam Controller (hier bei uns im Test) oder ein beliebiges anderes Pad und meldet euch mit eurem Steam-Account an. Das Gerät bootet dann standardmäßig in den Gaming-Modus, der euch alle wichtigen Steam-Features bequem mit dem Controller ansteuern lässt.
Nun - meistens zumindest, denn auch nach vier Jahren mit dem Steam Deck ist die Oberfläche noch nicht hundertprozentig ausgereift. So verhakt sich manchmal der Cursor oder Seiten scrollen nicht richtig mit. Im laufenden Spiel können die Steam-Menüs je nach Leistungshunger auch mal träge werden.
Und die Einstellmöglichkeiten, sowohl für das System als auch für einzelne Spiele und deren Steuerung, sind komplexer als das, was ihr auf einer Konsole zu Gesicht bekommt. Unter den großen Kacheln und Controller-Icons läuft eben immer noch Steam, mit allen Funktionen, die dazugehören.
Was ist spielbar und was nicht?
Und was ihr auf der Steam Machine zockt, sind keine speziell optimierten Konsolenspiele, sondern Software, die in 99 Prozent der Fälle zuerst einmal für einen Windows-PC entwickelt wurde, an dem Maus und Tastatur hängen.
Hersteller Valve hat aber in den letzten Jahren mächtige Tools gebaut, damit ihr eure Spiele trotzdem auf seiner Hardware nutzen könnt.
Mit einer Schnittstelle namens Proton wird der überwiegende Großteil der Spiele zum Laufen gebracht, die keine native Linux-Version besitzen. Von einer großen Ausnahme mal abgesehen, zu der wir gleich kommen, startet und läuft per se so gut wie alles auf der Steam Machine, und das meist ohne Leistungsverlust gegenüber gleichwertiger Hardware unter Windows.
Quelle: PC Games Hardware
Für ein Linux-System unterstützt die Steam Machine erfreulich viele Display-Features, unter anderem VRR, HDR und HDMI CEC. Letzteres ermöglicht es der Steam Machine, euren Monitor oder TV einzuschalten.
Dank der mächtigen Steam-Eingabe könnt ihr zudem Spiele, die eigentlich nur Maus und Tastatur unterstützen, für euren jeweiligen Controller konfigurieren. Das Tool braucht mit seinen etlichen Funktionen eine gewisse Einarbeitungszeit, aber dann sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.
Es werden auch Presets von Valve und der Community angeboten, die ihr dann im Regelfall nur noch etwas verfeinern müsst. Habt ihr vor, Titel wie Anno 1800 oder Total War auf der Couch zu zocken, empfehlen wir allerdings dringend, euch den Steam Controller dazuzuholen, der mit seinen Touchpads und Zusatzbuttons mehr Optionen bietet als die Pads von Microsoft, Sony und Co.
Wie gut sich das Spiel eurer Begierde auf der Machine macht, erfahrt ihr im Steam-Shop und eurer Bibliothek anhand verschiedener Icons. Dort seht ihr, ob nur Maus und Tastatur oder auch Controller unterstützt werden, und, noch wichtiger, ob es sich starten lässt und vernünftig läuft. Ein blauer Haken bedeutet: Ihr könnt losspielen. Nervigkeiten wie ein Launcher, der sich nur mit Maus und Tastatur bedienen lässt, oder falsche Controller-Icons im Spiel werden separat gekennzeichnet.
Im Gegensatz zum Steam Deck haben wir in unserer Bibliothek nichts entdeckt, das wegen zu mieser Performance auf der Steam Machine als unspielbar gekennzeichnet ist. Da Valves Anforderung für gute Performance lediglich 30 Fps in Full-HD-Auflösung voraussetzt, wäre das allerdings auch ziemlich traurig gewesen.
Quelle: PC Games
Die Steam Machine kann mehrere Controller für Couch-Koop-Sessions verarbeiten, aber bei etlichen großen Online-Games ist sie wegen Linux außen vor.
Die größte Einschränkung
Die meisten unspielbaren Titel gehören zur eben erwähnten, großen Ausnahmegruppe, und die bezieht sich auf nicht unterstützte Anti-Cheat-Systeme. Der Großteil der heutigen Online- und Live-Service-Games nutzt dafür Software-Lösungen, bei denen Linux kategorisch ausgeschlossen ist.
Call of Duty, Battlefield, Apex Legends, EA Sports FC, PUBG, Fortnite, GTA Online, Destiny 2 - nichts davon könnt ihr auf der Steam Machine spielen. Bei GTA 5 funktioniert zumindest der Story-Modus, aber im Regelfall kommt ihr bei betroffenen Titeln nicht einmal ins Hauptmenü.
Daran kann Valve alleine zwar nicht viel ändern, aber trotzdem: Seid ihr darauf aus, aktuelle Multiplayer-Games zu zocken, werdet ihr mit der Steam Machine nicht glücklich. Auf der nächsten Seite sehen wir uns die Performance in verschiedenen Spielen an und lassen die Steam Machine gegen das Steam Deck und die PS5 (Pro) in den Ring treten.
