Saints Row 2022 im Test - Seite 2

Test Christian Dörre 9,99 €
Saints Row 2022 im Test - Seite 2
Quelle: PC Games

In unserem Test zu Saints Row erfahrt ihr, warum der Neustart der Action-Reihe zwar nicht schlecht, aber trotzdem ziemlich enttäuschend ist.

Dennoch fühlt es sich oftmals so an, als wäre das Spiel hier mit angezogener Handbremse unterwegs. Die alten Saints Rows waren respektlos, voller Pimmelwitze und scherten sich einen feuchten Kehricht um irgendwelche Tabus. Diesmal ist der Humor zwar stellenweise etwas abgedreht, aber trotzdem auch meistens bemerkenswert harmlos. Vergleicht man den Reboot direkt mit Teil 3 und 4, könnte man fast schon den Eindruck gewinnen, dass man hier bloß niemandem auf die Füße treten möchte. Ob das nun besser oder schlechter ist, wird jeder für sich selbst entscheiden müssen. Die Fans der bisherigen Spiele dürften aber mehr Anarcho-Humor erwartet haben.

Zudem ist die Story dann auch noch ziemlich schwach auf der Brust. Wie zuvor erwähnt, eigentlich kein Problem bei einem Saints Row, aber beim Reboot wurde der die Erzählung übertünchende Wahnsinn eben etwas heruntergefahren und das Spiel möchte auch unbedingt eine Story erzählen. Es soll um Freundschaft und Selbstverwirklichung und Freiheit gehen. Man versteht auch immer sofort, auf was die Entwickler hinaus wollen, aber es ist trotzdem sehr holprig erzählt.

Das Spiel setzt an einigen Zeitpunkten darauf, dass wir über eine emotionale Bindung zu den Charakteren verfügen, aber dafür gibt es uns einfach viel zu wenige Momente, in denen uns die Figuren ans Herz wachsen könnten.
Einige Missionen sind toll inszeniert und glänzen mit guten Ideen. Hier vergisst man dann auch schon mal die Mängel des Spiels. Quelle: PC Games Einige Missionen sind toll inszeniert und glänzen mit guten Ideen. Hier vergisst man dann auch schon mal die Mängel des Spiels. Überhaupt ist die Geschichte ziemlich kurz. Wir schlossen nebenher noch einige Nebenmissionen ab und benötigten trotzdem nur etwa 15 Stunden bis zum Abspann. Für ein Open-World-Spiel ist das dürftig.

Immerhin können wir aber an anderer Stelle eine Entwarnung aussprechen: Eli, Kevin und Neenah sind zwar etwas zu sehr bemüht auf hip und cool getrimmt, aber unsere Team-Mitglieder sind nicht solche Nervensägen, wie man nach der Ankündigung befürchten konnte. Sie sind sogar recht sympathisch und bisweilen auch witzig. Kein Vergleich also zu der Nervbande aus Ubisofts Watch Dogs 2.

Action-Allerlei und Einheitsbrei

Die neuen Saints wollen in Santo Ileso ihr eigenes Verbrecherimperium aufbauen und brauchen dafür Kohle. Entweder führen wir also Auftragsmorde aus, oder wir nehmen über unser Smartphone Hauptmissionen an. In denen besorgen wir dann wichtige Dinge für unser kriminelles Unternehmen oder wir legen uns mit den rivalisierenden Banden an und killen deren Mitglieder.

Diese Missionen überzeugen manchmal auch durch kreative Ideen oder cool inszenierte Action. So rauben wir beispielsweise einen Zug aus, helfen einem Schwerverbrecher aus dem Knast auszubrechen oder nehmen an einer mörderischen Game-Show teil, um neue Mitglieder anzuwerben. In diesen Momenten kommt dann auch immer wieder das alte Saints-Row-Gefühl auf. Um uns herum tobt das Chaos und wir wurschteln uns mit Waffengewalt und ein paar doofen Sprüchen auf den Lippen hindurch.
Manche Szenen sind schön chaotisch aufgezogen, allerdings fällt auch hier das eintönige Missionsdesign auf. Quelle: PC Games Manche Szenen sind schön chaotisch aufgezogen, allerdings fällt auch hier das eintönige Missionsdesign auf. Es sei jedoch dazugesagt, dass sämtliche Missionen nach dem gleichen Muster ablaufen. Wir fahren zum Zielort, wo uns dann entweder direkt allerlei Gegner erwarten, oder es geht irgendwas schief und dann tauchen die Feinde auf und wollen abgeknallt werden. Hinzu kommt, dass sich die Ballereien sehr altbacken spielen.

Wir können uns zwar ducken, aber ein Deckungssystem gibt es nicht. Wir müssen also in Bewegung bleiben, Ausweichrollen vollführen und gelegentlich eine Nahkampfattacke ausführen, um so unsere Lebensenergie wieder aufzufüllen.

Das mag oldschool sein, aber neun Jahre nach dem letzten Teil hätten wir uns schon ein paar Innovationen oder zumindest altbekannte moderne Gameplay-Elemente gewünscht. Das neue Saints Row ist hier auf dem gleichen Stand wie die letzten zwei Teile, die damals schon nicht sonderlich modern waren.

Das wäre allerdings gar nicht mal so schlimm, wenn andere Dinge verbessert worden wären. Die KI ist so doof wie zu alten Saints-Zeiten. Entweder stehen die Gegner schießend herum, oder sie stürmen direkt auf uns zu. Manchen Fieslingen muss man zuerst noch die Panzerung wegschießen, aber auch für diese zäheren Brocken gilt: Entweder sie stehen schießend herum oder sie stürmen eben direkt auf uns zu.

Angeblich sollen sich die Gegnergruppen voneinander unterscheiden. So kündigte Volition an, dass die Panteros besonders stark sind, während Marshall auf überlegene Waffen setzt und die Idols Zivilisten oder gar unsere Verbündeten davon überzeugen können, sich gegen uns zu stellen. Gemerkt haben wir davon aber rein gar nichts.

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