Bewegungssteuerung, Spracherkennung, berührungssensitive Eingabemethoden und 3D-Technik lösen Konsolenkrieg, Grafikgefeilsche und HD-Wahn ab. Ist das die neue Revolution der Videospiele oder doch nur eine Modeerscheinung? Videogameszone.de wirft einen Blick in die Glaskugel.
Vor fast 40 Jahren konnte man eine Vielzahl von Spielern bereits mit zwei steuerbaren Strichen und einem sich bewegenden Punkt regelrecht begeistern. Das im Jahre 1972 von Atari veröffentlichte Pong gilt weithin als die Wiege der Videospiele, obwohl es nicht das allererste seines Fachs war. Die ersten Versionen von Pong konnte man - wie damals bei Videospielen allgemein üblich - nur an Spielhallenautomaten spielen. Doch dies sollte sich drastisch ändern, als die ersten Videospielkonsolen ihren Vormarsch antraten. Mitte der 70er Jahre begann ein über Jahrzehnte anhaltender Konsolenkrieg zwischen Atari, Commodore, Sega, Nintendo, Sony, Microsoft und einigen anderen. Wer hat die beste Grafik? Welche Konsole bietet die interessantesten Videospiele? Welcher Datenträger ist besser geeignet? Module oder Disks? Inzwischen sind nur noch die drei zuletzt genannten Firmen vorne dabei, doch der Kampf um die Spieler geht immer noch weiter. Was früher noch mit zwei Strichen und einem Punkt gelang, erfordert nun schon deutlich mehr Aufwand. Das Konsolenwettrüsten scheint etwas in den Hintergrund gerückt zu sein und das neue Heil heißt: Einzigartigkeit. Es soll etwas geboten werden, dass die Konkurrenz (noch) nicht hat.
Die Wurzel allen Zockens: Pong gilt weithin als der geistige Vater aller Videospiele.
In Bewegung kommen
Der neue Krieg der Videospiele handelt nicht mehr von einem Kräftemessen der Konsolen, sondern kann derzeit als "Fuchtelkrieg" umschrieben werden. Nintendo hat es mit der Ende 2006 veröffentlichten Wii vorgemacht und nun hecheln Sony und Microsoft mit eigenen Konzepten hinterher. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Steuerung der Spiele durch Bewegungserkennung und eine möglichst simple Bedienung. Doch trotz des weltweiten Erfolgs von Vorreiter Nintendo ist die Technologie immer noch in den Kinderschuhen. Erst etwa 30 Monate nach dem Wii-Release vermochte die Spielkonsole von Big N mit Motion Plus das zu halten, was von Anfang an angepriesen wurde: verzögerungsfreie und präzise Bewegungssteuerung von Videospielen. Mit Move präsentierte Sony auf der diesjährigen E3 ein sehr ähnliches Konzept. Zwar sind die Parallelen zur Konkurrenzkonsole nicht von der Hand zu weisen, doch dafür kann PlayStation Move dank besserer Technik mit höherer Präzision punkten. Vier Jahre nach den ersten Versuchen der Bewegungserkennung in Videospielen. Bis die se Technologie zufriedenstellend in alle Genres eingebunden werden kann, werden mit großer Sicherheit noch weitere Jahre ins Land streichen.
Das schaff ich sogar freihändig!
Automatenmeile: Vor der Konsolen-Ära musste man zum Zocken in solche Spielhallen.
Microsoft wagt sich noch einen Schritt weiter und verzichtet mit Kinect ganz auf Eingabegeräte. Hier dient der Körper als großer Kontroller. Die Spieler werden von der Kinect-Kamera erfasst und können mit simpelsten Gesten oder Sprachkommandos die Xbox 360 steuern. Seid mal ganz ehrlich: Wer von euch hat sich nicht schon immer gewünscht, seinen Musikspieler ganz wie in einem Sci-Fi-Streifen mit Wortkommandos zu steuern? Oder die TV-Programme ohne lästige Fernbedienung zu wechseln? Die Technik - speziell die Sprachsteuerung - ist durchaus cool und Microsoft könnte damit einen Meilenstein in der Multimediaanwendungsbranche setzen. Was Games angeht, wird Kinect allerdings sehr sicher das Schicksal von Wii und Move teilen und vor allem im Casualsegment punkten. Shooter oder Adventures nur mit dem Körper steuern? Technisch bisher undenkbar. Hinzu kommt, dass sich klassische Spiele ohne ordentliches Eingabefeedback unnatürlich anfühlen und den Wunsch nach etwas in der Hand offen lassen.
Harter Kern und weiche Schale: Kann das zusammen passen?
Fast so sicher wie das Amen in der Kirche ist eine weitere Ausdehnung der Kluft zwischen Casualund Coregamern durch PlayStation Move und Mircosoft Kinect. Die Launchtitel zu beiden Systemen sprechen eine deutliche Sprache: Mit Sorcery erscheint nur ein einziges Spiel, das in die Core-Kerbe schlagen könnte. Und selbst das ist noch unsicher. Müssen wir in Zukunft also immer weniger Futter für Hardcorezocker erwarten? Werden die verbleibenden Titel weiterhin zunehmend leichter und seichter? Oder ist das nur eine Phase und in ein paar Jahren besinnen sich die Entwickler wieder auf ihre Wurzeln zurück? Wir denken: weder noch! Viel wahrscheinlich ist eine Art Patt. Es spricht ja nichts dagegen, alle verschiedenen Spielgeschmäcker zu versorgen. Wichtig ist nur, nicht mit jedem Titel alle Spielerschichten gleichzeitig ansprechen zu wollen, wie es derzeit oft zu sehen ist. Da hat man hinterher nichts Halbes und nichts Ganzes. Am besten kommen doch die Games an, die bis ins letzte Detail getrimmt und poliert werden. Dass ein Kratos mit seiner rabiaten Art und Weise nicht jedem schmecken dürfte, wird da einfach hingenommen.
Der Trendzug fährt gleich ab - Bitte alle einsteigen!
Die seichte Seite der Macht: Mit der Wii bekamen Casualgames eine exzellente Bühne.
Wenn der Casualboom etwas abgeklungen ist und die neuen Konzepte weiterentwickelt werden, könnte uns Zockern wirklich wunderbares ins Haus stehen. Im Grunde ist es ganz einfach: Würden Die Entwickler darauf verzichten, alle gro ßen Spiele auf Biegen und Brechen mit der neuesten hauseigenen Technologie auszustatten, nur weil es "in" ist. Versehen sie stattdessen jedes Game mit der dafür intuitivsten Technik, haben alle das meiste davon. Wir Gamer bekämen schicke Unterhaltungsmedien und die Hersteller hätten weniger Aufwand und unterm Strich mehr Einnahmen. Party-, Casual- und Sportspielchen gäbe es dann mit Rumgezappel. Strategietitel bekommen optionale Sprachsteuerung verpasst und Railgunshooter steuert man mit Pointerknarren. Alle klassischen Spiele behalten mit dem guten alten Controller das dafür am besten geeignete Eingabegerät. Und alle sind happy. Es muss doch nicht immer auf Teufel komm raus jedem Trend nachgerannt werden. Gute Spiele bleiben schließlich nicht im Regal liegen, nur weil ihnen die neuste Unterstützung von Move, Kinect oder "Tolles neues Feature Nr. 17" fehlt. Doch genau da liegt der Knackpunkt: Die Entwickler wollen sich selbstverständlich auf dem Markt behaupten. Und solange es klappt, ist die Weiterentwicklung der Videospiele als Medium zweitrangig. Auch wenn die Spieler womöglich am meisten darunter leiden.
In diesem Artikel
- Seite 1 Wie wir künftig spielen: Bewegungssteuerung, 3D und Virtual Reality Games
- Seite 2 Wie wir künftig spielen: 3D - eine Revolution einer gesamten Branche?
- Seite 3 Wie wir künftig spielen: 3D-Gaming - Unsere Meinung
- Seite 4 Wie wir künftig spielen: Big Apple - Nur Fallobst oder die Zukunft?
- Seite 5 Wie wir künftig spielen: Kampf der Eingabemethoden
- Seite 6 Wie wir künftig spielen: Virtual Reality Games: Zukunftstraum oder Alternative?
- Seite 7 Bildergalerie
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