Da wird Rollenspiel-Veteranen warm ums Herz - Spiele wie Blue Dragon werden heutzutage normalerweise gar nicht mehr hergestellt.
Eine Heldenparty mit voller Schattenunterstützung? Feinde nehmen jetzt lieber Reißaus.
Sie lieben Japano-Rollenspiele? Warum haben Sie sich dann eine Xbox 360 gekauft? Das ist ja fast genauso, als würde man mit einem Heißhunger auf Sushi in ein Steak-House gehen: Schon irgendwie lecker, aber man vermisst die Godzilla-Poster an der Wand.
Aber jetzt ist endlich Blue Dragon da. Für alle Japan-Freunde ein riesiger Grund zur Freude und Anlass, am 24. August in einer blauen Stunde den bisher einzigen Japano-Ableger Enchanted Arms auszulachen. Ein wenig Übermut darf am Erscheinungstag dieses Spiels erlaubt sein. Schließlich waren die Altmeister Hironobu Sakaguchi, Akira Toriyama und Nobue Uematsu am Werk.
Diese haben der Videospielwelt bereits Klassiker wie die Final Fantasy-Serie, Chrono Trigger oder die Dragon Quest-Saga beschert. Die Blütezeit dieser drei Serien liegt inzwischen aber auch schon Jahre zurück und die "Großen drei" haben ihrem damaligen Arbeitgeber Square-Enix inzwischen den Rücken gekehrt, um sich unter dem Label Mistwalker zusammenzufinden. Hier hat man sich auf alte Tugenden besonnen - und ganz besonders beim Erstlingswerk Blue Dragon meint man ständig ein Déjà-vu zu erleben. Aber wie heißt es so schön? Früher war alles besser.
Blue Dragon ist einfach ein Rollenspiel nach den alten Regeln der Kunst. Wir erinnern uns: Früher hat der Bösewicht die Prinzessin entführt. Früher gab es rundenbasierte Kämpfe. Früher musste man seine Charaktere steigern, steigern und nochmals steigern. Früher gab es keine Einzelkämpfer. Früher gab es eine feste Heldentruppe, die das Abenteuer gemeinsam bestand. Und man könnte diese Liste, was früher anders war, noch unendlich fortführen. Denn wenn es ein Genre gibt, dessen Spielkonzept immer wieder revolutioniert und umgekrempelt wird, dann ist es das Japano-Rollenspiel. Allein zu Studienzwecken sollten Interessierte sich mal Final Fantasy IV, VIII und XII vornehmen. Hier steckt das Potenzial einer Doktorarbeit drin.
Umso herrlicher erfrischend ist es, dass Blue Dragon dermaßen auf Retro getrimmt ist, dass sich Rollenspielveteranen mehrmals an die Stirn fassen und "ja ja, genauso war das damals" vor sich hin murmeln werden.
Aber beginnen wir am besten mal bei der Story. Seit etwa zehn Jahren wird das Königreich Jebral von schrecklichen Katastrophen heimgesucht. Es beginnt stets damit, dass eine violette Wolke die Sonne verdunkelt. So auch im kleinen Dörfchen Talta. Kaum dass sich der Himmel verfinstert, taucht eine Kreatur auf, von der man nur eine riesige Rückenflosse aus dem Sand aufragen sieht. Die Bewohner von Talta nennen das Biest daher den Landhai. Das Spiel beginnt mit einem neuen Angriff dieser Kreatur und man sieht, wie sich die verzweifelten Bauern auf einem nahen Berg in Sicherheit bringen. Alle? Nein, fast alle. Denn drei jugendliche Heißsporne haben dem Landhai den Kampf angesagt: der mutige, aber etwas naive Shu, der clevere Klassenprimus Giro und die schüchterne Dorfschönheit Klug (ein Schelm, der bei diesen Namen an Fußwerk, Bankkonto und Schlaumeierei denkt).
