Das Nachtleben in der Roboterstadt ist ehrlich gesagt sterbenslangweilig.
Nach so vielen positiven Aspekten muss jetzt aber mal ein wenig gemeckert werden. Das Retro-Element von Blue Dragon ist nämlich nicht nur ein Segen, sondern auch ein Fluch - wenn auch nur ein kleiner. So schön und märchenhaft die Story auch sein mag, sie bietet in etwa so viele Überraschungen wie der Besuch eines Versicherungsvertreters. So gut und ausgeklügelt das Kampf- und das Charaktersystem auch sein mögen, nach fünfzig Stunden Spielzeit möchte man auch mal was anderes machen, als nur kämpfen und Dungeons erforschen. Ein paar mehr Minigames wie ein Autorennen oder eine Splinter Cell-Schleicheinlage gehören inzwischen ja schon zum guten Ton in der Rollenspielbranche. In Blue Dragon kommen zwar auch kleine Zwischeneinlagen vor, aber diese sind zumeist sehr minimalistisch ausgelegt. Des Weiteren vermissen wir schmerzlich Nebenquests, welche die Party auch mal abseits des "wir hetzen Nene um die ganze Welt" beschäftigen. Das hätte nicht nur mehr Abwechslung gebracht, sondern auch die Spielatmosphäre vertieft.
Die Story, die Grafik und die SoundEffekte verschlingen anscheinend so viel Speicherplatz, dass unsere Testversion auf drei DVDs in die Redaktion kam. Jede Disk umfasst dabei genau einen Akt der Handlung und schließt jeweils mit einem furiosen Finale. Diese beinhalten nicht nur die deutsche, sondern auch die englische und spanische Synchro. Man kann jederzeit zwischen den drei Sprachen hin- und herschalten - für die entsprechenden Menütexte muss jedoch im Xbox-360-Dashboard die Sprachgrundeinstellung gewechselt werden. Wahre Puristen unter den Japano-RPG-Fans werden die originale japanische Sprachfassung vermissen.
Aber ein Wechsel zu den anderen Sprachen ist eigentlich nicht erforderlich. Die deutschen Stimmen sind den englischen sehr, sehr ähnlich und schauspielern irre professionell, obwohl feinfühlige Mitmenschen vielleicht behaupten könnten, dass der Sprecher von Shu ein wenig zum Overacting neigt. :-)
