AC Unity: Unser Test - Großes Update mit PC-Wertung und Technik-Video

Test Peter Bathge
Die Revolutionsereignisse und Figuren wie Napoleon (links) spielen nur eine Nebenrolle in der Geschichte. (PC)
Quelle: PC Games

Bitte patchen: Ubisofts ambitionierte Paris-Stippvisite erschreckt im Test mit vielen Glitches, Performance-Einbrüchen und schlechtem Balancing. Wieso Assassin's Creed: Unity dennoch technisch imponiert und was das Action-Adventure spielerisch auf dem Kasten hat, lest ihr in unserem Test inklusive Video-Review. Jetzt mit PC-Wertung!

Meister Yoda hat mal wieder Recht: "Vergessen du musst, was früher du gelernt". Selten passte dieser weise Spruch des alten Jedi so wie beim Test von Assassin's Creed: Unity. Wer das neue Action-Adventure aus dem Hause Ubisoft nämlich genauso zu spielen versucht wie frühere Serienteile oder das parallel veröffentlichte Assassin's Creed: Rogue, den erwartet vor allem eines: Frust..

Update: Mittlerweile haben wir Unity mit Day-One-Patch auf allen Plattformen gespielt und haben den Artikel entsprechend angepasst. Außerdem findet ihr jetzt auf Seite 3 unsere Wertung!

Besser geht's nicht

Die häufig begehbaren Gebäude sind wunderschön modelliert und prachtvoll eingerichtet. (PC) Quelle: PC Games Die häufig begehbaren Gebäude sind wunderschön modelliert und prachtvoll eingerichtet. (PC) Unity ist das erste Assassin's Creed, mit dem Ubisoft nicht mehr die alten Konsolen Playstation 3 und Xbox 360 bedient. Das macht sich bei der Technik positiv bemerkbar: Unity sieht famos aus. Der Schauplatz Paris zur Zeit der französischen Revolution (spätes 18. Jahrhundert) ist ein Ort der Wunder, verzückt schlendern wir durch die Straßen, schauen flanierenden Passanten hinterher, beobachten Jongleure am Straßenrand oder lauschen Marktschreiern und in der Ferne geschmetterten Liedern der aufbegehrenden Massen. Künstliche Schranken existieren keine, Paris mit seinen mehr als einem Dutzend großer Bezirke ist völlig frei begehbar, ganz ohne Ladezeiten.

Besonders schön: Etliche Häuser lassen sich betreten, durch Fenster und Türen steigen wir arglosen Bürgern in die Butze und plündern Schatzkisten oder nutzen die Arbeitsstube eines Zimmerers als schnelle Durchgangspassage während einer Verfolgungsjagd zu Fuß. Die Räume sind herrlich detailgetreu ausgestattet; in den Anwesen der Oberschicht blitzt an allen Ecken und Enden Gold auf und exquisite Gemälde zieren die vertäfelten Wände. Da bleibt einem anfangs gerne mal der Mund offen stehen bei so viel Pomp.

Draußen verleihen wunderschöne Lichteffekte, etwa bei Sonnenuntergang, den Straßenschluchten ein magisches Leuchten. Plastischer Rauch steigt aus unzähligen Schornsteinen auf und wenn der Spielcharakter an Häuserwänden hochkraxelt, ziehen Risse im Putz und Schmutz auf den Fensterscheiben das Auge des Betrachters nahezu magnetisch an. Desweiteren beeindruckt die schiere Anzahl an Passanten auf den Straßen, bei denen es sich nicht einfach nur um schnöde Klonarmeen handelt. Nein, jeder Bürger sieht anders aus.

Die Gesichter der Charaktere sehen hervorragend aus, besonders in den Ingame-Zwischensequenzen. Quelle: PC Games Die Gesichter der Charaktere sehen hervorragend aus, besonders in den Ingame-Zwischensequenzen. Das Kopfsteinpflaster ist derweil der beste, schärfste und detaillierteste Bodenbelag, den wir je in einem Videospiel gesehen haben. Matschpfützen sehen so feucht und glitschig aus, man möchte mit beiden Beinen voran hineinspringen und dabei vor Freude glucksen. Um es kurz zu machen: Assassin's Creed: Unity schlägt grafisch bislang alles, was dieses Jahr an Videospielen erschienen ist, eventuell mit Ausnahme von The Vanishing of Ethan Carter. Statische Screenshots werden dieser Pracht dabei kaum gerecht, in bewegter Form sieht das Action-Adventure noch mal eine Ecke schöner aus als die Momentaufnahmen in diesem Artikel.

Schönheit um jeden Preis

Die Kehrseite der Medaille ist die Performance: Unity ist auf Playstation 4 und Xbox One nicht nur wie angekündigt auf 30 Fps und 900p beschränkt, die Framerate bricht sogar häufig in 20-Fps-Bereiche ein. Ruckler sind auf den dicht bevölkerten Straßen von Paris an der Tagesordnung, auch beim Erforschen der (recht kompakt gehaltenen) Katakomben hakt es kurzzeitig. Dadurch wird Assassin's Creed: Unity zwar nie unspielbar, gestört haben uns die Leistungseinbrüche aber dennoch. Genauso wie die unverhältnismäßig langen Ladezeiten beim Spiel- oder Missionsstart auf Konsolen. Dabei nimmt Ubisoft schon grafische Kompromisse in Kauf, modelliert die einzelnen Passanten etwa nicht ganz so detailliert wie die Hauptcharaktere. Außerdem gibt es auf Xbox One und Playstation 4 leichtes Kantenflimmern und ähnlich wie in Watch Dogs fehlen Echtzeit-Spiegelungen auf reflektierenden Oberflächen.

Die PC-Version von Unity ist schlecht optimiert; die Folge sind horrende Systemanforderungen und schlechte Performance selbst auf Rechnern, welche laut Ubisoft für den Einsatz mit Unity geeignet sind. Im Test mit dem obligatorischen Day-One-Patch kam es auf unseren PCs immer wieder zu unerklärlichen Framerate-Einbrüchen. Stellenweise fror das Spielgeschehen sogar mehrere Sekunden ein. Dann wieder fehlten Texturen oder poppten mit merklicher Verzögerung unschön auf, etwa bei den Frisuren der Passanten. Schatten und Bodenbeläge flackerten und einmal fiel Arno sogar glattweg durch den Boden der Spielwelt. Die Kamera zickte zuweilen, während eines Bosskampf war sie etwa die ganze Zeit auf ein fernes Gebäude fokussiert. Weil solche Technik-Tücken nicht etwa die Ausnahme, sondern die Regel sind, zwacken wir zehn Punkte von der PC-Wertung ab und hoffen darauf, dass Ubisoft mit Patches nachbessert.

Die PC-Version von Assassin's Creed Unity im Technik-Video

Die Konsolenversion hinterlässt einen besseren Eindruck, aber auch hier treten im Boden steckende NPCs, in der Luft schwebende Objekte oder ineinander verkeilte Wachen auf. Täglich entdecken Spieler weitere Glitches.

PS4 vs. PC: Nervige Glitches

PS4 PC

Spielerische Generalüberholung

In Sachen Gameplay versucht sich Unity an gleich mehreren fundamentale Änderungen des bekannten Spielprinzip. Die vielleicht wichtigste: Es gibt endlich einen echten Schleichmodus. Wo Connor, Kenway & Co. zuvor lediglich in dichtem Gebüsch automatisch in die Hocke gingen, dürft ihr jetzt jederzeit eure Figur auf die Pirsch gehen lassen. Geduckt bewegt ihr euch langsamer vorwärts, bekommt dafür aber automatisch die Positonen naher Feinde auf der Minimap angezeigt. Per Tastendruck schmiegt sich euer Charakter zudem an Wände und andere Objekte. Aus der Deckung lassen sich Gegner ähnlich wie in Splinter Cell: Blacklist ungesehen erledigen. Da die Feind-KI nicht sonderlich helle ist, marschieren gerne mal auch gleich mehrere Widersacher hintereinander in eine solche Falle.

Doof: Sich aus der Deckung zu lösen, bereitet einem sehr oft Schwierigkeiten, hier ist die Steuerung immer noch nicht ganz präzise. Beim Klettern nervt derweil, dass der Held sich immer wieder ziert, durch offene Fenster zu steigen. Schön dagegen: Die Spielfigur läuft endlich auch schräg an Wänden hinauf und bewegt sich extrem behände von einem Hausdach zum nächsten. Praktisch: Der Abstieg von hohen Gebäuden funktioniert genauso flüssig. Wo ihr in anderen Serienteilen stets von Türmen runterspringen musstet, könnt ihr euch in Unity erstmals bei gedrückter Taste peu à peu herunterarbeiten. Klasse!

Bildergalerie

  1. Seite 1 Assassin's Creed: Unity im Test - Technik, Schleichen und Klettern
  2. Seite 2 Assassin's Creed: Unity im Test - Schwierige Kämpfe, viele Nebenaktivitäten
  3. Seite 3 Assassin's Creed: Unity im Test - Story, Koop-Modus + Fazit
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