Assassin's Creed: Unity im Test - Schwierige Kämpfe, viele Nebenaktivitäten

Test Peter Bathge
Die Revolutionsereignisse und Figuren wie Napoleon (links) spielen nur eine Nebenrolle in der Geschichte. (PC)
Quelle: PC Games

Bitte patchen: Ubisofts ambitionierte Paris-Stippvisite erschreckt im Test mit vielen Glitches, Performance-Einbrüchen und schlechtem Balancing. Wieso Assassin's Creed: Unity dennoch technisch imponiert und was das Action-Adventure spielerisch auf dem Kasten hat, lest ihr in unserem Test inklusive Video-Review. Jetzt mit PC-Wertung!

Ein Assassin's Creed, bei dem einem im Kampf die Schweißperlen auf die Stirn treten. Eines, bei dem man nicht nur deswegen stirbt, weil der Spielcharakter ins Leere springt statt runter in einen strategisch platzierten Heuhaufen. Eines, das mit seinem hohen Schwierigkeitsgrad verantwortlich für ein geschrottetes PS4-Gamepad ist. Wer hätte das für möglich gehalten?

Warum ist Unity im Gegensatz etwa zum Vorgänger Black Flag so herausfordernd geraten? Das hat mehrere Gründe:

  • Es gibt keine automatische Heilung mehr, stattdessen muss die Spielfigur teure und stark begrenzte Medizin schlucken.
  • Das Kontersystem wurde entschärft. In den Vorgängern ließen sich nach einem tödlichen Treffer beliebig viele weitere Exekutionen aneinanderreihen. Das geht nicht mehr.
  • Rauchbomben sind nicht mehr so effektiv wie vorher. Feinde im Umkreis sind nur noch kurz irritiert und lassen sich auch nicht mehr per Tastendruck mit dem bekannten Handgelenkmesser umlegen.
  • Es gibt keine Möglichkeit mehr, Feinde als menschlichen Schutzschild vor sich zu halten, um den Kugeln von Musketenschützen zu entgehen.
  • Neben den auf Dächern postierten Schützen trägt auch noch jeder andere Gegner eine Pistole bei sich, mit der er euren Charakter aus der Ferne aufs Korn nimmt.

Die KI-Gegner malträtieren einen unentwegt mit Pistolen und Musketen aus der Ferne. Das kann frustrieren, weil man sich nicht dagegen wehren kann. Quelle: PC Games Die KI-Gegner malträtieren einen unentwegt mit Pistolen und Musketen aus der Ferne. Das kann frustrieren, weil man sich nicht dagegen wehren kann. Das alles hat zur Folge, dass große Keilereien wie in den Vorgängern bei Unity ein Rezept für einen schnellen Tod sind. Eure Spielfigur hält nur wenige Treffer aus und die Musketenschützen schießen euch mit ihrem Sperrfeuer ratzfatz zu Klump. Der Schlüssel zum Sieg ist es, nicht entdeckt zu werden und das Schleichsystem konsequent zu nutzen. Statt wie in Black Flag zu pfeifen, um Gegner anzulocken, dürft ihr jedoch nur noch Feuerwerkskörper werfen, um Feinde abzulenken. Die Widersacher verfügen zudem über Argusaugen und sehen euch auch auf Entfernung. Dadurch hatten wir im Test nie wirkich das Gefühl, die volle Kontrolle zu haben. Von der Qualität reiner Schleichspiele wie Splinter Cell oder Dishonored ist das lautlose Vorgehen in Unity ein gutes Stück entfernt.

Kämpfe gegen mehrere Gegner sind viel schwieriger als in den Vorgängern. (PC) Quelle: PC Games Kämpfe gegen mehrere Gegner sind viel schwieriger als in den Vorgängern. (PC) Das Balancing ist aus unserer Sicht zudem missglückt: Unity wirft euch Dutzende Gegner entgegen und wenn ihr einmal entdeckt wurdet, fällt es schwer, wieder zu verduften. Motivierend, aber unausgeglichen: Für erledigte Aufträge gibt es Talentpunkte, mit denen ihr neue Fähigkeiten freischaltet. Vieles davon, wie die doppelten Attentate aus großer Höhe, gehörten in den Vorgängern zur Standardausführung. Anderes, wie das Verkleiden, ist neu und übermächtig. Wer nicht gescheit und überlegt seine Skills ausbaut, kann in eine Sackgasse geraten und regt sich - so wie wir - furchtbar auf, wenn er ein ums andere Mal scheitert. Die in den Aufträgen schlecht platzierten, weil weit auseinander liegenden Speicherpunkte frustrieren zudem. Erst recht auf Playstation 4 und Xbox One, wo jedes Scheitern elendig lange Ladezeiten zur Folge hat.

Spielt sich alles gleich?

Zwölf Sequenzen mit insgesamt 32 Aufgträgen sind in der Kampagne zu absolvieren. Die Missionsziele ähneln sich dabei oft, es mangelt auf Dauer an Abwechslung. Ohne die Seeschlachten eines Black Flag oder die Rätselgräber aus Assassin's Creed 2 und Brotherhood wirkt das ständige Wechselspiel aus Zielperson finden und Zielperson ausschalten mit der Zeit doch arg monoton. Selten sind besondere Momente, etwa wenn ihr aus einem brennenden Gebäude flüchtet oder während eines Gewitters einem Wetterballon hinterher rennt. Ein paar schräge Albtraum-Sequenzen und mehrere ominöse Zeitsprünge halten das Geschehen insgesamt aber halbwegs frisch. Außerdem darf sich Unity genauso wie der kleine Bruder Rogue damit brüsten, den elendigen Lauschaufträgen ein Ende bereitet zu haben, wie sie etwa in Black Flag vermehrt vorkamen.

Wer will, sammelt nebenbei Datenpakete in fremden Zeitepochen. Das erinnert an den Time-Trial-Modus aus Mirror's Edge. Quelle: PC Games Wer will, sammelt nebenbei Datenpakete in fremden Zeitepochen. Das erinnert an den Time-Trial-Modus aus Mirror's Edge. Eine Sonderstellung innerhalb der Kampagne nimmt ein halbes Dutzend großer Attentate ein. Hierbei pflanzt euch das Spiel vor einem Anwesen mit der Zielperson ab und überlässt es euch sodann selbst, wie ihr die Aufgabe erledigt. Mehrere optionale Eingänge und teils versteckte Mini-Missionsziele gewähren viel spielerische Freiheit. So könnt ihr etwa einen Gefangenenaufstand anzetteln, um die Wachen abzulenken. Oder ihr stellt sicher, dass ein Feuerwerk stattfindet, woraufhin sich die arglose Zielperson dem Fenster zuwendet und so ihren Rücken entblößt. Das erinnert an Hitman: Absolution, ist aber bei weitem nicht so ausgefeilt und abwechslungsreich. Trotzdem: Der Verzicht auf allzu viel Linearität dürfte sowohl alte Serien-Fans als auch neue Spieler erfreuen.

Ein Umfangsmonster

Eine der spielerisch simplen Nebenmissionen: Wir lösen einen Mordfall, indem wir per Adlersicht Hinweise aufstöbern. Quelle: PC Games Eine der spielerisch simplen Nebenmissionen: Wir lösen einen Mordfall, indem wir per Adlersicht Hinweise aufstöbern. Serientypisch gibt es abseits der Hauptpfade wieder jede Menge zu tun. Die Übersichtskarte von Paris platzt geradezu vor Symbolen; nicht umsonst gibt es gleich mehrere Filter, um in dem Wust aus Schatztruhen, Nebenaufträgen und Sammelgegenständen die Übersicht zu behalten. Wer sich rühmen will, seinen Spielstand mit einer Fortschrittsanzeige von 100% abgeschlossen zu haben, ist locker 50 Stunden beschäftigt, wenn nicht mehr. Unter anderem dürft ihr euer eigenes Café ähnlich wie die Villa in Assassin's Creed 2 ausbauen - anschließend gibt es regelmäßig einen Teil der Einnahmen als Belohnung. Zudem löst ihr kleine Mordfälle, bei dem ihr per Adlersicht Indizien studiert und den wahrscheinlichen Täter anschließend beschuldigt - wer den falschen anklagt, bekommt eine geringere Belohnung.

In einem Art Time-Trial-Modus sammelt ihr Datenpakete der Templer im Auftrag der modernen Assassinen, für die ihr im Animus sitzt. Außerdem helft ihr bekannten historischen Persönlichkeiten wie Madame Tussaud oder folgt den Anweisungen einer übernatürlich begabten Seherin auf der Suche nach Nicolas Flamels Geheimlabor. Über die Stadt verteilte Nostradamus-Symbole wollen entschlüsselt werden und natürlich gibt es jede Menge Truhen, viele davon verschlossen. Darin finden sich neben kleinen Geldbeträgen auch immer wieder Gegenstände. Denn Assassin's Creed: Unity gewährt euch erstmals völlig freie Hand bei der Ausstattung eures Helden.

In einem umfangreichen Menü investiert ihr verdiente Knete in neue Waffen und Rüstungsteile, außerdem locken Bonus-Outfits. Die Farben eurer Klamotten lassen sich ebenfalls ändern, zudem dürft ihr jeden Gegenstand auch noch ein Mal upgraden. Hinweis: Ubisoft bietet per Uplay-Shop auch den Kauf von Ingame-Währung gegen echtes Geld an. Das war im Test aber nie nötig und wurde auch nicht störend beworben. Was die Atmosphäre dagegen massiv stört: In der Spielwelt stehen neben normalen Kisten auch blaue und goldene Truhen. Beide lassen sich nicht ohne Weiteres öffnen: Für die blauen Truhen müsst ihr zwingend die Companion App auf Smartphone oder Tablet spielen, für goldene Truhen will sich das Spiel mit Uplay verbinden. Wer darauf keine Lust hat, muss damit leben, dass manche Inhalte für ihn nicht zugänglich sind. Apropos Companion App: In diese hat Ubisoft dieses Mal das obligatorische Metagame mit der Verwaltung einer eigenen Assassinen-Bruderschaft (ähnlich wie das Flotten-Minispiel in Black Flag) ausgelagert.

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