Streckenführung, Grinding, Mikrotransaktionen und mehr
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Review zu The Crew 2: Nachdem der erste Ausflug in die virtuellen USA mit einigen Schwachpunkten zu kämpfen hatte, kehrt The Crew 2 mit zig neuen Gefährten und entschlackter offener Spielwelt zurück. Ist diesmal alles besser? Oder bleibt bei all den neuen Inhalten der Spielspaß auf der Strecke? Unser Test zu The Crew 2 liefert die Antwort!
In diesem Artikel
Die Momente, in denen es wirklich allein auf unser Talent ankommt, sind rar gesät und erst auf den letzten paar Kilometern in Rennen kommt es meist zu Situationen, die sich nicht so anfühlen, als wäre der Ablauf vorgegeben. Das mag bei einem Drei-Minuten-Rennen egal sein. Wenn wir aber gerade 40 Minuten investiert haben, von denen 35 Minuten im Grunde nur Beschäftigungstherapie sind, in
Quelle: PC Games
Die Formel-1-Rennen in The Crew 2 heißen Alpha GP und leiden wie so viele andere Rennvarianten unter dem nervigen Gummiband-Effekt.
denen wir keinen wirklichen Einfluss haben, stellt sich unweigerlich die Sinnfrage. Und wenn man dann nach 39 Minuten auf der Zielgeraden unaufmerksam war, gegen einen Betonpfeiler rast und das gesamte Fahrerfeld an uns vorbeizieht, dann ist der Drang groß, Konsole oder PC mit dem Fenster Bekanntschaft machen zu lassen. Gäbe es eine Rückspulfunktion, wie sie inzwischen in vielen Rennspielen Standard ist, wäre all das ja nicht einmal so ein Problem; auf eine solche haben die Entwickler aber unverständlicherweise verzichtet und lassen uns mit unserem Frust alleine.
Alle Wege führen gegen die Wand
Zumal das Versagen auf den letzten Metern oft nicht einmal hundertprozentig selbstverschuldet ist. Bei Überlandrennen existieren nämlich keine Streckenbegrenzungen, allerdings sehr wohl Routen, denen zu folgen wir dringend raten, um auch nur annährend eine Chance auf den Sieg zu haben. So guckt man ständig zwischen Strecke und Minimap hin- und her und hat an engen, vielbefahrenen Stellen nur die Wahl zwischen Wissen, wo man lang muss und Sehen, wo man gerade fährt. Die Straße selbst ist dafür nämlich kein Indikator - Unfälle sind vorprogrammiert. In Verbindung mit der teilweise sehr willkürlichen und sich alles andere als natürlich anfühlenden Streckenführung kommt hier regelmäßig Frust auf.
Quelle: PC Games
Mit dem Monster Truck Punkte sammeln ist nicht anspruchsvoll, macht aber Laune.
All das, die Gummiband-KI, fehlende Beschilderung und schlechte Wegführung sind doppelt schade, denn an und für sich ist die Gegner-KI gut gelungen. Die Fahrer reagieren auf unsere Aktionen, machen nachvollziehbare Fehler und nutzen Chancen, wenn sie sich ergeben. Umso mehr ist es unverständlich, dass das Wetter, trotzdem es immer wieder regnet und schneit, weder auf uns noch unsere Gegner merkbaren Einfluss hat. Ja, die Autos schleudern vielleicht eine Idee leichter, das ist aber auch schon alles. Ein Wettersystem mit mehr Konsequenzen hätte in den Auseinandersetzungen bestimmt für die eine oder andere spannende Situation sorgen können.
Grinden, grinden, grinden
Ob wir gegen andere Fahrer eine Chance haben, hängt aber nicht nur von unserem Talent und dem Willen der Gummiband-Götter ab, sondern auch davon, wie weit wir unser Gefährt verbessert haben. Für jede abgeschlossene Mission erhält man Teile für die entsprechende Gefährtklasse. In einem simplen Menü bringen wir sie an unseren Autos, Motorrädern und Co. an, wodurch sich ihre unterschiedlichen Statuswerte erhöhen und ein zusammenfassender Fortschrittswert steigt. Diesen vergleichen wir mit einer entsprechend angegebenen Empfehlung für die jeweilige Mission - und voila - wir wissen, ob wir darin bestehen können oder nicht. Also, zumindest theoretisch. Praktisch nämlich wurde das Balancing ziemlich in den Sand gesetzt.
Quelle: PC Games
Neben den öden Drag-Herausforderungen gehören die Drift-Rennen zu den Lowloghts in The Crew 2.
Wir absolvieren teilweise mühelos Missionen, die eigentlich über unserem Niveau liegen und versagen davor in solchen, in denen wir eigentlich keine Probleme mehr haben sollten. Zudem verkommt das Verbessern unserer motorisierten Untersetzer spätestens im Endgame zum Grindfest. Irgendwann erhält man durch die verfügbaren Aufgaben nicht mehr genug Upgrades und muss dann gezwungenermaßen Events wiederholen. Übrigens existiert auch ein klassisches Level-up-System via Erfahrungspunkten - beziehungsweise Followern, wie es im Spiel genannt wird und wie es in hippen Spielen der Generation Instagram offenbar der Fall sein muss. Auch dadurch schalten wir neue Herausforderungen und Features frei. Das geht aber recht flott und stört nicht so sehr wie das Upgrade-Grinding.
Moderate Mikrotransaktionen
Immerhin wird nicht versucht, durch diesem Umstand Mikrotransaktionen zu pushen. Ja, es gibt sie, Upgrade-Teile erhält man aber ausschließlich fürs Spielen. Stattdessen kann man sich mit Echtgeld anstatt mit der Ingame-Währung Fahrzeuge, neue Klamotten und anderen Firlefanz kaufen. Wer das nicht will, hat aber auch mit normal verdienter virtueller Knete Zugriff auf alle verfügbaren Gegenstände. Dieses System hat sich schon in anderen Ubisoft-Spielen bewährt und zeigt, dass es durchaus möglich ist, Mikrotransaktionen zu implementieren, ohne dass der Spielspaß darunter leidet und man sich als Kunde veralbert vorkommt. Im Grunde ist die Echtgeld-Variante in The Crew 2 eine Zeitersparnis-Option für Leute, die einfach alle verfügbaren Items sofort haben wollen - soll sein.
Quelle: PC Games
Grafisch haut The Crew 2 wohl niemanden um. Manche Momente, wie Bootrennen im Sumpf, wissen aber zu gefallen.
Wir haben stattdessen mit anderen, kleinen Punkten im Spiel noch unsere Probleme. Warum fühlt es sich etwa auch bei 350km/h so an, als würden wir höchstens mit der Hälfte der angegebenen Geschwindigkeit über den Asphalt brettern? Warum gibt es, abseits kaum wahrnehmbarer Kratzer, kein Schadensmodell? Stattdessen wird man nach Crashes nach einem Mini-Ladebildschirm einfach wieder auf die Strecke zurückgesetzt. Dazu kommt das oftmals hanebüchene Physiksystem, bei dem wir einerseits manchmal mit 200 Sachen gegen eine Wand donnern und ohne Crash einen Meter nach hinten hopsen, andererseits aber ein Auto im fließenden Verkehr von hinten mit 30km/h antippen und selbiges als Crash gezählt wird. Manche Objekte wie die Streckenbegrenzungen bei den Motocross-Rennen oder die ein oder die andere Hecke verfügt gleich über gar keine Kollisionsabfrage. Überhaupt, Crashes: Im Grunde existieren sie nicht. Ein leicht herumschleuderndes Auto ist da schon das höchste der Gefühle.
Wir schließen uns der Crew nicht an
Quelle: PC Games
Grafisch haut The Crew 2 wohl niemanden um. Manche Momente, wie Bootrennen im Sumpf, wissen aber zu gefallen.
Es sind all die genannten und noch viele, viele andere kleine Schwächen, manche aus dem Erstling übernommen, andere neu hinzugekommen, die verhindern, dass The Crew 2 mehr ist als bloß ein netter Rennspaß für Zwischendurch. Die riesige, zusammenhängende Welt ist, wenn auch etwas leblos, toll gemacht, die verschiedenen Fortbewegungsmöglichkeiten gut ausgewählt und umgesetzt und theoretisch könnte man viele, viele Stunden in den virtuellen USA verbringen. Nach unserer Testsession von knapp 30-35 Stunden haben wir darauf aber eigentlich keine Lust mehr. Die Luft ist raus, die zahllosen Dellen unter dem schönen Lack sind offenbart und die Ausstattung langt hinten und vorne nicht, um damit noch weit zu kommen. Was ein Spitzenklasse-Genrevertreter hätte sein könnten, ist somit nur einer von vielen geworden. Sehr schade!
Metacritic bewertet das Spiel mit 66%.
