The Crew 2 im Test: Motor-Manie mit viel Umfang, aber auch massig Makeln​

Test Lukas Schmid 26,99 €
The Crew 2 im Test: Motor-Manie mit viel Umfang, aber auch massig Makeln​
Quelle: Ubisoft

Review zu The Crew 2: Nachdem der erste Ausflug in die virtuellen USA mit einigen Schwachpunkten zu kämpfen hatte, kehrt The Crew 2 mit zig neuen Gefährten und entschlackter offener Spielwelt zurück. Ist diesmal alles besser? Oder bleibt bei all den neuen Inhalten der Spielspaß auf der Strecke? Unser Test zu The Crew 2 liefert die Antwort!

Als The Crew Ende 2014 erschien, so sorgte es primär dadurch für Erheiterung, dass Ubisoft die hauseigene Spieldesign-Formel - offene Welt, zahllose Sammelgegenstände, Türme zum Freischalten der Map - nun sogar auf ein Rennspiel übertrug. Ansonsten allerdings war es ein anständiges, aber in allen Belangen nicht herausragendes Rennerlebnis, welches vor allem auf sein Alleinstellungsmerkmal setzte, dass jedes Auto theoretisch durch Upgrades für jede Rennvariante tauglich gemacht werden konnte.

Wir dürfen aus mehreren Ansichtsoptionen wählen. In der Cockpit-Perspektive kommt das Fahrgefühl am immersivsten rüber. Quelle: PC Games Wir dürfen aus mehreren Ansichtsoptionen wählen. In der Cockpit-Perspektive kommt das Fahrgefühl am immersivsten rüber. Der Nachfolger geht andere Wege. Verbesserungen sind nun auf die jeweilige Fahrzeugklasse beschränkt, die Welt ist weiterhin offen, schön gestaltet und riesig (erneut erwartet uns eine Mini-Version der USA), aber deutlich weniger zugestopft mit Kram und anstatt ausschließlich mit Autos sind wir diesmal auch noch mit Motorrädern, Booten, Flugzeugen und einigen ganz besonders ausgefallenen Gefährten unterwegs. Auch die düster-dämliche Crime-Story des ersten Spiels ist Geschichte und macht einer locker-flockigen Erzählung Platz, die sich zusammenfassen lässt als "Du kannst gut Rennen fahren. Fahr Rennen." Folgt daraus, dass The Crew 2 (jetzt kaufen 13,00 € / 26,99 € ) nun in die Oberklasse des Rennspiel-Genres aufsteigt? Leider nein. Denn neben einigen Altlasten holt sich das Spiel auch allerhand neue Makel an Bord.

Wagenwechsel in Windeseile

Neben den normalen Gefährten schalten wir auch eine Handvoll ungewöhnlichere Untersätze frei. Quelle: PC Games Neben den normalen Gefährten schalten wir auch eine Handvoll ungewöhnlichere Untersätze frei. Wir suchen uns aus einer Auswahl an Avataren - Figuren-Editor existiert keiner - das Exemplar nach unserem Geschmack aus und werden nach Spielstart sofort mitten ins Geschehen geworfen. Innerhalb eines Rennens nehmen wir nicht nur hinter dem Steuer eines Wagens Platz, sondern wechseln fließend in ein Speedboat und anschließend in ein Kleinflugzeug. Dies ist das erste mehrerer Eventrennen - jener Herausforderungen, welche die Kampagne des Spiels vorantreiben. Abgesehen davon und von vier Duellen gegen die amtierenden Champions in den vier Kategorien Street Racing, Offroad, Freestyle und Pro Racing, die jeweils noch einmal in jeweils drei bis vier Unterkategorien unterteilt sind, erwarten uns sonst aber lediglich auf eine Rennart und ein Gefährt beschränkte Rennen und Missionen. Etwas schade, denn gerade der fliegende Wechsel trägt durchaus zum Spielspaß bei.

Weniger zu tun - zum Glück!

In der offenen Spielwelt hingegen funktioniert die rasante Wahl zwischen verschiedenen motorisierten Helferlein auf Knopfdruck hingegen ganz wunderbar und sorgt für ein sehr dynamisches Spielerlebnis. Allerdings, wer nicht aufpasst, an dem geht beinahe vorüber, dass die frei befahrbaren USA überhaupt existieren: Wurden sie im Vorgänger noch groß beworben, so wählt man diesmal von Anfang an die verfügbaren Missionen und Herausforderungen auf einer Map aus und bewegt sich mittels (sehr rasanter) Schnellreise dorthin. Wer will, setzt abseits der Aufgaben kaum jemals einen Reifen in die offene Umgebung und ihm entgeht nichts außer einer Handvoll Collectibles.

Die Miniatur-USA wurde gut umgesetzt. Ikonische Orte wie Manhattan sind sofort wiedererkennbar. Quelle: PC Games Die Miniatur-USA wurde gut umgesetzt. Ikonische Orte wie Manhattan sind sofort wiedererkennbar. Dabei handelt es sich einerseits um Kisten mit Upgrade-Teilen (dazu gleich mehr), andererseits um durchaus spaßige Foto-Herausforderungen, bei denen etwa ein Kojote abgelichtet werden muss oder wir selbst, wie wir im Flugzeug kopfüber unter dem Eiffelturm in Las Vegas hindurchfliegen. Ansonsten erwarten uns noch die typischen Spontanherausforderungen á la "erreiche eine bestimmte Geschwindigkeit" oder "fahre einen Slalom". Frohlocket: Türme zum Freischalten von Icons sind Vergangenheit, stattdessen ist die Sichtbarkeit dieser nun an unseren Erfahrungs- und Spielfortschritt gebunden. Wir hätten uns bloß gewünscht, dass das Spiel uns manche Elemente besser erklärt, denn oftmals muss man sich die Grundlagen von Herausforderungen oder Spielelementen selbst zusammenreimen. Wie verbauen wir unsere Upgrades? Wie stelle ich eine Crew zusammen? Was sind die Voraussetzungen, um neue Event-Rennen freizuschalten? Zu solchen Fragen fehlt oft die Antwort.

Online-Unfug

Ja, es gibt Mikrotransaktionen im Spiel. Allerdings sind sie dankenswerterweise sehr fair und nicht störend umgesetzt. Quelle: PC Games Ja, es gibt Mikrotransaktionen im Spiel. Allerdings sind sie dankenswerterweise sehr fair und nicht störend umgesetzt. Theoretisch lässt sich fast das gesamte Spiel übrigens auch mit bis zu drei menschlichen Crewmitgliedern bestreiten. Das ergibt auf der Map aufgrund fehlender Interaktionsmöglichkeiten wenig Sinn, in Rennen und Herausforderungen hingegen kann so manche schwere Aufgabe dadurch erleichtert werden. Erfüllt einer der Teilnehmer die Vorgabe - etwa das Erreichen eines Highscores oder eben einen Rennsieges -, so gilt dies auch für seine Mitstreiter. Sehr nett, angesichts der Tatsache, dass das Spiel The Crew heißt, aber überraschend rudimentär umgesetzt; und ganz sicher nicht genug, um zu rechtfertigen, dass man zum Spielen durchgehend mit dem Internet verbunden sein muss. Mehr noch, ist man ein paar Minuten inaktiv, wird man ins Hauptmenü zurückversetzt und muss anschließend eine lange Ladezeit über sich ergehen lassen, bevor man wieder spielen kann.

Noch unverständlicher und frecher wird dieser Umstand durch die Tatsache, dass (zumindest zum Release) keinerlei PvP-Rennen verfügbar sind. Oh, und durch den Umstand, dass The Crew 2 also ohne jede sinnvolle Rechtfertigung als Online-Spiel fungiert, haben wir auch keinerlei Zugriff auf unsere Speicherdaten und sind voll und ganz dem Gutdünken der Ubisoft-Cloud ausgeliefert. Das wird bestimmt interessant, sobald die Server des Spiels einmal vom Netz genommen werden und das Spiel damit faktisch wertlos wird.

Auto-Abwechslung

Das Verbessern unserer Gefährte funktioniert sehr simpel und erfordert nur wenige Knopfdrücke. Quelle: PC Games Das Verbessern unserer Gefährte funktioniert sehr simpel und erfordert nur wenige Knopfdrücke. Aber zurück zum Gameplay. Unter den Aufgaben, die uns in den vier Kategorien gestellt werden, finden sich tatsächlich überraschend wenige klassische Rennen. Stattdessen gilt es oftmals, Punkte zu sammeln, etwa, indem man mit einem Monster Truck in einem Parcours Icons einsammelt, mit einem Flugzeug bestimmte Figuren fliegt und Stunts vollführt, beim Rally Cross über Stock und Stein eine vorgegebene Zeit unterbietet und mehr. Aber freilich erwarten uns auch Straßenrennen, Offroad-Races, Quasi-Formel-1 -Fahrten und mehr. Alles fein soweit, wenn auch unterschiedlich anspruchsvoll und unterhaltsam.

Die verschiedenen Renn-HQs erforschen wir aus der Ego-Perspektive und erstehen dort neue Autos. Quelle: PC Games Die verschiedenen Renn-HQs erforschen wir aus der Ego-Perspektive und erstehen dort neue Autos. Lediglich mit den Drift- und Drag-Rennen konnten wir wieder einmal nichts anfangen. Sie sind entweder viel zu belanglos oder, im Falle der Drift-Herausforderungen, langweilig und nervig. Wir wissen nicht, warum beides bei so vielen Rennspielen nach wie vor zum fixen Repertoire gehört. Schön ist auf jeden Fall, dass die Gefährte innerhalb der Oberkategorien wirklich sehr unterschiedlich ausfallen. Etwas weniger beeindruckend wird's bei den Fahrzeugen derselben Unterklasse. Gerade die Street-Racing-Autos fühlen sich teilweise zu wenig unterschiedlich an, dasselbe gilt aber zum Beispiel auch für die Touring Cars oder die Motocross-Bikes. Immerhin, sie steuern sich alle sehr präzise, was gegenüber der teils schwammigen Kontrolle im Vorgänger ein deutlicher Fortschritt ist.

Gummiband-Groll

Die Stunt-Herausforderungen im Flugzeug gehören mit zu den besten Spielelementen. Quelle: PC Games Die Stunt-Herausforderungen im Flugzeug gehören mit zu den besten Spielelementen. Als richtig störend und einen der größten Kritikpunkte am Spiel empfinden wir den extrem spürbaren Gummiband-Effekt. Sorgt er schon in kurzen Rennen für ungeschickt konstruierte Spannungsmomente, wird vor allem in den Event-Rennen und solchen, die uns über die ganze Map schicken und auch mal gut und gerne 30 Minuten und länger in Anspruch nehmen können, die Schwäche des Systems offenbar. Nicht nur ist es völlig unmöglich, einen merkbaren Vorsprung herauszufahren, die Rennen sind auch noch stark gescripted. Wir werden stets an denselben Stellen von unseren Rivalen überholt, stets an denselben Stellen erhalten wir die Chance, wieder nach vorne zu gelangen. Nein, das ist keine Verschwörungstheorie, sondern gelebte Praxis.

  1. Seite 1 Story, Fahrzeug-Auswahl, Online-Pflicht und mehr
  2. Seite 2 Streckenführung, Grinding, Mikrotransaktionen und mehr
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