TMNT: Splintered Fate im Test: Hades trifft die Ninja Turtles
Test
Was kommt dabei raus, wenn man Hades mit vier kultigen Schildkröten mixt? Ein überraschend ordentliches Roguelike, sogar mit Koop-Modus! Und jetzt ist es endlich auch für Nintendo Switch erhältlich.
Sobald ihr in einem Raum alle Gegner besiegt habt, erhaltet ihr nämlich eine Belohnung. Meistens sind das Upgrades, mit denen ihr euch einen schlagkräftigen Build zusammenstellt. Wasserkräfte erhöhen beispielsweise eure Reichweite, extrem nützlich für Leonardo und Donatello! Feuertalente verschaffen euch dafür bessere kritische Treffer, die ideale Wahl für Raphael und Michelangelo, die auf schnellere Angriffe setzen. Ooze-Upgrades verpassen euch mächtigen Giftschaden, während Utrom-Fähigkeiten eure Gegner mit Blitzen brutzeln.
Quelle: Super Evil Megacorp
Später kommen noch Astral- und Dunkelkräfte hinzu, außerdem gibt's Ninja-Upgrades, mit denen ihr euch zum Beispiel ein wenig auf Fernkampf spezialisieren könnt. Die Auswahl ist nicht riesig, aber sie reicht aus - wer hier clever kombiniert, kann jeden Turtle bis zum Ende eines Runs zur echten Kampfmaschine hochzüchten. Einzig die coolen Synergie-Effekte, die in Hades für Abwechslung sorgen, gibt es hier leider nicht.
Ganz egal, ob ihr sterbt oder erfolgreich seid: Nach jedem Run gehen euch all die schönen Upgrades wieder verloren. Allerdings erhaltet ihr für geschaffte Kämpfe zwei Arten von Münzen, die ihr dann in eurem Turtle-Zuhause für dauerhafte Verbesserungen ausgeben könnt. Mehr Lebenskraft und Heilung, stärkere kritische Treffer, zusätzliche Ladungen für Sprints und Spezialangriffe, höheres Tempo und vieles, vieles mehr ist hier im Angebot. Jede dieser Verbesserungen macht euch dauerhaft stärker, dadurch wird das Spiel effektiv immer leichter, je länger ihr es spielt. Ganz schön motivierend! Splintered Fate ist dadurch ein lupenreines Roguelite, ganz ähnlich wie beispielsweise das fantastische Rogue Legacy 2.
Mehr wäre mehr gewesen
Früher oder später seid ihr stark und erfahren genug, um alle vier Bosse zu besiegen, die euch in jedem Run erwarten. Am Ende stellt sich euch - natürlich - der mächtige Shredder in den Weg, doch mit den richtigen Upgrades im Gepäck bekommt ihr auch ihn mühelos klein. Und danach? Geht das Spielchen einfach wieder von vorne los. Ihr werdet zwar ermutigt, ab und zu die Turtles zu wechseln, doch grundsätzlich bleibt das Erlebnis immer gleich.
Quelle: Super Evil Megacorp
Um das enttäuschende Ende der Story zu erleben, müsst ihr Shredder acht Mal die Krallen stutzen - doch leider gibt's danach keine schlüssige Auflösung. Stattdessen werdet ihr aufgefordert, einfach immer weiterzuspielen. Immerhin werden zwischendurch aber noch zusätzliche Herausforderungen und Modifikatoren freigeschaltet, mit denen ihr euch den Schwierigkeitsgrad ein bisschen anheben und weitere Belohnungen verdienen könnt. Auf Dauer ist das einfach nicht ausreichend. Das finale Ende dürften viele von euch schon in 10 bis 15 Stunden erleben, danach locken eigentlich nur noch die restlichen Upgrades, die ihr bis dahin noch nicht freigeschaltet habt.
Hier zeigt sich leider, dass Splintered Fate die wichtigste Lektion von Hades verschlafen hat: Das griechische Götter-Abenteuer platzte vor lauter Story aus allen Nähten! Alle paar Minuten gab es da den nächsten interessanten Dialog, die nächste Freischaltung, den nächsten Fortschritt bei einer Nebenfigur. Das Spiel konnte so locker 100 Stunden und mehr beschäftigen, obwohl es im Kern immer gleich blieb. Splintered Fate verpasst genau diese Chance, indem es einfach zu wenig Abwechslung, Dialoge und Inhalte auf die Waage bringt.
Trotzdem zeichnet sich auf Metacritic ein positives Bild ab: Hier hat Splintered Fate nicht unbedingt abgeräumt, aber zumindest ordentliche Wertungen eingefahren. Schließlich hat es noch ein Ass im Ärmel: den Multiplayer!
Volle Turtle-Power
Im Gegensatz zu Hades könnt ihr Splintered Fate nämlich komplett im Koop-Modus erleben. Bis zu vier Spieler dürfen sich zusammenschließen, Upgrades sammeln und gemeinsam Foot-Ninjas und Mauser-Roboter verkloppen. Dabei kommt sich niemand in die Quere, da alle vier Turtles ihre eigene Währung und Upgrades verdienen. Einzig die Artefakte, die euch nützliche passive Boni verleihen, bleiben für die ganze Gruppe aktiviert.
Im Koop macht die unkomplizierte Action gleich nochmal so viel Spaß, auch weil sich die vier Helden selbst im dichtesten Schlachtgetümmel noch ganz ordentlich auseinanderhalten lassen. Etwas Kritik gibt's aber für die unvorteilhafte Kamera im lokalen Koop: Wenn ihr mit mehreren Freunden an einer Switch spielt, passiert es schnell, dass eine Spielfigur aus dem Bildschirmrand läuft und dann nicht mehr zu sehen ist.
Im Online-Koop gibt es dieses Problem natürlich nicht. Allerdings haben wir im Test schmerzlich eine Spielersuche oder zumindest eine Freundesliste vermisst. Stattdessen müsst ihr zu Spielbeginn einen Beitrittscode erstellen und diesen dann an eure Freunde übermitteln. Erst damit lassen sich Online-Teams bilden. Auf klassisches Matchmaking müsst ihr also verzichten, darum ist es auch nicht möglich, spontan für eine Runde mit Fremden zusammenzuspielen.
Auch hier zeigt sich, dass TMNT: Splintered Fate zwar viele gute Grundlagen mitbringt, aber längst nicht alle Register zieht. Mit griffiger, unkomplizierter Action, gelungener Turtles-Atmosphäre, Koop-Modus und motivierenden Upgrades hat uns das Spiel viel besser gefallen, als wir anfangs dachten. Da steckt ein richtig ordentliches Roguelite drin! Doch die hauchdünne Story, der geringe Umfang und vor allem die fehlende Abwechslung kosten das Spiel unnötig Wertungspunkte, die Entwickler verschenken hier einfach zu viel Potenzial.
Für die Switch-Umsetzung hätten wir uns eine erweiterte Fassung gewünscht, eine Art Director's Cut mit neuen Umgebungen, mehr Dialogen, einem vernünftigen Ende und mehr Zufallselementen und Überraschungen, die mehr Vielfalt ins Gameplay bringen. So bekommen wir leider "nur" einen grundsoliden Turtles-Klopper, der aber noch so viel mehr sein könnte. Also Daumen drücken, dass die Entwickler schon an einem Nachfolger arbeiten! Transparenzhinweis: Die für diesen Test gespielte Fassung des Spiels wurde uns vorab durch den Publisher zur Verfügung gestellt.
