KI in Videospielen - Die Technikrevolution auf dem Vormarsch

Special Antonia Dreßler
KI in Videospielen - Die Technikrevolution auf dem Vormarsch
Quelle: Pexels.com/Alena Darmel

KI ist vielleicht die größte Errungenschaft seit dem Buchdruck. Ob Microsoft, Ubisoft oder Indie-Studios, die Videospielbranche ist bereits voll dabei, wenn es um Künstliche Intelligenz geht. Wir klären auf, wo es die Technologie schon gibt

Angst entsteht dann, wenn eine solche Auswahl nicht mehr nur eine der Möglichkeiten ist, sondern die einzige Option, der man als Spieler nicht ausweichen kann. In einer dystopischen Zukunft ist es denkbar, dass man ein Spiel nur starten kann, wenn man ein Foto hochlädt und der Boykott die einzige Alternative bleibt.

Dieses Szenario ist aktuell nicht sonderlich realistisch, zumal es keinen wirklichen Grund für Unternehmen gibt, so zu handeln. Doch Fortschritt an sich ist unaufhaltbar, vor allem, wenn er Arbeitsprozesse verkürzt und günstiger macht. Egal, welche Position man gegenüber der Technologie einnimmt, stoppen lässt sich der Vormarsch von KI nicht mehr.

Es ist also recht und billig, dass sich die ersten politischen Entscheider mit Künstlicher Intelligenz auseinandersetzen und versuchen, den Fortschritt in einem sozial verträglichen Rahmen zu lenken.

Alle Macht dem Volke, keine der KI

Bereits seit 2020 arbeitet die EU an einer Verordnung zu KI, dem sogenannten AI-Act, der nun in den letzten Zügen steckt. Die Spieleindustrie betrifft die zukünftige Gesetzgebung aber nur am Rande. Nutzern muss laut den Regularien jederzeit klar sein, dass sie sich gerade mit einer generativen KI unterhalten und nicht mit einem Skript oder gar einer echten Person. Ob das heißt, dass in Spielen wie Cygnus Enterprises eine dauerhafte Einblendung über diesen Umstand aufklären muss, oder ob es reicht, wenn das Spiel im Startmenü auf die KI hinweist, werden wir und die Entwickler aber erst erfahren, wenn es so weit ist.

Das Problem an solchen Rechtsakten ist nämlich, dass sie nicht alle Anwendungsfälle einschließen und vor allem die Videospielbranche haben Politiker in der Regel nicht auf dem Schirm. Präzedenzfälle und richterliche Verfügungen schaffen erst in den Jahren nach einer Verordnung den Rahmen, an dem sich der Großteil der Wirtschaft wirklich orientieren kann.

In der EU-Kommission wie dem EU-Parlament betont man allerdings deutlich, dass sich jegliche Form von KI auch vor einer neuen Verordnung an bereits geltendes Recht halten muss. Für die neuen Algorithmen gilt der Datenschutz also genauso wie für alte Programme. Nur, weil man seine Daten weitergibt, heißt das dementsprechend nicht, dass die Künstliche Intelligenz damit gefüttert werden darf, wenn man sein Einverständnis nicht gegeben hat.

EU Flagge vor unscharfem Hintergrund Quelle: © European Union 2019 - Source : EP Das EU Parlament sitzt bereits seit 2020 an einer Verordnung zu Künstlicher Intelligenz Zu den neuen Auflagen wird höchstwahrscheinlich eine Offenlegungsklausel gehören, die Firmen mit generativen KIs dazu zwingt, anzuzeigen, ob sie urheberrechtlich geschütztes Material verwenden und wenn ja, welches. Durch den so gewonnenen Einblick in die Datenbanken will man sicherstellen, dass keine Werke gegen den Willen ihrer Künstler verwendet werden. In der Spieleindustrie ist es zum Beispiel denkbar, dass Entwickler zum Training ihrer KIs Bilder aus dem Netz nehmen, an denen sie keine Rechte haben.

Außerdem wirft die Frage des Urheberrechts noch ein weiteres Thema auf, das Entwickler, die Künstliche Intelligenz in ihren Spielen nutzen, ebenfalls treffen könnte. KI-generierte Inhalte sind nicht geschützt, sondern dürfen rein rechtlich von jedem verwendet werden - sie sind mit der Sekunde ihrer Erschaffung gemeinfrei.

Sollten große Publisher nun also auf die Idee kommen, Grafiken, Sounds, Animationen und ganze Charaktere durch Künstliche Intelligenz zu erzeugen, sind ihre Werke theoretisch vogelfrei. Andere Studios könnten solche Spiele zumindest theoretisch dann einfach nachbauen, ohne dass dagegen geklagt werden könnte.

Ganz so einfach wird das letztlich aber wohl nicht funktionieren, denn der Zusammenstellung der einzelnen Teile und auch der Bearbeitung der jeweiligen Parts könnte wieder eigene sogenannte Schöpfungshöhe zugesprochen werden. Sämtliche Entscheidungen dazu müssen wiederum von Richtern kommen, bis dahin steht ein großes rechtliches Fragezeichen im Raum, das keiner wirklich zu klären vermag.

Das ist mit ein Grund, warum gerade jetzt so viele Firmen auf die neuen Technologien setzen. Noch ist KI nutzbar, ohne dass man sich mit allzu vielen Fallstricken herumschlagen muss und jeder kann im Grunde tun und lassen, was er will.

Die Veränderungen in der Videospielewelt kommen schleichend und sind kaum reguliert. Wenn sich Systeme wie die von Ubisoft, Microsoft, Nvidea und Inworld aber durchsetzen sollten, sind große Veränderungen in Entwicklungsprozessen und vielleicht auch in den Spielen selbst nicht auszuschließen. In welche Richtung es geht, hängt schlussendlich aber von den Nutzern ab und nicht von der KI.

Es könnte weniger Arbeitsplätze geben, es könnten neue Jobs hinzukommen, es könnte mehr Spiele geben oder solche mit völlig neuen Ideen und Innovationen. Es ist aber genauso möglich, dass Spiele generischer werden und irgendwann nur noch Einheitsbrei auf den Markt kommt. Bleibt zu hoffen, dass die großen Firmen in der Branche auf die Wünsche der Spieler hören und nicht der Versuchung des billigen Cahsgrabs erliegen, die KI ebenfalls mit sich bringt.

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