KI in Videospielen - Die Technikrevolution auf dem Vormarsch

Special Antonia Dreßler
KI in Videospielen - Die Technikrevolution auf dem Vormarsch
Quelle: Pexels.com/Alena Darmel

KI ist vielleicht die größte Errungenschaft seit dem Buchdruck. Ob Microsoft, Ubisoft oder Indie-Studios, die Videospielbranche ist bereits voll dabei, wenn es um Künstliche Intelligenz geht. Wir klären auf, wo es die Technologie schon gibt

Aus diesem Grund ist KI gleichzeitig gut und schlecht darin, objektive Entscheidungen zu treffen. Sie legt immer die gleichen Maßstäbe an, was zunächst sehr fair klingt - diese Maßstäbe sind allerdings von Menschen gemacht, die zumeist eigene Interessen verfolgen. Aber bevor wir zu sehr auf die moralischen Abgründe der menschlichen Seele blicken, wollen wir uns lieber weiter mit dem Thema Künstliche Intelligenz befassen und wie gut sie auf Basis eines festen Regelwerks Urteile fällen kann.

Ob eine KI einen brauchbaren Schiedsrichter abgibt, beobachtet die Matchmaking-Plattform Faceit schon seit Jahren, denn die Moderation der Ingame-Chats übernimmt seit 2018 Minerva. Die intern entwickelte KI scannt sämtliche Text- und Voicechats und verteilt Strafen sowie Sperren, wenn sich Spieler danebenbenehmen.

Das Feedback im entsprechenden Subreddit ist vorwiegend negativ - Spieler regen sich über ungerechtfertigte Strafen auf und dass umgekehrt in einigen Fällen nicht eingegriffen wird, obwohl ein klarer Verstoß vorliegt. Da anekdotische Beweisführung aber keinen echten Beleg liefert, hat uns Faceit eine interne Statistik übermittelt, laut der die Toxizität auf der Plattform tatsächlich gesunken ist. 2018 war der toxische Umgangston mit 30 Prozent noch auf Platz eins der größten Probleme, die Spieler mit der Plattform hatten.

Bis 2022 ist Toxizität mit 20 Prozent auf Platz 5 gesunken - allgemein nehmen Spieler Faceit also positiver wahr. Das Geheimnis ist laut Maria Laura Scuri von Faceit, dass die betroffenen Spieler jede Entscheidung von Minerva anfechten können. In so einem Fall schaut sich ein Mensch den Vorfall noch einmal an und kann die KI überstimmen, wenn er einen Fehler in der Entscheidung ausmacht.

Das Logo der Matchmaking-Plattform Faceit Quelle: Faceit Faceit stellt Matches zusammen, die Ingame-Chats überwacht seit 2018 die KI Minerva. Dass die KI laut Statistiken so positive Auswirkungen hat, ist nicht selbstverständlich und war laut Maria keine leichte Aufgabe. Denn künstliche Intelligenzen sind immer nur auf eine spezifische Sache trainiert - Chats zu moderieren ist aber ein derart komplexer Vorgang, dass es dafür mehrere Algorithmen geben muss, die miteinander verknüpft sind.

So gibt es im Falle von Faceit etwa eine KI, die im Voicechat erkennt, ob es sich um Musik oder tatsächlich um eine Stimme handelt, die spricht; eine weitere KI erkennt dann etwa rassistische Äußerungen. Mehrere solcher inselbegabten Algorithmen kombiniert ergeben eine zweite Ebene, auf der man der KI wieder neue Dinge beibringen muss. Zum Beispiel, dass es einen Unterschied macht, ob komplett Fremde in einer Lobby aufeinandertreffen oder ob Freunde zusammen ins Spiel laden. Wenn sich die Leute persönlich kennen, ist es nämlich auch ok, wenn ein rauerer Ton angeschlagen wird.

Dadurch, dass Sprache sich dauerhaft in Entwicklung befindet, muss das Datenset, auf dem Minerva aufbaut, ständig gepflegt und aktualisiert werden. Beleidigungen, die in der Alltagssprache durch die Nutzung als Memes an Kraft und Bedeutung verloren haben, erkennt die KI erst, wenn man sie darauf hinweist. Sie weiß eben nur, was man ihr sagt und hat kein eigenes Bewusstsein für Kontext oder Internetkultur.

Minerva führt ihren Job nicht unbedingt besser aus als ein Mensch. Das muss sie aber auch gar nicht, denn sie ersetzt den Menschen nicht. Stattdessen macht sie die Aufgabe stemmbar, Unmengen an Chats und rund zehn Millionen Nachrichten monatlich zu überprüfen. Trotzdem wandeln sich die Jobs in der Branche und ehemalige Moderatoren heißen heute KI-Supervisors. Dazu entstehen neue Stellen in den Informatikabteilungen, die der jungen Technologie die Hand halten.

Im Hintergrund arbeitet Faceit schon an einer weiteren KI, die sich um das Matchmaking kümmern und besser als ein einfacher Algorithmus verstehen soll, wie Spieler nach Skill, Team-Zusammensetzung und ihrem Ping zusammenpassen. Dabei betont Maria, dass Künstliche Intelligenz stets eine Daseinsberechtigung braucht. Neue Technologie zu nutzen, nur weil sie neu ist, sollte kein Standard sein und es sollten keine Lösungen für Probleme geschaffen werden, die es vorher nicht gab.

Keine Frage der Notwendigkeit

Halb Frau. halb Dämon Quelle: NCSoft  In Throne & Liberty soll es eine KI geben, mit der man seinen Avatar erstellen kann Man kann sich streiten, ob technische Spielereien wie in Throne and Liberty wirklich gebraucht werden. In dem kommenden MMO kann man im fertigen Spiel ein Bild hochladen, aus dem eine KI einen Avatar erstellt. Grundsätzlich keine weltbewegende Neuerung, denn Menschen bauen seit Jahr und Tag echte Personen im Charaktereditor zusammen und stellen Blaupausen online, wie man berühmte oder fiktive Figuren auch dann erschaffen kann, wenn man überhaupt keinen Blick für Gesichtsformen besitzt.

Es wird eine optionale Entscheidung sein, ob man den Job der KI übergeben möchte. Im umfangreichen Editor kann man auch einfach so die Schieberegler hin- und herjustieren, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist - ganz, ohne sensible Daten an eine Firma zu geben, von der man nicht weiß, was sie damit macht.

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