Unter Ubisoft entwickelte sich Far Cry zum zugänglichen Open-World-Shooter, der einen Millionenpublikum begeistert. Doch das Original von Crytek war anders: linear, trashig und unbarmherzig.
Dass Far Cry dabei nie zum Spaziergang verkommt, liegt an der überraschend cleveren Gegner-KI. Zwar sind die Mutantenviecher wundervoll blöde (sie scheitern sogar manchmal an der Wegfindung), doch dafür stellen die feindlichen Söldner eine echte Gefahr dar!
Das merke ich, als ich beispielsweise ein Lager aus der Ferne angreife: Zuerst schalte ich die feindlichen Scharfschützen mit dem Sniper-Gewehr aus, erledige flink noch eine weitere Wache und komme mir dabei unheimlich gerissen vor. Doch ich habe die Rechnung ohne Kriegers Schergen gemacht: Soldaten patrouillieren in dem Gebiet, sie entdecken die Leichen, feuern sofort eine Signalrakete ab.
Damit alarmieren sie das restliche Lager, über Funk fordert man Verstärkung an. Während die sich auf den Weg macht (und irgendwann auch tatsächlich kommt!), schwärmen bereits erste Soldaten aus, bilden kleine Suchtrupps und arbeiten sich zu mir vor.
Quelle: PC Games
Wenn ich jetzt einfach an Ort und Stelle bleibe, werden mich die Gegner ziemlich sicher in die Zange nehmen. Oft greifen die Typen nämlich von der Seite an oder schleichen lautlos durchs Dickicht! Dann entdecke ich sie erst, wenn sie schon fast vor mir stehen.
Heißt für mich: Position wechseln, in Deckung bleiben und den Gegnern eine Falle stellen. Das sorgt für Spannung, Dynamik und eine Prise Taktik - davon könnten sich auch andere Shooter mal ein dickes Scheibchen abschneiden!
Quelle: PC Games
Um der KI nicht ständig in die Hände zu spielen, gewöhne ich mir schnell wieder an, das Gelände mit dem Fernglas abzusuchen, dadurch werden Feinde auf der Minimap markiert. Das Fernglas dient außerdem als Richtmikrofon, das Geräusche aus der Ferne drastisch verstärkt. Coole Idee, denn auch wenn man einen Gegner nicht sieht, hört man ihn vielleicht schon!
Später kommt noch eine Wärmebildansicht à la Predator hinzu - die macht das Spiel nicht nur leichter, sondern schaut auch noch ziemlich hübsch aus. Kein Wunder also, dass man einen beachtlichen Teil der Spielzeit damit verbringt, auf der Lauer zu liegen und auf den richtigen Moment zu warten. Ballern und schleichen bilden in Far Cry eine natürliche Einheit, Frontalangriffe ohne Planung enden oft hässlich.
Nur ein modernes Feature vermisse ich heute schmerzlich: Die lautlosen Takedowns, die Ubisoft später so prominent in die Far Cry-Serie eingebaut hat, fehlen im ersten Teil noch komplett.
So fordernd, so frustrierend!
Doch egal wie viele technische Gimmicks mir die Entwickler in die Hand drücken, ich fühle mich in Far Cry nie übermächtig. Im Gegenteil: Meistens komme ich mir wie Beute vor, die nur darauf wartet, abgeknallt oder in Stücke gerissen zu werden.
Denn der Schwierigkeitsgrad ist damals wie heute ausgesprochen happig: Gegner zerpflücken meinen Lebensbalken in Sekundenschnelle, explodierende Autos oder Granaten in der Nähe sind ein sicheres Todesurteil und automatische Heilung à la Halo kann man auch vergessen.
Stattdessen muss man sich mit Heilpaketen und Rüstungsteilen rumschlagen, die sparsam in den Levels verteilt sind. Fies daran: Ich darf nicht mal ein Erste-Hilfe-Set mitnehmen! Manchmal habe ich aber auch Glück und es gelingt mir, ein vorbeifahrendes Patrouillenboot samt mächtiger Bordkanone zu kapern.
Damit pfeife ich auf alle Vorsicht und räume problemlos einen feindlichen Stützpunkt leer. Auch mit den meisten Mutanten werde ich locker fertig, nur ein besonderes Exemplar, das sich komplett unsichtbar machen kann, kostet mich Nerven. Söldner dagegen sind immer die Pest, denn die schießen selbst auf große Distanzen noch verflucht scharf.
Quelle: PC Games
Als ich beispielsweise zu einem Frachtschiff hinüberschwimmen will, das in einer Bucht vor sich hinrostet, komme ich keine zehn Meter weit: Eine Wache entdeckt mich schon aus weiter Ferne und schlägt Alarm, dadurch kommt ein feindliches Boot angedüst und eröffnet das Feuer - Sekunden später sinke ich in Richtung Meeresgrund. Gnadenlos. Später begegne ich auch schwer bewaffneten Mutantenkriegern, die mich punktgenau mit Raketen beschießen - und zwar aus so irren Entfernungen, dass ich die Gegner mit bloßem Auge kaum erkenne. Wer hat sich das bitte ausgedacht!?
