Enotria: The Last Song im Test - Schmierentheater oder große Soulslike-Kunst?

Test Hendrik Franke Michael Grünwald
Enotria: The Last Song im Test - Schmierentheater oder große Soulslike-Kunst?
Quelle: Jyamma Games

Und wieder ein Entwickler, der sich an der From-Software-Erfolgsformel versucht - aber mit frischem Setting! Nach allerlei düsteren Abenteuern bietet dieses italienische Soulslike ein sonniges Kontrastprogramm. Aber passt das Gameplay?

Täglich grüßt das Murmeltier

Manchmal gestalten sich die Bosskämpfe dennoch repetitiv, besonders wenn wir immer wieder den selben Boss bloß in einer anderen Farbe vor uns haben. Das passiert auch bei den normalen Gegnern. Je nach Gebiet kann die Gegenseite Mistgabeln, Hellebarden oder auch Speere tragen.

Spätestens im dritten Gebiet fällt allerdings auf, dass wir mit dem immergleichen Move-Set konfrontiert werden. Zwar gibt es unterschiedliche Statuseffekte und andere kleine Unterscheidungen - mal bewerfen uns die Gegner mit Steinen und mal mit Giftmessern Die Grundidee vieler Gegner ist allerdings recycelt. Nur selten stellen sich uns gebietsspezifische Feinde in den Weg, die im Anschluss nicht wieder vorkommen.

Eine Figur von vorne in Enotria Quelle: Jyamma Games Doch die Wiederholungen gehen auch bei den Bosskämpfen weiter. Immerhin sind keine für die Story wichtigen Bosse betroffen, aber der Rest ist häufiger wiederverwendet. Aus einem Krabbenboss werden dann schnell drei und keiner unterscheidet sich wirklich voneinander.

Was besonders nervt, ist der fehlende "Lohn" für die Arbeit. Wir bekommen zwar Memoria (die Währung des Spiels), aber keine weiteren Verbesserungen wie zum Beispiel die Erdtree Avatare in Elden Ring.

Die Show muss weitergehen 

Abgesehen vom Gameplay und den damit verbundenen durchwachsenen Bosskämpfen gibt es neben der Technik noch eine Story und die ist wirklich gelungen. 

Die Prämisse ist, wie eingangs schon einmal erwähnt, dass wir uns in einer Art Theaterstück befinden. Das wirkt allerdings wie ein Fluch auf die Bewohner Entorias und wird von einer echten Theater-Form Italiens inspiriert ist.

Das merken wir über das ganze Spiel hinweg. Jeder der größeren Bosse ist einer Figur aus der italienischen Folklore oder aus dem Theater nachempfunden. Von Pulcinella und Zanni über Pantalone und Dottore sind sämtliche Endgegner und NPCs so auch in der echten Welt vorgekommen und das Spiel wirkt wie ein erdachtes Theaterstück aus dem 17. Jahrhundert - nur mit ein bisschen mehr Souls-Essenz.

Souls-untypisch wird uns die Geschichte direkt erzählt und mit Texten, die wir als blaue Orbs aufsammeln können, noch erweitert. Dazu tragen auch die verschiedenen Zwischensequenzen bei, die tatsächlich aus einem Schauspiel kommen könnten. Zum Ende nimmt die Story qualitativ etwas ab und es wirkt so, als ob die Macher mehr erzählen wollten, aber keine Zeit mehr hatten.

Ein Gegner aus Enotria Quelle: Jyamma Games

Wo steht Enotria nun? 

Enotria macht Spaß. Die Geschichte ist interessant, das Setting unverbraucht und gerade für Theater-Fans spannend. Die Grafik ist besonders im Vergleich zu den dunklen Themen anderer Soulslikes eine willkommene Abwechslung. PvE funktioniert grundsätzlich gut, ist auf Dauer aber nervig und nicht jeder Boss hat wirklich überzeugt. Besonders zum Ende geht dem Spiel die Puste aus und wir haben die Probleme des Spiels immer mehr wahrgenommen. Auch die Laufzeit ist mit 10 bis 15 Stunden eher übersichtlich. 

Es gab zwar einige Passagen, die einige Versuche gebraucht haben, aber an keinem Boss hingen wir länger als 45 Minuten. Viele Bosse zum Ende des Spiels haben wir sogar im ersten Versuch besiegt, ohne irgendetwas Besonderes zu machen. Enotria fühlt sich an vielen Stellen ein wenig einfach an im Vergleich zum Rest des Genres. 

Am Ende kommt die Frage auf: Warum eigentlich schon wieder ein Soulslike? Das Genre bekommt immer mehr Ableger und die meisten hinken den Genre-Größen ziemlich hinterher. 

Wertung zu Enotria: The Last Song (PC)

Wertung:

7.0 /10
Fazit

Während Story und Grafik überzeugen konnten, haben Gameplay, Boss-Design und Gegnervielfalt das nicht geschafft. Enotria ist nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut und somit irgendwo im Mittelmaß des überlaufenen Souls-Genres.

Enotria bietet keine sonderlich neuen Ideen. Dafür gibt es ein neues Setting, was so eher selten in Soulslikes vorkommt und mit Italien eine Mythenwelt, die genau wie das Setting selten genutzt wurde. Andere Spiele heben sich jedoch in Sachen Gameplay deutlich mehr ab. Transparenzhinweis: Für den Test wurde uns ein Key für Enotria vom Publisher gestellt.

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