Mit der Peitsche kann man sich auch über Abgründe schwingen.
Ursprünglich war Catwoman eine Gegenspielerin von Batman. Die fesche Diebin kommt bei Comicfans aber anscheinend so gut an, dass man ihr nicht nur eine eigene Comicserie, sondern jetzt auch noch einen Hollywood-Streifen spendiert hat. Lizenzprofi Electronic Arts liefert das dazugehörige Spiel. In diesem übernehmen Sie die Steuerung über Patience Phillips, im Film gespielt von Halle Berry, die davon Wind kriegt, dass ein Kosmetikkonzern eine neue Produktkette mit Giftstoffen versehen will. Patiences Wissen wird ihr zum Verhängnis. Die von den Konzernbossen getötete Frau wird durch eine spirituelle Bindung zu einer Katze allerdings wieder zum Leben erweckt und geht als Catwoman in einer Lederkluft, die mehr zeigt, als sie verbirgt, auf Rachefeldzug.
Sportliche Bühnenbildner
Zu viel wollen wir von der Geschichte natürlich nicht verraten, aber die ein oder andere pseudodramatische Storywendung zieht die Atmosphäre tief nach unten. Genauso an den Haaren herbeigezogen wie die Geschichte sind die Levels. Die mögen zwar sehr abwechslungsreich sein, die Fabrikhallen, Villen und dunklen Hinterhöfe wirken aber allesamt arg konstruiert. In einem Theater muss man beispielsweise 50 Meter in die Höhe kraxeln, um einen Schalter zu betätigen, der wiederum eine Hebebühne absenkt. Da fragt man sich, wie sportlich die Bühnenbildner wohl sein mögen, die eigentlich dort arbeiten sollen.
Sie will nur spielen
Bei Catwoman gilt: Hirn aus und Spaß haben. Schlecht ist der Lizenztitel trotz mangelnder geistiger Herausforderungen jedoch beim besten Willen nicht. Wer sich an Unzulänglichkeiten wie der banalen Story und den etwas seltsam aufgebauten Levels also nicht stört, kann sich mit dem Titel herrlich die Wartezeit auf das zweite Prince of Persia verkürzen. Eine echte Konkurrenz für Ubisofts Prinzen stellt Catwoman allerdings nicht dar. Dazu sind die Geschicklichkeitspassagen nicht intuitiv genug. Oft sind Wände und Objekte, an denen Sie sich weiterhangeln müssen, nicht eindeutig erkenntlich. In diesen Momenten müssen Sie per Knopfdruck in die Ego-Perspektive wechseln, in der solche Wände und Objekte markiert sind. Das führt schon mal zu minutenlangen Such-Eskapaden, die am Spielfluss und der Geduld des Spielers zehren. Eigentlich schade, denn kennt man den genauen Ablauf eines Levels, macht es viel Spaß, sich durch die Gegend zu schwingen. Wer beim ersten Durchgang hartnäckig bleibt, wird beim zweiten Mal also mit sehr viel mehr Spielspaß entlohnt. Spätestens dann hat man sich nämlich auch mit der etwas komplizierten Steuerung abgefunden. Gesprungen wird mit R1, während man mit L1 in die Hocke geht. In dieser Katzenform ist Catwoman nicht nur flinker, sondern kann auch besser kämpfen. Angriffe werden dabei ausschließlich mit dem rechten Analogstick ausgeführt. Je nachdem, wohin Sie diesen bewegen, platziert Catwoman einen gezielten Tritt in diese Richtung oder schwingt die Peitsche, mit der Gegner entwaffnet oder gar gewürgt werden. Tödliche Gewalt wird aber nie angewandt. Stattdessen muss Catwoman ihre Widersacher in Mülltonnen, Wandschränke oder über Brüstungen werfen oder sie so lange bearbeiten, bis sie es mit der Angst zu tun bekommen und die Flucht ergreifen.
