Der geistige Nachfolger von Heavy Rain steht in den Startlöchern - wir sagen euch, was Quantic Dreams' neues Meisterwerk Beyond: Two Souls wirklich kann. Wir verraten euch auch, was es mit den Schnitten in der deutschen Version genau auf sich hat und wie sich diese auswirken.
Ein weiterer schöner Kniff, was die Erzählung anbelangt: An vielen Stellen verzweigt die Handlung, wie schon bei Heavy Rain, und ihr entscheidet ihr euch für eine von mehreren Varianten, was euer weiteres Vorgehen oder die Gesprächsthemen angeht. Auch die Folgen unterscheiden sich in ihrer Gewichtung. Ob Jodie nun ein Bier trinkt oder nicht, ist schließlich weitaus weniger fundamental wie die Entscheidung, jemanden zu töten oder am Leben zu lassen. Je nachdem, wie ihr im Verlaufe der Story handelt, flimmert dann schließlich eines von insgesamt 23 (!) Enden über euren Bildschirm - einige davon traurig, andere fröhlich, wieder andere nachdenklich, aber allesamt höchst emotional und mitreißend, so dass man noch Minuten nach dem Abspann grübelnd oder lächelnd vor der Glotze hängt. Wie viele Spiele gibt es schon, die das schaffen?! Genug Wiederspielwert ist dadurch natürlich auch gegeben, auch wenn viele der größeren Geheimnisse beziehungsweise offenen Fragen beim zweiten Durchgang logischerweise keine mehr sind.
Kommen wir nun jedoch zu dem Punkt, bei dem sich viele Kritiker von Heavy Rain wieder bestätigt werden fühlen: das Gameplay. Auch Beyond: Two Souls gewinnt in Sachen Spielmechanik keine Innovationspreise. Ihr lenkt Jodie per Analog-Stick durch die Gegend, wählt Adventure-typisch diverse Hotspots ebenfalls per Analog-Stick an und seid sonst einzig und allein darauf beschränkt, eingeblendete Tasten zu betätigen - sei es nun bei Entscheidungen, kleineren Rätseln oder diversen Quicktime-Events. Und auch wenn ihr per Knopfdruck (fast) jederzeit zu Aiden wechseln könnt, ändert das nichts am Gameplay-Gesamtbild - der Geist interagiert ebenfalls nur mit Adventure-Hotspots, kann aber immerhin durch Wände und Hindernisse fliegen. Selbst Action-Sequenzen wie Schießereien kommen ganz ohne Zielen, Nachladen oder sonstige Shooter-Sperenzchen aus. Lediglich bei den Nahkämpfen schießt ein wenig Adrenalin durch euren Körper, müsst ihr hier doch fix reagieren und mit dem Stick die Bewegungen von Jodie nachvollziehen. Konsequenzen braucht ihr allerdings keine befürchten, solltet ihr in den wenigen hektischen Momenten einmal "versagen".
Aufgrund der Spielmechanik setzt die Story einfach an einer anderen Stelle wieder ein: Wer aufdringliche Polizisten nicht abwehrt, wird halt festgenommen und spielt in der Zelle weiter, wer beim CIA-Kampftraining versagt, muss einfach nochmal ran. Frust kommt daher an keiner Stelle des Spiels auf, gefordert werden geübte Zocker allerdings ehrlicherweise auch nicht. Wer sich trotzdem überfordert fühlt, kann Beyond im Koop-Modus zocken, in dem ein zweiter (lokaler) Spieler Aiden übernimmt, kann die alternative, rudimentäre Smartphone- beziehungsweise Tablet-Steuerung aktivieren oder gar die Gamepad-Steuerung vereinfachen - toll für all jene, die sonst keinen Controller in die Hand nehmen, uninteressant für jeden, der die PS3 nicht nur als Blu-ray-Player benutzt.
Doch wisst ihr was? Uns war es bei unseren Test-Durchläufen herzlich egal, dass der spielerische Anspruch von Beyond nicht sonderlich hoch ausfällt. Die Adventure-Quicktime-Mechaniken dienen lediglich als Mittel zum Zweck, um die interaktive Story voran zu treiben und sind betont einfach gehalten, um den Spieler nicht aus der dichten Atmosphäre heraus zu reißen. Beyond: Two Souls ist eben genau wie sein geistiger Vorgänger Heavy Rain kein Spiel im klassischen Sinne, sondern ein interaktiver Film, ein Kunstwerk, eine Erzählung, die euch mit einbezieht, ohne euch zu sehr vom Gesehenen abzulenken. Das will es sein, das ist es. Und das macht es verdammt gut.
Infos zur deutschen Version:
Wie bereits im Vorfeld bekannt wurde, erscheint Beyond: Two Souls hierzulande leicht geschnitten. Mittlerweile liegen uns nähere Infos zu den betroffenen Szenen vor. Im einem Kapitel recht früh im Spiel wurde eine aus einem Hals schießende Blutfontäne entfernt, in einem anderen Kapitel wurde eine Folter-Szene entschärft und ist nun nicht mehr in der Nahaufnahme zu sehen. Spielerische Auswirkungen haben beide Anpassungen nicht. Wer nun übrigens mit dem Kauf der europäischen PEGI-Version liebäugelt, kann sich den Import sparen: Alle in Europa veröffentlichten Versionen sind inhaltsgleich. In der US-Fassung sind beide Szenen nach wie vor enthalten, dafür müssen Amerikaner Abstriche bei diversen Dusch-Szenen machen.
