Watch Dogs im großen Test - Meinung und Wertung

Test Christian Dörre
Bei der Lichtershow auf der Party von Hacker-Konkurrent Defalt lässt Watch Dogs die Grafikmuskeln spielen.
Quelle: Computec Media AG

Endlich ist es da - Watch Dogs. Ubisofts Hacker-Thriller zählt für viele zu den meist erwarteten Titeln des Jahres. Wir haben die Playstation 4-Version über 50 Stunden getestet und verraten euch im Watch Dogs Test, ob sich die Vorfreude gelohnt hat oder ob sich die Open World-Action einige grobe Patzer leistet.

Klettern, knobeln, freischalten

Apropos ctOS: Neben den zumeist schwer bewachten Server-Stationen sind auch überall in Chicago verteilt Funktürme des Überwachungs-Netzwerks zu finden. Ähnlich wie die Aussichtstürme in der Assassin's Creed-Serie dienen diese dazu, die zahlreichen Nebenmissionen auf der Karte offenzulegen. Wer sich jetzt sorgt, dass der Held Assassinen-gleich die Wände emporkraxelt, kann beruhigt aufatmen: Aiden ist weder so agil wie Ezio oder Edward, noch nimmt das Klettern einen großen Stellenwert ein. Zwar hüpft auch Herr Pearce mal über den einen oder anderen Zaun oder Container. Wichtiger ist es aber, seine Hacking-Skills klug zu nutzen, um die Funktürme schlussendlich zu erreichen.

Bei einigen der Antennen reicht es schon aus, sich von Kamera zu Kamera zu hacken, bis man die Kontrollkonsole findet, die Aiden die Tür öffnet. Einige Stationen sind aber kniffliger zu knacken, sodass ihr die Umgebung geschickt manipulieren müsst, um ans Ziel zu gelangen. Dabei ist es oft nötig, um die Ecke zu denken, was eine gelungene Abwechslung darstellt. Durch diesen Rätsel-Aspekt nutzt sich das Gameplay viel weniger ab als bei Ubisofts bekannter Meuchelmörder-Reihe und macht auch im fortgeschrittenen Spielverlauf immer noch Spaß.

Spielplatz für Große

Digital Trips 1: Hier seid ihr als riesiger Spinnenpanzer unterwegs und zerstört die Stadt. Quelle: Computec Media AG Digital Trips 1: Hier seid ihr als riesiger Spinnenpanzer unterwegs und zerstört die Stadt. Wer Watch Dogs mit einem zu 100 % abgeschlossenen Spielstand beenden möchte, ist 40 bis 50 Stunden beschäftigt. Dazu kommt der Mehrspielermodus: Andere Spieler schalten sich in unsere Partie ein, wenn wir das erlauben. In vier Modi wetteifern wir mit ihnen in Rennen oder wehren ihre Hackingversuche ab. Per Companion-App legen wir uns alternativ mit einem Tablet-Besitzer an, der die Polizei kontrolliert, während wir ein Checkpoint-Rennen absolvieren. Das konnten wir im Vorfeld ausprobieren und es wirkte wie ein netter Zeitvertreib. Der Fokus liegt aber klar auf der Kampagne.

Im Einzelspielermodus gefällt uns neben allerlei Minispielen besonders die Möglichkeit, durch das Hacken von Smartphones der Zivilisten Informationen zu geplanten Straftaten zu erhalten, die es dann zu vereiteln gilt. Diese kleinen Missionen sind zwar recht simpel gehalten und verlangen nur, dass man den Tatort beschattet und zur rechten Zeit eingreift, dennoch tragen sie zur Atmosphäre bei und verleihen der Spielwelt zusätzliche Authentizität.

Wer es ganz verrückt mag, wird wahrscheinlich Unmengen Zeit mit den digitalen Trips verbringen. Dieser rein virtuelle Drogenrausch versetzt euch in vier absolut absurde Szenarien, in denen ihr unter anderem brennende Zombies über den Haufen fahrt oder in einem riesigen mechanischen Spinnen-Roboter die Stadt zerstört. Natürlich beißen sich die abgefahrenen Spiele etwas mit dem realistischen und bierernst gehaltenen Ausgangsszenario und würden wohl besser in die Grand Theft Auto- oder Saints Row-Reihe passen. Spaß machen sie dennoch.

Watch Dogs: Finale PC-Version vs. E3-Trailer 2012

Hype kontra Realität

Glasscheiben zerbersten in unzählige Splitter; nur eines von vielen pompösen Grafik-Mätzchen. Quelle: Computec Media AG Glasscheiben zerbersten in unzählige Splitter; nur eines von vielen pompösen Grafik-Mätzchen. An der Technik und Spielmechanik von Watch Dogs gibt es absolut nichts auszusetzen und trotzdem kann es dem Hype um das Spiel nicht standhalten. Es ist geradezu unverständlich, wie wenig das Spiel sein realistisches Setting in erzählerischer Hinsicht nutzt. Wir leben in einer nahezu komplett vernetzten Welt, in der Datendiebstahl immer wieder ein großes Thema ist, und Watch Dogs schafft es trotzdem nicht, die Brücke zum Spieler zu schlagen. Die Entwickler haben es nicht geschafft, eine Spielwelt, die Spaß machen soll, mit einer zum Nachdenken anregenden, bewegenden Story zu verbinden, obwohl das bei diesem Setting so einfach gewesen wäre. Zu oft verliert sich Watch Dogs in bloßen Andeutungen, traut sich aber nicht, das Thema richtig aufzugreifen. Verschenktes Potenzial.

Meinung

Wertung zu Watch Dogs (PS4)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Unverbrauchtes Hacker-Setting in einer hervorragend designten und authentischen SpielweltHacking-Gameplay funktioniert tadellosSpielerische Freiheit in den meisten MissionenSehr schöne Grafik mit vielen DetailsUnzählige Nebenaufgaben
Ausgeprägte erzählerische MängelMissionsabläufe wiederholen sich oftGewöhnungsbedürftiges Fahrverhalten
Fazit

Die ausgeprägten narrativen Mängel und die sich wiederholenden Missionsabläufe verhindern den Top-Hit.

Bildergalerie

  1. Seite 1 Watch Dogs im großen Test - Das taugt die Story
  2. Seite 2 Watch Dogs im großen Test - Grafik-Downgrade? Hacken macht froh?
  3. Seite 3 Watch Dogs im großen Test - Meinung und Wertung
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