Watch Dogs im großen Test - Grafik-Downgrade? Hacken macht froh?

Test Christian Dörre
Bei der Lichtershow auf der Party von Hacker-Konkurrent Defalt lässt Watch Dogs die Grafikmuskeln spielen.
Quelle: Computec Media AG

Endlich ist es da - Watch Dogs. Ubisofts Hacker-Thriller zählt für viele zu den meist erwarteten Titeln des Jahres. Wir haben die Playstation 4-Version über 50 Stunden getestet und verraten euch im Watch Dogs Test, ob sich die Vorfreude gelohnt hat oder ob sich die Open World-Action einige grobe Patzer leistet.

Oh du schönes Chicago

Die Kampagne mag vielleicht nicht die spannendste sein, dafür entschädigt sie mit abwechslungsreichen Settings. Mal sind wir mitten in der wunderbar ausgeleuchteten Innenstadt unterwegs, ein anderes Mal kämpfen wir uns durch ein von einer Gang besetztes Hochhaus am Stadtrand. Sogar in einen ländlichen Vorort verschlägt es uns. Diese Örtlichkeiten sind mit viel Liebe zum Detail designt, der Feinschliff der Entwickler ist an jeder Ecke ersichtlich. NPCs wuseln durch die Straßen, halten sich bei Regen die Zeitung über den Kopf, spielen (natürlich) an ihren Handys rum und verhalten sich glaubwürdig, wenn Aiden mit gezogener Waffe durch die Menge rennt.

Im sogenannten Profiling-Modus werden intimste Details zu jeder Figur eingeblendet. Das verleiht den Passanten mehr Individualität als etwa in einem Grand Theft Auto, kommt aber nie über den Status eines Gimmicks heraus. Genau wie bei der Story gibt es hier keine kritische Reflexion der digitalen Überwachung, keine tiefere Bedeutungsebene. Das Profiling ist nur Mittel zum Zweck, gut für einen Lacher zwischendurch, aber abseits der Missionen von keinerlei Bedeutung. Schade.

Die exzellente Technik reißt viel raus, es macht einfach unglaublich viel Spaß, sich durch die toll gestaltete Welt zu bewegen, die schönen Lichteffekte zu beobachten oder auch nur zu sehen, wie der Regen auf Aidens fein texturierten Ledermantel niederprasselt und ihn dunkel färbt. Watch Dogs sieht sehr gut aus und läuft immer absolut flüssig. Auch das in der letzten Vorschau noch bemängelte Kantenflimmern ist fast gänzlich verschwunden. Die grafische Opulenz des E3-Trailers von 2012 erreicht sie dennoch nicht ganz.

Ich glaub', es hackt!

Das Hacking-Minispiel ist ein Pipemania-Klon. Das war bekanntlich schon bei Bioshock ein Hit unter Fans! Quelle: Computec Media AG Das Hacking-Minispiel ist ein Pipemania-Klon. Das war bekanntlich schon bei Bioshock ein Hit unter Fans! Das Spieldesign erinnert stark an die GTA-Serie. Ihr bewegt euch vollkommen frei in der offenen Spielwelt und fahrt zu den auf eurer Mini-Map markierten Missionspunkten. In der Stadt könnt ihr natürlich auch jede Menge Chaos stiften, müsst aber mit den Konsequenzen leben. Im Gegensatz zu GTA sind die Ordnungshüter hier wirklich hartnäckig und nur durch geschicktes Fahren sowie den Einsatz von Aidens Hacking-Gadgets abzuschütteln. Während das Fahrverhalten und die zum Teil merkwürdige Kollisionsabfrage der Vehikel arg gewöhnungsbedürftig sind (das eigene Fahrzeug ist immer so widerstandsfähig wie ein kleiner Panzer), geht das Hacking locker von der Hand und lässt sich präzise einsetzen.

Mit nur einem Tastendruck fahrt ihr Brücken hoch und nutzt sie als Sprungschanzen, manipuliert Ampeln oder bringt ein unterirdisches Rohr unter dem Fahrzeug eurer Verfolger zum Platzen. Aidens Hacking-Fähigkeiten sind indes nicht nur während der Verfolgungsjagden hilfreich, auch bei den Missionen zu Fuß erleichtern sie euch das virtuelle Leben. Zwar könnt ihr natürlich auch wild schießend in Feindesgebiet rennen oder auf gut Glück versuchen, an den Gegnern vorbeizuschleichen, doch mit den Hacks kommt eine angenehm taktische Komponente ins Spiel.

Zum Abschluss des dritten Akts in einem ländlichen Vorort kommt es zum großen Showdown auf einem Schrottplatz - mit tödlichen Fallen wie diesem Lichtblitz-Skorpion und knackiger Rockmusik. Quelle: Computec Media AG Zum Abschluss des dritten Akts in einem ländlichen Vorort kommt es zum großen Showdown auf einem Schrottplatz - mit tödlichen Fallen wie diesem Lichtblitz-Skorpion und knackiger Rockmusik. Indem ihr Kameras hackt, verschafft ihr euch nicht nur einen guten Überblick und markiert Gegner, sondern könnt diese auch schon ausschalten. Überall gibt es manipulierbare Gegenstände, mit denen ihr eure Feinde austrickst. Beispielsweise lockt ihr eine Patrouille an, indem ihr den Alarm eines Autos einschaltet. Anschließend bringt ihr einen nahegelegenen Stromkasten zur Explosion oder hackt gleich einen Kran und lasst einen Container auf euer Opfer fallen. Einige Gegner tragen zudem Granaten bei sich, die ihr per Hack scharf machen könnt. Wir konnten uns an den folgenden panischen Rettungsversuchen der Feinde gar nicht sattsehen!

Die spielerische Freiheit erinnert angenehm an Far Cry 3. Hier wie dort fühlt sich cleveres Vorgehen nicht nur befriedigend an, sondern bringt auch mehr Erfahrungspunkte, mit denen sich das fahrerische Können, die Handhabung von Waffen, das Herstellen von Gegenständen wie beispielsweise Haftbomben und natürlich das Hacking verbessern lassen. Diese RPG-Anleihen fügen sich gut ein und motivieren zum Absolvieren von Nebenmissionen, um mächtigere Hacking-Fähigkeiten freizuschalten.

Das ist auch nötig, denn der Schwierigkeitsgrad ist besonders in den Gefechten schön knackig, selbst auf der zweiten von vier jederzeit wechselbaren Anspruchsstufen. Die Steuerung macht euch dabei auch zu keiner Zeit einen Strich durch die Rechnung und klappt tadellos. Watch Dogs spielt sich einfach hervorragend. Ihr huscht geschmeidig von Deckung zu Deckung und schaltet so die Gegner entweder schleichend per Takedowns oder mit purer Waffengewalt aus. Die KI empfanden wir als angenehm fordernd, da sich die Feinde absprechen, versuchen, uns in die Flanke zu fallen und auch mal Verstärkung rufen, wenn es brenzlig wird.

Watch Dogs im Test-Video

Schleich dich, Aiden!

Unschön hingegen, dass sich die Missionsabläufe sehr oft wiederholen. Vor allem im zweiten Akt besteht gefühlt nahezu jeder Auftrag daraus, das Gebiet von Feinden zu säubern und anschließend zu entkommen oder jemanden zu verfolgen. Hier lässt Watch Dogs Abwechslung vermissen. Gegen die Kreativität von GTA 5 zieht Watch Dogs hier klar den Kürzeren.

Schleicheinsätze können wegen vereinzelt unglücklich platzierter Speicherpunkte nerven. Der Abstecher ins Gefängnis besticht aber zumindest durch ein Szenario abseits der Norm. Quelle: Computec Media AG Schleicheinsätze können wegen vereinzelt unglücklich platzierter Speicherpunkte nerven. Der Abstecher ins Gefängnis besticht aber zumindest durch ein Szenario abseits der Norm. Die meisten Aufträge überzeugen mit viel spielerischer Freiheit. Einige Missionen zwingen euch aber zum Schleichen; bei Entdeckung droht der Game-over-Bildschirm. Diese Einsätze können frustrieren, da wir trotz Markierung der Gegner nicht immer wussten, von wem oder warum wir gerade entdeckt wurden. Das verdeckte Vorgehen funktioniert aber erheblich besser als bei der Assassin's Creed-Serie, dem Hacking sei Dank. So sorgt ihr etwa für einen Stromausfall, Polizei und Gegner tappen dann wortwörtlich im Dunkeln.

Aidens Hacking-Fähigkeiten haben aber nicht nur positive Effekte. Etwas hat uns sogar unheimlich genervt: Immer wenn ihr wichtige Server hackt, müsst ihr ein Pipe Mania-artiges Minispiel absolvieren, bei dem ihr die Knotenpunkte im Netzwerk durch das Verschieben von Röhren verbindet. Und dies oft auch über mehrere Runden und unter Zeitdruck. Das wirkt aufgesetzt und wenig fesselnd. Habt ihr aber schließlich Zugriff auf den Server, könnt ihr nicht nur teils absurd-witzige Videos von Privatpersonen anschauen, sondern erhaltet auch Kontrolle über das ctOS-Netzwerk, wodurch sich im Stadtbezirk die Umgebung manipulieren lässt.

Bildergalerie

  1. Seite 1 Watch Dogs im großen Test - Das taugt die Story
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  3. Seite 3 Watch Dogs im großen Test - Meinung und Wertung
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