Im Kinshasa-Level tobt ein Bürgerkrieg und Fisher gerät zwischen die Fronten.
Die Wahl liegt ausschließlich bei Ihnen, aber ganz gleich, wie diese ausfällt, nimmt die Geschichte anschließend einen anderen Verlauf. An einer Stelle im Spiel müssen Sie sich zu guter Letzt für eine von drei Optionen entscheiden, die letztlich Einfluss auf den Ausgang der Story hat. Kleiner Tipp von uns: Speichern Sie ab, wenn Sie vor einer Wahl stehen. Durch die verzweigten Handlungsstränge und die unterschiedlichen Endsequenzen sorgten die Macher bei Ubisoft Shanghai aber ohne Zweifel für einen beachtlichen Wiederspielwert.
Bedauerlicherweise wies die Spielmechanik unserer Testfassung noch die eine oder andere Kinderkrankheit auf. Beispielsweise steckte Sam Fisher einmal in der Okhotsk-See unter einer Eisscholle zwischen der Oberfläche und dem Ufer fest. Ein anderes Mal wollten wir einen Leichnam ver-stecken, beim Ablegen blieb dieser jedoch auf Sams Schultern kleben. In beiden Fällen konnte nur ein Neustart vom letzten Speicherpunkt das Problem beheben.
Insgesamt betrachtet dürfen Sie sich aber auch mit Double Agent auf ein technisches Meisterwerk freuen. Die künstliche Intelligenz der nichtspielbaren Charaktere reagiert abermals sehr schlau auf Ihre Bewegungen und Geräusche. Im Next-Generation-Debüt der Serie wurde sogar die Sichtweite der Widersacher deutlich erhöht. Sofern Sie sich also gerade nicht verstecken können, müssen Sie mehr Abstand zu den Gegnern einhalten als noch in den Xbox-Versionen.
Wer zudem auf ein Spiel hofft, dass man im Handumdrehen durchspielen kann, wird schon von der ersten Mission in Island an eines Besseren belehrt. Auch das vierte Abenteuer von Sam Fisher ist eine schwer zu knackende Nuss, die Ihnen selbst auf dem leichtesten von drei Schwierigkeitsgraden einiges abverlangt. Sie werden viele Passagen mehrmals spielen müssen, bevor Sie eine Mission oder Nebenmission letztendlich schaffen.
Schon der allererste Splinter Cell-Titel setzte auf der Xbox Grafik-Maßstäbe. Der erste Auftritt auf der Xbox 360 steht dem in nichts nach und ist definitiv eines der schönsten Spiele, das es bisher für Microsofts zweite Konsole gibt. Beeindruckende Licht-und-Schatten-Effekte, exzellente und detaillierte Texturen sowie vor "Eyecandy" nur so strotzende Levels machen das Spiel zu einem Hingucker. Phänomenal umgesetzt wurde auch die Darstellung von Wasser.
Dies gilt nicht nur dann, wenn Sam in der Okhotsk-See unter einer Eisscholle durch das eisige Nass krault, sondern auch für die verregneten Scheiben eines Hotels in Schanghai. Daneben machte es die Hardware-Power der Xbox 360 möglich, dass in der Okhotsk-See ein dichtes Schneetreiben problemlos und sehr authentisch dargestellt werden kann.
Ganz vorzüglich sind erneut auch die Animationen des Hauptdarstellers ausgefallen. Sam klettert und hangelt sich wie ein Jungspund sehr akrobatisch durch die Level-Architekturen, selbst seine Art, zu gehen, wenn er sich im Terroristen-HQ umherbewegt, sieht absolut cool aus. Die Kehrseite der Grafik-Medaille: permanente leichte Ruckler, gelegentliche heftige Ruckler, vereinzeltes Tearing und teilweise verpixelte Schattenwürfe. Zu sehr unschönen Slowdowns kam es zudem, wenn Sam im Terroristen-Unterschlupf gemeinsam mit einem anderen Charakter eine Treppe hinauf- oder hinabstieg.
Allererste Sahne ist auch die akustische Untermalung des Spiels. Der Soundtrack ist mit dramatischeren und melancholischeren Songs gespickt als in den ersten drei Teilen, passt aber hervorragend zur ernsthafteren Ausrichtung. Grandios abgemischt sind auch die Soundeffekte, vor allem der prasselnde Regen in Schanghai hört sich über eine Anlage mit Surround-Sound gigantisch an. Für die Vertonung der Spielfiguren verpflichtete Ubisoft einmal mehr die altbekannten Sprecher. So wird Sam Fisher erneut gesprochen von Martin Kessler, der deutschen Synchronstimme von Nicolas Cage.
