Tom Clancy's Rainbow Six Extraction im Test: Zu viele Kompromisse, zu wenig Neues
Test
Rainbow Six: Extraction ist die Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat. Der Taktik-Shooter spielt sich wie Rainbow Six: Siege, aber irgendwie will er nicht richtig zünden. Warum, klärt unser Test.
Rainbow Six: Siege könnte so ein schönes Spiel sein, wären da nicht die anderen Spieler! So ungefähr muss das Feedback gelautet haben, wegen dem wir heute Rainbow Six: Extraction in den Händen halten.
Ein First-Person-Taktik-Koop-Shooter gegen Bots als Game-as-a-Service klingt eigentlich zu spezifisch, um für den Mainstream interessant zu sein. Füllt Ubisoft also eine Lücke, die es nie gegeben hat, oder erwartet uns etwa eine Spielerevolution, die das Genre neu bestimmt?
Ein Zahn lässt sich direkt zu Anfang schon ziehen. Ubisoft probiert sich hier zwar an einem neuen Ansatz des Rainbow-Six-Metas, allerdings merkt man dem Spiel an, dass es die breite Masse erreichen soll. Überall wurden Kompromisse eingegangen und der Titel hätte an einigen Stellen mutiger sein müssen, um wirklich gut zu sein.
Warum das so ist und warum Rainbow Six: Extraction in einigen Momenten dann trotz aller Probleme Spaß bereitet, klären wir jetzt.
In diesem Artikel
Worum geht es eigentlich?
Quelle: PC Games
In den verseuchten Gebieten finden wir Nester, die wir kurzerhand zerstören, damit sie keine neuen Aliens ausspucken.
Fangen wir ganz von vorne an: Eine parasitäre Alien-Lebensform greift Liberty Island in New York an und zerstört die Freiheitsstatue. Denn wie alle anderen Aliens auch wissen die Gegner in Rainbow Six: Extraction (jetzt kaufen 49,99 € ), dass das oberste Ziel immer erst die USA sein müssen.
Schnell breitet sich eine schwarze Masse aus. Als Gegenmaßnahme ist innerhalb kürzester Zeit das Rainbow Exogenous Analysis und Containment Team geboren, kurz React. Dieses Team hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Alienplage einzudämmen. Es rekrutiert Operatoren, rüstet sie aus und gibt ihnen, also uns, Aufträge.
Diese verlangen von uns stets, in eine kontaminierte Zone zu gehen und uns der außerirdischen Bedrohung zu stellen. Mal sammeln wir Daten, mal müssen wir einen besonders fiesen Gegner töten. Dabei sind nicht alle Aliens gleich mächtig. Sie kommen sie mit unterschiedlichen Fähigkeiten einher, denen wir uns anpassen müssen.
Wo die Aliens herkommen, wie sie funktionieren und was sie wollen, ergibt sich im Lauf des Spiels. Während wir Aufträge erfüllen und neue Gebiete freischalten, füllt sich der sogenannte Codex. Hier können wir zu allerlei Dingen Informationen und teilweise auch hilfreiche Hinweise finden, die uns das Leben im Spiel etwas leichter machen.
Quelle: PC Games
Die Grafik ist vor allem in den Zwischensequenzen toll anzuschauen, aber inhaltlich lohnt es sich kaum, die kurzen Clips zu gucken.
Gleichzeitig erschlägt uns die geballte Masse an Text aber auch. Durch die lieblose Verpackung tritt die Geschichte schnell in den Hintergrund. Irgendwann will man auch die Zwischensequenzen nur noch wegdrücken, die zwar sehr hübsch aussehen, aber leider nur leeres Geschwätz enthalten.
Die Handlung ist insgesamt nichts Besonderes und stellt leider keinen Grund dar, weswegen wir das Spiel immer wieder einschalten sollten. Viel interessanter bei einem Rainbow Six sind aber natürlich das Gameplay, die strategischen Herausforderungen und das taktische Zusammenspiel.
Gameplay à la Siege
Quelle: PC Games
Durch die Luftschleuse kommen wir ins nächste Gebiet, wo uns eine neue Aufgabe und mehr Gegner erwarten. Wir können uns stattdessen aber auch umdrehen und evakuieren lassen.
Das große Verkaufsargument für Extraction ist die Marke, im Rahmen derer es erscheint, und in dieser Hinsicht erfüllt es die Erwartungen. Wer Rainbow Six: Siege gespielt hat, wird sich hier auf Anhieb zurechtfinden. Wem Siege richtig gut gefallen hat, wird hier aber trotzdem nicht unbedingt auf seine Kosten kommen.
Denn statt gegen andere Spieler kämpfen wir hier nur gegen verschiedene Aliens. Diese sind bezüglich ihres Aussehens und ihrer Funktionen zwar recht vielfältig, wirken aber trotzdem sehr generisch und könnten so auch in jedem anderen Zombie-Shooter vorkommen.
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Da gibt es jene, die explodieren, jene, die einen anspringen, jene, die über eine Fernkampffähigkeit verfügen, und dann natürlich noch die sehr großen, gepanzerten Exemplare. Natürlich lässt sich das Rad nicht immer neu erfinden, aber diese Gegner-Tristesse ist schlicht langweilig.
Später im Spiel treffen wir dann auf ein paar interessantere Varianten. Allerdings muss man eine ganze Ecke grinden, bis man seinen Operator an einem Punkt hat, ab dem man mit den größeren Biestern klarkommt.
Quelle: PC Games
Die Alien-Gegner sind leider nichts Besonderes und könnten so in jedem generischen Shooter auftauchen.
Steuerung und Genauigkeit unterscheiden sich von PC und Konsole relativ stark. So ist es am Controller recht umständlich, um die Ecke zu schauen und die Zielhilfe kann schon Mal einen Fehler provozieren, der nervige Konsequenzen nach sich zieht. Letzteres lässt sich zwar abschalten, trotzdem sorgt das unsauberer Zielen für einen höheren Schwierigkeitsgrad, der frustfördernd wirkt. Zwar kämpfen wir nur gegen Bots, trotzdem sollte man diese Unterschiede bedenken, wenn man sich das Spiel für Konsole holt.
Copy & Paste
Sämtliche Operatoren sind aus Rainbow Six: Siege kopiert, mitsamt ihren einzigartigen Fähigkeiten und größtenteils auch ihrem Waffenarsenal. "Never change a running system", ja, aber Extraction hätte etwas mehr Liebe vertragen können. So ist die Waffenauswahl pro Operator eingeschränkt.
Zudem müssen jeden Kämpfer erst einmal im Einsatz aufleveln, bevor es andere Waffen gibt oder eine Fähigkeit langsam stärker wird. Schade ist, dass wir keinen Fähigkeitenbaum haben, anhand dem wir die Operatoren unserem Spielstil anpassen können.
Nein, der Fortschritt erfolgt komplett linear. Zwar können wir die diversen Gerätschaften frei auswählen. Diese beeinflussen aber nur begrenzt, wie wir in einer Runde vorgehen können. Grundsätzlich gibt es nämlich nur zwei mögliche Herangehensweisen, die uns das Spiel auferlegt. Laut oder leise.
Balancing-Probleme
Quelle: PC Games
Der schnellste und zugleich leichteste Weg durch das Spiel ist leise. Leider verwehren uns manche Aufgaben diesen Weg, weil sie Gegnerwellen triggern.
In jeder Runde begeben wir uns in ein verseuchtes Gebiet mit drei Subzonen, die wir nacheinander durchkämmen. In jedem Areal erhalten wir einen von mehreren zufällig ausgewählten Aufträgen, wobei der Schwierigkeitsgrad im Grunde von nur einer Sache bestimmt wird: Können wir sie leise vorgehen, oder triggern wir eine gefühlt endlose Welle an Gegnern?
Während wir leise Missionen theoretisch auch alleine und sehr gut zu zweit spielen können, überspringen wir bei lauten Aktivitäten lieber die gesamte Zone. An dieser Stelle merkt man am stärksten, dass Extraction ein Koop-Shooter ist und man zwingend ein paar Freunde zur Hand haben sollte, wenn man ihn spielen will.
Ohne Sprachchat und/oder mit Randoms funktioniert das Konzept allerdings nicht wirklich, da jeglicher Spielspaß dann schnell in Frust umschlägt. Die Fehler anderer werden nämlich stets zum eigenen Problem. Wirkliche Konsequenzen muss das allerdings nicht zwingend haben. Denn an der einen Stelle, an der sich Ubisoft traut, einen mutigen Schritt zu gehen, machen sie nur einen halben.
Missing in Action
Stellen wir uns doof an oder sind nicht vorsichtig genug, wird unser Operator beim zweiten Mal Umfallen in Stase-Schaum gepackt, woraufhin uns ein anderer Spieler evakuieren muss. Gelingt das nicht, ist unser Operator Missing in Action, also als vermisst gemeldet, und muss in einer neuen Mission gerettet werden.
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