Rainbow Six Extraction angespielt: Diesem kooperativen Taktik-Shooter fehlt der letzte Bums
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Nach fast zwei Jahren Funkstille hat Ubisoft endlich neue Infos zum nächsten Ableger des Tom-Clancy-Franchise preisgegeben. Im Vorfeld der E3 gab es eine große Online-Präsentation zu Rainbow Six: Extraction - ehemals bekannt als Rainbow Six: Quarantine. Wir durften bereits reinspielen und verraten in der Vorschau, was der kooperative Taktik-Shooter auf dem Kasten hat!
Ubisoft hat 2021 Großes vor: Zwar müssen Spieler dieses Jahr (leider?) auf ein neues Assassin's Creed verzichten. In Abwesenheit des Open-World-Rollenspiel-Epos wird es aber beim besten Willen nicht langweilig: Mit Far Cry 6, Riders Republic oder dem Remake von Prince of Persia: The Sands of Time haut der französische Publisher einen Blockbuster nach dem anderen raus. Und dann kommt ja auch noch Rainbow Six: Quarantine! Oder war es Rainbow Six: Parasite? Oder doch etwas ganz Anderes?
Seit der neuesten Ausgabe von Ubisoft Forward hat das Verwirrspiel endlich ein Ende. Der neue Ausflug ins Tom-Clancy-Universum heißt nun ganz offiziell Rainbow Six: Extraction (jetzt kaufen 49,99 € )! Aber natürlich haben die Macher die Zeit seit dem Reveal auf der E3 2019 nicht nur mit der Namensfindung verbracht. Durch die Release-Verschiebung vom letzten auf dieses Jahr konnte das Team aus Montreal die ursprüngliche Vision noch weiterentwickeln und ein besseres, kompletteres Spielerlebnis kreieren. Davon durften wir uns kürzlich im Rahmen einer knapp zweistündigen Hands-on-Demo-Session selbst überzeugen.
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R6: Siege mit Aliens
Rainbow Six: Extraction versetzt euch in die Rolle eines Operationsteams, das in einer kontaminierten Zone Aufträge erledigen und sich dann zum Extraktionspunkt begeben muss. Das klingt in der Theorie erst einmal ziemlich simpel, entpuppt sich in der Praxis aber natürlich als deutlich komplexer. Schließlich habt ihr es nicht mit Zombies, Infizierten oder anderen "bekannten" Bedrohungen zu tun. Die Entwickler setzen euch stattdessen in bester Area-51-Manier Gegner vor, die nicht von dieser Welt sind!
Quelle: Ubisoft
Rainbow Six Extraction in der Vorschau. (2)
Der Shooter spielt nämlich in einer weit entfernten Zukunft des Rainbox-Six-Kosmos, inspiriert vom Outbreak-Event aus Siege. Das führte 2018 als Teil der Erweiterung Operation Chimera einen zeitlich begrenzten Koop-Spielmodus ein, in dem ihr euch durch ein pandemieverseuchtes New Mexico ballern musstet. Im Corona-geplagten Jahr 2021 wirkte das aber wohl irgendwie geschmacklos und deplatziert. Die von Stacheln entstellten Mutanten, die euch nach einem mysteriösen Meteoriteneinschlag nach dem Leben trachteten, wurden also kurzerhand durch Aliens ersetzt, denen ihr mit eurer streng geheimen Rainbow-Spezialeinheit die Hölle heiß macht. Das ist zumindest das bisschen, was wir von der Story bisher zu sehen bekamen.
Am Gameplay-Gerüst und Spielaufbau von Outbreak wurde indes festgehalten: Auch in Extraction erwarten euch etwa 15-minütige Matches auf mehrteiligen Maps, die immer wieder von Saferooms voller Vorräte unterbrochen werden. Diese müsst ihr im Dreierteam erkunden, euch dabei gegen infizierte Horden verteidigen und diverse Ziele erledigen. Das Portfolio an möglichen Aufgaben ist dabei ziemlich umfangreich: von Biopsie über VIP-Rettung bis hin zu Sabotage ist alles dabei. Zudem werden die Aufträge zu Beginn einer Runde immer wieder neu ausgewürfelt. In den drei Sub-Arealen, die es in einer Session zu säubern gilt, erwarten euch also jedes Mal aufs Neue andere Herausforderungen.
Viele Aufgaben, wenig Erklärungen
In unserer Demo mussten wir beispielsweise einen verschollenen Kameraden aus einer Art Alien-Baum bergen, indem wir auf dessen Wurzeln ballerten. Oder wir sammelten genetische Informationen über unsere Feinde, indem wir sie mit dem Messer erledigten. Da zudem in jedem Match der Einstiegspunkt variiert, bietet Extraction bereits einiges an Abwechslung
Nur ein wenig mehr Hilfestellungen hätten wir uns schon gewünscht.
Quelle: Ubisoft
Rainbow Six Extraction in der Vorschau. (4)
Klar, für Einsteiger gibt es ein anfängliches Tutorial im New Yorker Hauptquartier der Rainbow-Einheit. Auf die spezifischen Missionen werdet ihr dort aber nicht vorbereitet. Nehmen wir als Beispiel mal die Mission Triangulation: Die verlangt von euch, drei Terminals zu finden und in der richtigen Reihenfolge zu aktivieren. Klingt zunächst simpel, hat aber einen kleinen Haken: Ihr steht dabei unter massivem Zeitdruck. Sobald ihr die erste Station betätigt habt, startet ohne Ankündigung ein Timer von wenigen Sekunden innerhalb der ihr den nächsten Schalter drücken müsst. Das sorgte in unserem Team für so viel Aufruhr, dass wir kurzerhand den Löffel abgaben. Und um das Ganze nur noch schlimmer zu machen, lassen sich fehlgeschlagene Aufträge nicht einmal wiederholen. Uns blieb also keine andere Wahl, als enttäuscht den Rückzug anzutreten.
Wie weit willst du gehen?
Wann ihr die Notbremse zieht, ist übrigens komplett euch überlassen. In jedem der drei Level-Abschnitte gibt es einen Extraktionspunkt, den ihr jederzeit ansteuern könnt. Je weiter ihr euch in ein Level hineinwagt, je größer die Gefahr ist, der ihr euch stellt, desto bessere Belohnungen erwarten euch jedoch auch. Es gilt also immer abzuwägen, was ihr mit den noch vorhandenen Ressourcen erreichen könnt und wie viel ihr euch noch zutraut. Extraction bietet somit ein nettes kleines Risk-and-Reward-Spielchen. Zwar bekommt ihr auch für fehlgeschlagene Einsätze eine kleine Wiedergutmachung, die fetten XP-Belohnungen gibt es aber natürlich nur im Falle des Erfolgs.
Quelle: Ubisoft
Rainbow Six Extraction in der Vorschau. (6)
Mit gesammelter Erfahrung könnt ihr dann im Hauptmenü eure Operatoren verbessern, die wie auch im Vorbild Rainbow Six: Siege eine zentrale Rolle spielen. Da ist es praktisch, dass Franchise-Veteranen gleich einige bekannte Gesichter entdecken werden: Ela, Sledge, Doc und Co. sollten dem einen oder anderen bereits vertraut vorkommen. Noch besser: Wer sich im Tom-Clancy-Universum bereits auskennt, wird sich auch spielerisch schnell zurechtfinden. Alle Operatoren verfügen nämlich wieder über eine aufladbare Spezialfähigkeit, die exakt dieselbe ist wie in Siege. Doc ist beispielsweise immer noch der Medic der Gruppe, der Mitspieler mit einer Gesundheitsspritze versorgt. Ela setzt nach wie vor auf haftende Sprengminen. Der Twist an der Sache ist jedoch, dass Extraction eben auf PvE und nicht PvP ausgelegt ist. Manche Techniken und Mechaniken müssen also anders angewendet werden, als im Kampf gegen menschliche Spieler.
In der Demo standen insgesamt neun Charaktere zur Auswahl, diese Riege wird nach dem Launch aber wohl noch weiteren Zuwachs erhalten. Die Operatoren unterscheiden sich dabei nicht nur in Sachen Geschwindigkeit und Panzerung, auch ihre verfügbare Ausrüstung variiert. Jede Figur verfügt über individuelle Primär- und Sekundärwaffen, vom Sturmgewehr bis hin zum Magnum-Revolver, die sich dank verschiedener Aufsätze mit mehr Schaden, einer erhöhten Feuerrate oder einem vergrößerten Magazin versehen lassen. Obendrauf kommt eine Reihe von Granaten und anderer kleiner Gadgets. Mit zusätzlicher Munition oder Panzerung rüstet ihr euch beispielsweise besser für die bevorstehenden Kämpfe aus. Allerdings auch NUR euch. Vorräte lassen sich nämlich nicht teilen. Ihr könnt also keine Munitionstaschen werfen oder schusssicheren Westen verteilen. Für einen selbsterklärten Team-Shooter fanden wir das ein wenig kurz gedacht.
Gönn dir mal ne Pause!
Spannend ist hingegen das Gesundheitssystem der Operatoren. Jeder von ihnen verfügt über eine begrenzte Anzahl an Lebenspunkten. Kommt er aus einer Mission verletzt zurück, startet er mit einem Handicap ins nächste Match. Ihr solltet ihm also lieber auch mal eine Ruhepause gönnen. Das motiviert nochmal zusätzlich, neue Figuren auszuprobieren und mit verschiedenen Team-Konstellationen zu experimentieren.
Quelle: Ubisoft
Rainbow Six Extraction in der Vorschau. (8)
Spielerisch bietet Rainbow Six: Extraction viel Altbekanntes. Euch erwartet eben das bewährte Shooter-Gameplay, das man auch schon aus Siege kennt: Ihr lugt vorsichtig um die Ecke, geht in Gefahrensituationen in die Hocke, kundschaftet mit Drohnen die Gegend aus, wechselt zwischen verschiedenen Feuermodi, überrascht Gegner, indem ihr sie durch eine Wand hindurch abballert oder verrammelt Türen und Fenster, um den Feind draußen zu halten. Kurz gesagt: Die Reihe bleibt ihrer taktischen Ausrichtung treu. Kommunikation und Koordination sind also auch in Extraction das A und O. Wer den Sprachchat und das Ping-System nutzt, um Mitspieler auf Gegner oder hilfreiche Objekte in der Gegend hinzuweisen, der steigert seine Erfolgschancen ungemein.
So stimmig dieses Konzept aber auch ist, die Umsetzung könnte hier und da noch etwas Feinschliff vertragen. Besonders das Gunplay wirkte in unserer Demo noch irgendwie unbefriedigend. Klar, eine grundlegende Ballistik scheint es schon zu geben, eure Waffen verziehen etwa, wenn ihr wild den Abzug gedrückt haltet. Die Knarren fühlen sich aber einfach nicht kräftig genug an. Es fehlt der letzte Bums. Schüsse klingen nicht markig, Gegner geben einem kaum Feedback. Sie taumeln nicht getroffen zurück oder verlieren Gliedmaßen, sondern sacken wie ein nasser Sack zu Boden. Hier wurden zu Gunsten des 16er-Stempels der USK zu viele Zugeständnisse gemacht.
Wenig Kreativität, viel Anspruch
Auch mit dem Gegnerdesign waren wir noch nicht vollends glücklich. Aus der Ausgangslage in Extraction hätte Ubisoft deutlich mehr machen können! Die neuen Gegner, die sogenannten Archæans - eine sich stetig weiterentwickelnde Alien-Spezies - wirkten auf uns teilweise schon fast etwas langweilig. Sie unterscheiden sich zwar spielerisch voneinander: Neben den klassischen Nahkämpfern, den Grunts, gibt es etwa auch die bei Kontakt explodierenden Breacher, die Stachel-verschießenden Spiker oder die Lurker, die ihre Alien-Kollegen mit Buffs versehen. Bei ihrer Gestaltung hätte man aber ruhig etwas kreativer sein können. Die grauen Männchen haben beinahe schon etwas von Standard-Kanonenfutter wie man es aus Genre-Konkurrenten wie Earthfall kennt.
Immerhin stellen die außerirdischen Mistviecher eure Fähigkeiten auf eine ordentliche Probe. Gerade in den späteren Abschnitten setzen euch die Elite-Gegner ordentlich zu. Da hilft es auch nicht, dass ihr durch lautes Mündungsfeuer noch mehr Aufmerksamkeit auf euch zieht oder durch klebrigen Alien-Wuchs am Boden verlangsamt werdet. Wer die ultimative Herausforderung sucht, auf den warten später auch noch verschiedene Gefahren-Level oder Mutationen. Trotz gerade einmal zwei Karten zum Launch sollen die so schnell keine Langeweile aufkommen lassen.
Quelle: Ubisoft
Rainbow Six Extraction in der Vorschau. (14)
Grafisch nicht mehr als Mittelmaß
Über andere Spielaspekte ist hingegen noch nicht so viel bekannt: Zum Thema Ingame-Käufe ließen die Macher bisher lediglich verlauten, diese seien "rein kosmetischer" Natur. Was spezielle Features für PS5 und Xbox Series X betrifft, verriet uns Creative Director Patrik Méthé lediglich, wir würden 120 Frames pro Sekunde und HDR-Unterstützung geboten bekommen - ähnlich wie bei Rainbow Six: Siege. Wirklich "Next Gen" wird Extraction damit aber auch nicht aussehen. Da der Titel noch immer auf der gleichen Engine basiert wie sein geistiger Vorgänger, reicht es grafisch nicht für mehr als anständiges Mittelmaß. Extraction wirft einen nicht vom Hocker, man kriegt aber auch keinen Augenkrebs, wenn man länger auf den Bildschirm starrt. Hier und da konnten wir noch ein paar hakelige Animationen entdecken, die sollte Ubisoft bis zum Release aber noch in den Griff bekommen.
So weit entfernt ist der übrigens gar nicht mehr. Rainbow Six: Extraction wird bereits am 16. September 2021 in den deutschen Ladentheken stehen. Verfügbar ist der Team-Shooter dann sowohl für PC, PS4 und PS5 sowie Xbox One und Xbox Series S/X. Direkt ab Launch wird generationsübergreifendes Crossplay sowie Cross-Progression zwischen den verschiedenen Plattformen möglich sein.
