Obwohl der Up-Link eigentlich ganz cool ist, kommt er viel zu kurz.
Totale Verwirrung
Cortez alleine sorgt schon für eine Menge Wirbel. Zu zweit aber ist die Verwirrung perfekt. Wieso zu zweit, werdet ihr euch fragen? Nun, ab und an wird Cortez Opfer eines durch ein Wurmloch ausgelösten Zeit-Paradoxons. Diese Verzerrung des Raum-Zeit-Kontinuums sorgt dann dafür, dass er sich selbst über den Weg läuft. Meistens erlebt man solche Situationen aus der Sicht von beiden Hauptfiguren. Zum Beispiel erhält Cortez in einer Szene von sich selbst einen Schlüssel, um weiterzukommen. Später gelangt man an die Stelle, an der Cortez den Schlüssel von Cortez bekommen hat, und gibt ihn an Cortez weiter. Verwirrt? Keine Bange, das ist völlig normal. Erlebt man solche Situationen selbst, erscheint alles "logisch" - wenn man dabei überhaupt von Logik reden kann. Gegen Ende geht dieses Verwirrspiel dann so weit, dass ... Ahh, nein, das müsst ihr schon selbst herausfinden.
Viele der abwechslungsreichen Schauplätze sind von Spielen wie denen der Medal of Honor- oder Resident Evil-Serie inspiriert und nehmen sie dabei gekonnt auf die Schippe. Im Schottland der 20er-Jahre ist Cortez beispielsweise auf einer Insel unterwegs, die gerade von der Luftwaffe unter heftigen Beschuss genommen wird. Eine einsame Villa ist bis unters Dach mit Zombies und Dämonen voll gestopft und erinnert frappierend an Resident Evil.
Eines haben alle Levels gemeinsam: pausenlose Action. Egal, wo sich Cortez gerade auf der Jagd nach den Zeitkristallen befindet, er hat immer mindestens eine Knarre dabei, die Schwerstarbeit leistet. Angesichts der Ballermänner wie Maschinengewehr, Raketenwerfer, Flammenwerfer, Plasmagewehr, Granaten oder Scharfschützengewehr geht dem verwöhnten Ballerfan das Herz auf. Zwar hat Cortez auch ein Utensil, den Up-Link, dabei, mit dem er Gegenstände wie explosive Fässer oder Kisten zum Schweben bringen und in Richtung Gegner schleudern kann, nur ist dieses nette Gimmick im harten Kampf gegen waffenstrotzende Feinde eher nutzlos. An einigen wenigen Stellen schwingt man sich auch hinters Steuer eines Vehikels und legt kurze Strecken zurück. Zum Glück kommen solche Situationen nicht oft vor, da das Fahrverhalten und demzufolge die Kontrolle des fahrbaren Untersatzes nicht besonders gut gelungen ist.
Die Entwickler haben auch die finale Episode der TimeSplitters-Reihe bis zum Bersten mit Spielmodi für Solisten und maximal vier Spieler voll gepackt. Der Story-Modus beispielsweise kann kooperativ mit einem Kumpel gespielt werden. Unter "Herausforderung" warten abgefahrene Minispiele. Wem die vorgegebenen Levels nicht zusagen, der kann seinen eigenen Kampfschauplatz im umfangreichen Map-Maker erstellen. Bis auf ein paar Erweiterungen und Verbesserungen im Detail ist dieser mit dem des Vorgängers identisch.
Hingucker mit Macken
Free Radical Designs hat das Versprechen von 60 Bildern pro Sekunde größtenteils eingehalten. Wenn nicht gerade auf dem Bildschirm die Hölle los ist und das Sichtfeld mit Licht- und Partikeleffekten wie zum Beispiel fetten Explosionen oder Dutzenden von Lasersalven zugeballert wird, läuft das Spiel auch wirklich überaus flüssig. Allerdings haben sich die Entwickler die hohe Bildwiederholungsrate durch Mittelmäßigkeit bei den Texturen und der Levelarchitektur erkauft. Ab der zweiten Hälfte des Story-Modus legt die Grafik wieder etwas zu und glänzt stellenweise mit weitläufigen Arealen, die massenweise Gegner beherbergen und durch exzellente Lichteffekte und Spiegelungen eine sehr gute Stimmung vermitteln. Bei Vierspieler-Duellen per geteiltem Bildschirm sind ebenfalls Einbrüche bei der Framerate zu beobachten. Allerdings bewegen sie sich in einem akzeptablen Rahmen und stören das Ballervergnügen nur selten. Sämtliche Figuren glänzen durch das Time-Splitters-typische Charakterdesign und detailverliebte Animationen. Allerdings ist der besondere Stil wieder sehr vom persönlichen Geschmack abhängig. Fans der Serie bekommen also einen außerordentlich witzigen und sehr unterhaltsamen Ego-Shooter spendiert, der sowohl alte Tugenden als auch neue Einfälle und eine total abgedrehte Story zu bieten hat. Etwas überraschend ist allerdings die USK-Einstufung "Keine Jugendfreigabe".
