The Day Before im Test: Schlechter geht es nicht!

Test Michael Grünwald
Zwei Spieler stehen sich gegenüber. Einer hat keinen Kopf
Quelle: PC Games

Das angebliche Survival-MMO The Day Before ist auf dem Markt und wurde gleichzeitig schon wieder beerdigt. Im Test gehen wir näher auf die Kontroverse ein.

Pinocchio lügt weniger

Sobald wir unsere Sicherheitszone Woodberry verlassen, finden wir kein versprochenes Survival-MMO vor, sondern schlichtweg einen Extraction-Shooter. Wir werden irgendwo auf den Straßen New Fortune Citys ausgesetzt, suchen Ausrüstung und verkäufliche Objekte und im Anschluss geht's zu einem der Ausgänge auf der Karte. Eine Open World sieht anders aus.

Alleine die Größe der Map verrät, dass Fntastic im Vorfeld komplett geschwindelt hat. Neben einem urbanen Gebiet mit einigen Hochhäusern gibt's zwar noch ein paar ländliche Abschnitte, aber viel geboten ist nirgendwo.

Bei einigen Points of Interest lassen sich Kisten, Schränke und Schubladen looten, doch tolles Zeug bekommen wir dort nicht. Hier und da erhalten wir eine Knarre und Munition, aber lohnenswerte Ausflüge sehen anders aus.

Zwei Spieler schießen auf Infizierte Quelle: FNTASTIC Zusätzlich zu den Shops sind noch einige wenige Gebäude wie eine Polizeistation und ein Hotel begehbar. Im Letztgenannten fahren wir mit dem Fahrstuhl jedoch lediglich in eine Etage, um dort ein paar Räume mit den gleichen langweiligen Sachen vorzufinden. Nicht mal den Ausblick können wir genießen, da die Fenster verrammelt sind.

Ach ja, bevor wir es vergessen, es gibt übrigens auch Infizierte in der Spielwelt. Die müssen wir beinahe so intensiv suchen wie den Loot. Auf den Straßen der Stadt ist weniger los als in den Gängen eines Seniorenheims während die neue Folge Musikantenstadl im Fernsehen läuft.

In den Trailern gab's noch ordentlich Action, Zombiehorden und riesige Einkaufszentren. Davon blieb nichts mehr übrig. Wie von vielen erwartet, haben die Entwickler schlichtweg eine der größten Lügen der Videospielgeschichte bis zum bitteren Ende durchgezogen.

Könnt ihr euch beispielsweise noch an die Trailer-Szenen erinnern, bei denen ein Supersportwagen durch die City düste und sich ein SUV durch Geländeabschnitte arbeitete? Im Spiel gibt's nun allerdings keine fahrbaren Untersätze.

Halt Moment, auch das stimmt nicht zu 100 Prozent! Sie existieren nur nicht in der Spielwelt, kaufen lassen sich drei unterschiedliche Fahrzeuge aber tatsächlich. Zum Schnäppchenpreis zwischen 1,2 und 1,9 Millionen sogenannter Woodcoins können wir die Autos nämlich erwerben.

Ein Fahrzeug fährt durch die Landschaft Quelle: FNTASTIC Lasst uns das mal ausrechnen: Für jeden abgeschlossenen Auftrag erhalten wir 5.000 Woodcoins. Das bedeutet, uns reichen 240 abgeschlossene Missionen aus, um das günstigste Vehikel in unsere Garage zu stellen. Oder die deutlich zeitsparendere Variante: Wir deinstallieren das Spiel, gehen arbeiten und leisten uns das Ding im echten Leben. Da können wir es im Anschluss sogar benutzen.

Auch die Errichtung unserer eigenen Bude in der Spielwelt stellt sich als Fake heraus. In einem durch eine Ladesequenz abgetrennten Bereich gibt's zwar die Möglichkeit, unser Grundstück zu bearbeiten, aber in der eigentlichen Open World ist das nicht möglich.

Mit unseren hart erarbeiteten Moneten stellen wir uns einen Unterschlupf nach eigenen Vorstellungen zusammen. Über stapelbare Objekte und Physik scheint sich Fntastic allerdings keine Gedanken gemacht zu haben, denn die Einrichtungsobjekte lassen sich beinahe überall platzieren.

Möbel werden im Unterschlupf übereinander gestapelt Quelle: FNTASTIC

Copy and Paste

Wer jetzt denkt, es kann nicht mehr schlimmer kommen, der hat die Rechnung ohne das russische Ex-Entwicklerstudio gemacht. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass The Day Before ein gewaltiger Asset Flip ist. Items, Gebäude und sogar ganze Straßenzüge, entspringen aus kaufbaren Elementen aus dem Unreal Store. Fntastic hat es sich einfach gemacht und für einige hundert Dollar eine gewaltige Menge an Produkten aus dem Shop erworben und 1-zu-1 im eigenen Spiel verwendet.

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