Tales of the Shire verspricht waschechtes Hobbit-Glück im Auenland mit echtem Herr-der-Ringe-Zauber. Doch an einer großen Lizenz hängen große Erwartungen - Auch eine ebenso große Enttäuschung?
Ein Fan-Service, sie zu knechten und ewig zu binden
Was braucht ein Der-Herr-der-Ringe-Spiel, um die Fans des Franchises von sich zu überzeugen? Richtig! Bekannte Charaktere und die richtige Menge an Fan-Service. Dieser Gedanke schien auch den Entwicklern gekommen zu sein. In Wasserau begegnen wir nämlich einigen bekannten Charakteren, die bereits in den Romanen eine Rolle gespielt haben.
Gleich zu Beginn genießen wir eine Fahrt mit Gandalf auf seinem Karren. Während der Zauberer uns nach Wasserau bringt, fühlen wir uns durch die Cutszene stark an Frodos Fahrt nach Beutelsend zu Beginn von Der Herr der Ringe: Die Gefährten erinnert. Na ja, außer. dass Gandalf in seiner Darstellung und mit den knochigen, dünnen Fingern eher wirkt, als würde er uns verspeisen wollen, statt zu helfen.
Auch unter den Bewohnern Wasseraus finden wir bekannte Namen. Rosie Hüttinger zum Beispiel ist sowohl aus Büchern als auch aus den Filmen bekannt und spricht sogar ab und zu von Sam und seinem alten Ohm. Und auch Müller Sandigmann ist eine bekannte Figur aus den Romanen, die es allerdings nicht bis in die Verfilmung geschafft hat.
Natürlich begegnen wir den bekannten Hobbtis wie Frodo und Sam nicht auf unseren Reisen durch Wasserau, immerhin leben sie ja in Hobbingen. Aber in den Unterhaltungen tauchen ihre Namen immer wieder auf. Mal ist die Rede von den vielen Geschichten, die Herr Beutlin immer erzählt, mal davon, dass er ein glänzendes, silbernes Hemd irgendwo versteckt hält.
Quelle: PC Games
In Tales of the Shire wirkt Gandalf eher gruselig als freundlich und hilfsbereit.
Doch reicht dieser Fan-Service leider nicht aus, um wirklich eine Verbindung zu den Hobbits oder zum Spiel herzustellen. Die eingebauten Charaktere haben kaum Tiefgang oder einen wirklich individuell ausgeprägten Charakter. Die meisten wirken eher seicht, fast schon dümmlich, wo wir uns die Frage stellen: Ist das der von Tolkien implizierte Hobbit-Rassismus des großen Volks gegenüber dem kleinen Volk der Hobbits? Oder wurde hier lediglich am Writing gespart?
Garstige Technik tut uns weh
Abseits aller inhaltlichen Stärken und Schwächen hat Tales of the Shire technisch, grafisch und sogar akustisch unglaublich viele Baustellen. Eins vorweg, niemand fordert Fotorealismus. Es gibt unzählige Cozy-Games, die mit ihrem Comic- oder Pixel-Look verzaubern, wie beispielsweise Stardew Valley. Und auch der Comic-Look von Tale of the Shire könnte durchaus charmant sein, besäße er doch nur etwas mehr Liebe zum Detail.
Ein paar detailliert dargestellte Grashalme statt einem einzigen grünen Fleck, mehr Details in Blättern, Bäumen, Mauern, einfach in allem hätte möglicherweise dafür gesorgt, dass schon ein Blick gereicht hätte, um uns das Gefühl zu geben, im Auenland zu sein. Mit seinen saftigen Wiesen und Feldern und Flüssen. Die unscharfen Texturen und Konturen der Gebäude und ihrer Bewohner vermitteln allerdings eher den Eindruck, in einer unfertigen Beta-Version zu stecken.
Bildergalerie
Und trotz der recht simpel gehaltenen Grafik schafft es das Spiel nicht durchgehend flüssig zu laufen. Beim Testen auf dem PC sind die FPS immer wieder eingebrochen, selbst die Cutscenes sind ins Stocken geraten und das unabhängig von den Grafikeinstellungen. Auf der Nintendo Switch ist das Spiel obendrein regelmäßig abgestürzt, sodass wir die angebrochenen Ingame-Tage mehrfach wiederholen mussten.
