Somerville im Test: Enttäuschendes Sci-Fi-Abenteuer auf den Spuren von Inside

Test Felix Schütz
Somerville im Test: Enttäuschendes Sci-Fi-Abenteuer auf den Spuren von Inside
Quelle: Jumpship

Somerville war jahrelang in Entwicklung, die Trailer sahen fantastisch aus. Doch auf Vorfreude folgt Ernüchterung: Im Test zeigt das Indie-Abenteuer zwar eine Menge gute Ansätze und schöne Kulissen, ächzt aber auch unter hakeligem Gameplay und fragwürdigen Designentscheidungen.

Schusswaffen oder ein Kampfsystem gibt es nicht, stattdessen erwarten euch physikbasierte Puzzles. Auch wenn der Rätselanteil recht gering ausfällt, wurden einige Aufgaben richtig schön in die Umgebungen eingebettet und machen Spaß. Hinzu kommt noch eine besondere Mechanik, mit denen sich Somerville von der Konkurrenz abheben will: Nach den apokalyptischen Ereignissen sind Teile der Levels von merkwürdigen, blockartigen Strukturen überwuchert, sogar manche Häuser, Autos und ganze Seen haben sich in die klötzchenartige Masse verwandelt. Im Spielverlauf "lernt" der Vater, diese bizarren Strukturen zu beeinflussen - eine Schultertaste verflüssigt sie, die andere macht sie wieder fest. Das Konzept nutzt sich zwar schnell ab, kommt aber zumindest in ein paar coolen Puzzles zum Einsatz. Zum Beispiel kann der Vater den Effekt auf Lichtquellen übertragen, indem er eine Fackel in der Hand hält oder einen Generator oder eine Lampe berührt. Die Entwickler stricken daraus clevere Situationen und Puzzles, von denen es gerne noch mehr hätten sein dürfen.

Ein Ende zum Grübeln

Nach dem etwas lahmen Mittelteil überschlagen sich die Ereignisse im letzten Drittel. Da warten nicht nur ein paar richtig dramatische Verfolgungsszenen, es treten auch endlich andere Charaktere auf. Der Plot wird schlagartig wieder interessant! Gelingt Somerville auf den letzten Metern doch noch ein Geniestreich? Leider nein: In den finalen Abschnitten verlieren sich die Entwickler in allzu kryptischen Bildern, die sich zwar vielfältig deuten ließen, doch vom Prädikat "befriedigend" weit entfernt sind. Da hilft es auch nicht, dass das Gameplay gegen Ende nur noch auf Sparflamme kocht. Offensichtlich wollen die Entwickler, dass man sich über das Finale den Kopf zermartert und eigene Lösungsansätze findet. Nur schade, dass die Story einem dazu kaum genug an die Hand gibt, die spannenden Ansätze kommen dadurch kaum zur Entfaltung. Es gibt zwar mehrere Endsequenzen, doch wirklich erfüllend ist keines davon.

Bildergalerie

Auch die Technik kommt nie auf das Niveau, das Inside bereits vor neun Jahren erreicht hat. Auf dem PC läuft das Spiel mit unbegrenzter Framerate, im Optionsmenü gibt es weder Vsync noch eine Fps-Obergrenze. Dadurch läuft das Spiel in manchen Szenen auch mal mit 140 Bildern pro Sekunde (hallo Lüfter!), in anderen fällt die Framerate dann wieder schlagartig auf unter 50 Fps, was sich in einem leichten Stottern bemerkbar macht. Außerdem ist uns hin und wieder Tearing aufgefallen. Selbst die eigentlich schicken Animationen des Helden wirken gelegentlich unsauber, vor allem dann, wenn der Vater mit Objekten in der Spielwelt kollidiert - was vor allem dann passiert, wenn wir mal wieder nach dem Weg suchen.

Und auch bei einigen Puzzles hatten wir Schwierigkeiten. Nicht immer gelingt es wie geplant, ein Umgebungsobjekt zu verflüssigen oder man bleibt versehentlich im Boden stecken. In einer Szene mussten wir sogar einen früheren Checkpoint laden, weil sich ein Puzzle nicht mehr lösen ließ. An anderer Stelle blieben Begleiter plötzlich stehen, anstatt uns zu folgen - auch hier griffen wir zu einem früheren Checkpoint.

Auf Steam zeigen die ersten User-Reviews bereits eine klare Tendenz: Somerville ist ein Spiel mit riesigem Potenzial, in das eindeutig viel Mühe und Liebe geflossen ist. Doch das Ergebnis hat zu viele Schwächen, um darüber hinwegzusehen.

Wertung zu Somerville (PC)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Somerville (XSX)

Wertung:

6.0 /10
Fazit

Die Mischung aus Inside und Another World geht nicht ganz auf: Somerville punktet mit atmosphärischer Inszenierung, spannenden Sequenzen und ein paar netten Puzzles. Eine ungenaue Steuerung, mäßige Kameraführung und eine Story, die sich gegen Ende im Nichts verliert, sägen aber kräftig an der Wertung. Erwartet auf keinen Fall ein Spiel, das so perfekt geschliffen und rund daherkommt wie Inside - dann könnte euch Somerville vielleicht sogar positiv überraschen.

Somerville ist für PC, Xbox One und Xbox Series S/X erhältlich. Der Kaufpreis liegt bei etwa 24 Euro (Steam) bzw 28 Euro (Xbox). Das Spiel ist ab Release auch im Game Pass enthalten. Sprachausgabe gibt es nicht, die Texte sind auf Deutsch. Die PC-Version gibt es Achtung: Zum Spielen benötigt ihr zwingend ein Gamepad.

Schon gewusst? Somerville wird oft mit dem brillanten Inside verglichen, nicht ohne Grund: Schließlich haben die Spiele nicht nur einige Gemeinsamkeiten, sie teilen sich auch einen bekannten Namen: Das Entwicklerstudio Jumpship wurde von Dino Patti mitbegründet, der 2006 bereits Playdead (Limbo, Inside) aufgebaut hatte. Neben ihm an der Spitze steht Chris Olsen. Er ist nicht der nur Co-Founder von Jumpship, sondern auch Schöpfer und Projektleiter von Somerville. Patti dagegen war nur als Producer beteiligt, die kreative Leitung des Spiels lag also streng genommen nicht bei ihm. Playdead arbeitet übrigens ebenfalls an einem neuen Spiel: Auf der offiziellen Website erfahren wir nur, dass es sich um ein Third-Person-Abenteuer handelt, die Entwickler sprechen von einem ambitionierten Science-Fiction-Projekt "in einem entlegenen Winkel der Galaxie".

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