Nach 13 Jahren Entwicklungshölle hat Routine jetzt doch noch das Licht der Welt erblickt. Hat sich das Warten auf den Sci-Fi-Horror gelohnt? Wir klären's im Test!
In diesem Artikel
Ich will ganz ehrlich sein: Ich bin ein ziemlicher Schisser. Mich kriegen auch die ganz billigen Jumpscares der Dark Pictures Anthology. Beim SOMA-Zocken hab ich immer das Licht angelassen. Und Dead Space hat mich nur deshalb nicht den letzten Nerv gekostet, weil mir die Entwickler einen Plasmacutter in die Hand gedrückt haben, mit dem ich mir wenigstens die Illusion von Sicherheit vorgaukeln konnte.
Kurzum: Horror-Spiele und ich - das ist eine schwierige Beziehung.
Warum ich mich dann trotzdem freiwillig für den Test von Routine gemeldet habe? Weil mich die Entstehungsgeschichte des Sci-Fi-Horror-Adventures einfach fasziniert hat. Knapp dreizehn (!) Jahre werkelte das dreiköpfige Team von Lunar Software daran herum. Das sind schon fast "Duke Nukem Forever"-Verhältnisse. Glücklicherweise hat der Indie-Titel die Entwicklungshölle aber deutlich besser überstanden ...
Routine schickt euch auf eine verlassene Mondbasis im retrofuturistischen 80er-Jahre-Stil. Heißt: Die Spielwelt fühlt sich gleichzeitig neu und doch irgendwie alt an. Zwar hat die Menschheit es geschafft, den Weltraum zu erobern, hört sich aber immer noch Tonaufnahmen auf dem Kassettenrekorder an.
In diesen stimmungsvollen Mix werdet ihr als eine Art Notfalltechniker hineingeworfen, um euch um das wildgewordene Sicherheitssystem der Station zu kümmern. Ihr müsst aber schnell feststellen, dass das keine so einfache Aufgabe ist. Denn so verlassen präsentiert sich der Mond dann doch nicht. Und ganz grundlos scheint die Basis auch nicht in den Shutdown gegangen zu sein.
Quelle: PC Games
Die Spielwelt von Routine ist echt düster. Bringt besser eine Taschenlampe mit.
Zugegeben: keine besonders originelle Prämisse, die auch über den weiteren Verlauf keinen Innovationspreis gewinnt. Aber als Basis für 'ne gute Horror-Experience reicht es.
Alles für die Immersion
Für euren Protagonisten gibt es leider keine Hintergrundgeschichte, keine Persönlichkeit und auch keine Stimme. Das soll wohl dabei helfen, dass ihr euch noch besser in ihn hineinversetzen könnt. Denn Immersion wird in Routine großgeschrieben. Das Spiel kommt quasi komplett ohne eine Nutzeroberfläche daher: Karte, Marker in der Spielwelt, Gesundheitsanzeige - das alles sucht ihr vergeblich. Es gibt nicht mal ein klassisches Tutorial! Stattdessen werden euch die Basics im Rahmen eines Gesundheitschecks auf einem Ingame-Monitor beigebracht.
Ein extrem cooler Ansatz, der zumindest zu Beginn aber schon mal überfordernd sein kann. Man fühlt sich dann teilweise doch etwas alleingelassen und würde sich zumindest ein paar mehr Erklärungen, ein bisschen Händchenhalten wünschen. Besonders, weil Routine ziemlich linear aufgebaut ist: Ihr könnt die Basis zwar recht frei erkunden, es gibt aber nur einen Weg, um voranzukommen. Wer den nicht findet, ist aufgeschmissen.
Quelle: PC Games
Wo bekommt ihr eine ID? Was ihr für den Spielfortschritt braucht, liegt meistens in der Gegend herum.
Mal ein Beispiel vom Spielbeginn: Da gilt es, eine kaputte Tür zu öffnen. Dafür müsst ihr erst den Terminal hacken, dann eine Fehleranalyse laufen lassen, die gefundenen Fehlercodes im Handbuch nachschlagen und dann herausfinden, wie man die ganze Schließmechanik einmal neu startet. Dafür habe ich dann auch mal meine zehn Minuten gebraucht.
