Riders Republic: Dr. Jekyll und Mr. Grind - Ubisofts Extremsport-Spektakel im Test
Test 35,99 €
Am 28. Oktober erschien mit Riders Republic der Nachfolger des Extremsportspiels Steep. Diesmal ist man jedoch nicht nur auf verschneiten Berggipfeln unterwegs, sondern in sage und schreibe sieben US-Nationalparks. Warum Riders Republic zwar ein tolles Open-World-Spektakel ist, dem Ubisoft-Titel aber trotzdem vor der Ziellinie die Luft ausgeht, erfahrt ihr in unserem Test.
Geisterstunde oder Gemeinschaft?
Zu dieser "Freiheit" trägt auch bei, dass man nicht alleine in der Spielwelt unterwegs ist. Überall sieht man, wie andere Spieler ebenfalls die Nationalparks erkunden, zwischen Sportgeräten wechseln, an einem vorbeisausen oder auf die Schnauze fallen. Allerdings tritt man in der Karriere nie direkt gegen echte Spieler an. Entweder muss man Bestzeiten oder Highscores von KI-Ridern überbieten oder man hat die Geister anderer Spieler mit sich auf der Rennstrecke. Nur wer sich mit anderen Ridern zu einer bis zu sechsköpfigen Gruppe zusammengefunden hat, darf sich bei den Karriere-Challenges direkt mit anderen Zockern messen.
Riders Republic im Test
Das funktioniert auch wirklich gut, wenn man die Crew beisammen hat. Man muss nicht unbedingt als Gruppe zusammenbleiben, aber man kann sich jederzeit zu einzelnen Mitgliedern spawnen lassen und wenn ein Spieler eine Veranstaltung im Versus-Modus startet, nehmen die anderen dann automatisch auch daran teil. Da Riders Republic Crossplay nutzt, kann man auch ganz einfach direkt Nutzer anderer Plattformen einladen. Wenn man sich nicht mit Fremden zu einer Gruppe zusammenschließen, sondern mit Freunden spielen möchte, die eine andere Plattform nutzen, findet man sich über die Freundesliste im Spiel. Sofern man natürlich über Ubisoft Connect miteinander vernetzt ist.
Abseits der normalen Karriere-Challenges gibt es aber auch noch einzelne Multiplayer-Modi, die man in der sogenannten Riders Ridge, dem Hauptquartier der Rider, auswählt. Hier tritt man entweder in einem Rennen oder in einem Team-Trick-Wettbewerb gegen andere Spieler an. Auch hier kann man natürlich im Rang aufsteigen und Sterne sowie XP verdienen.
Quelle: PC Games
Riders Republic ist voll auf Gamepad- Steuerung ausgelegt. Ihr dürft wählen, ob ihr Tricks mit den Buttons oder den Analogsticks ausführt.
Massenhaft Spaß und Probleme
Das Herzstück des PvP-Modus sind ganz klar die Massenstartrennen. Zwar gibt es auch im Karriere-Modus Wettbewerbe, in denen verschiedene Disziplinen in einem Rennen miteinander kombiniert werden, doch bei den Massenstarts geht diese Wettbewerbs-Kombo über mehrere Runden und man tritt eben nicht gegen Geister an, sondern gegen bis zu 63 weitere Spieler. Mit so vielen Kontrahenten gleichzeitig auf der Strecke wird es natürlich sehr chaotisch, aber genau das macht auch den Reiz des Wettbewerbs aus. Man muss jede Etappe hochkonzentriert bleiben, um überhaupt eine Chance zu haben, vorne mit dabei zu sein.
Zwar sind auch bei Riders Republic ein paar Dummbeutel unterwegs, die anderen Spielern den Spaß versauen wollen, indem sie sie kurz vor den Checkpoints wegrammen, aber diese Ekel sind glücklicherweise klar in der Minderheit. Die Community von Riders Republic macht allgemein einen guten Eindruck, sodass spannende und faire Rennen zustandekommen. Die Massenstartrennen haben dafür ganz andere Probleme.
Zunächst einmal finden die Rennen nur zu bestimmten Zeiten statt, wobei diese teilweise zu variieren scheinen. Außerdem sagt einem das Spiel nur manchmal Bescheid, ob wieder ein Massenstart verfügbar ist. Da dieser Spielmodus nicht nur selten, sondern auch beliebt ist, muss man extrem schnell zum Massenstarttreffpunkt kommen, um noch teilnehmen zu können. Das ist alles nervig, aber noch verkraftbar.
Quelle: PC Games
Bei den Massenstartrennen tretet ihr gegen bis zu 62 andere Spieler an. Die Spielrunden sind chaotisch und spaßig, sofern es mal keine technischen Probleme gibt.
Schlimmer ist indes, dass die Massenstarts auf jeder Plattform Probleme machen. Sowohl auf dem PC als auch auf der Playstation 5 kam es immer wieder zu Server-Problemen, welche das Rennen abrupt beendeten, kurz nachdem es gestartet war. Auf der Xbox Series X führten Massenstartrennen während unserer Testphase sogar mehrmals zu Crashes. Hier half nur ein Neustart der Konsole.
Doch nicht nur bei Massenstartrennen, die tatsächlich super spaßig sind, wenn sie mal funktionieren, sondern auch anderweitig gibt es immer wieder mal Server-Probleme. Trotz stabiler Internetverbindung wurde beispielsweise ein Gruppenmitglied immer wieder nach einer gewissen Zeit aus der Crew gekickt. Ubisoft muss sich hier dringend was einfallen lassen. Mit der angestaubten Grafik hingegen müssen wir wohl leben. Riders Republic ist wahrlich kein hässliches Spiel, doch man stößt fortwährend auf matschige oder sichtbar zu spät nachladende Texturen.
Todesstoß statt Todessprung
Mit der Grafik kann man leben, um die Serverprobleme wird Ubi sich bestimmt kümmern und ansonsten macht Riders Republic ja auch wirklich Spaß. Eigentlich würde unser Fazit also auch weiterhin äußerst positiv ausfallen, wenn, ja wenn da nicht noch zwei Dinge wären, die uns richtig sauer aufgestoßen sind. Widmen wir uns erstmal dem kleineren der zwei Übel: dem Shop. Anfangs gestaltet man sich seinen Rider, besonders viele Optionen gibt es dafür aber nicht, sodass man natürlich im Kleidungsshop in der Riders Ridge neue Sachen erstehen möchte. Schließlich erhält man ja auch andauernd In-Game-Währung für abgeschlossene Events.
Quelle: PC Games
In den Shackdaddy-Events geht es richtig verrückt zu. Hier setzt euch das Spiel auf Raketen-Fahrräder und andere bekloppte Vehikel.
Tja, leider gibt es aber nur sehr wenige Outfits und einzelne Klamotten und die meisten davon sehen nicht sonderlich toll aus. Zwar gibt es auch verschiedene Kostüme, doch die bekommt man nur, wenn man Echtgeld für Rider-Coins ausgibt. Umgerechnet kostet ein lausiges Kostüm 9,99 Euro. Klar, es geht hier nur um etwas, das man nicht für den Spielfortschritt braucht, aber das ist trotzdem richtig frech. Gerade auch, da man diese Kostüme in der Beta noch normal mit In-Game-Kohle erstehen konnte.
Doch zurück zum Spielfortschritt: Seid ihr weit genug im Spiel, gibt es keinen mehr. Zumindest keinen spürbaren. Sind die Sternstufen anfangs noch recht nah beieinander, wodurch dann neuer Content freigeschaltet wird, sind später mehrere hundert Sterne zu erringen, bevor es wieder eine Belohnung gibt. Das wäre ja nicht so schlimm, wenn es durch die Stufenaufstiege in den jeweiligen Disziplinen darin weiterhin Events geben würde, aber auch hier ist irgendwann um Level 20 herum (je nach Disziplin unterschiedlich) Schicht im Schacht.
Quelle: PC Games
08/15-Klamotten gibt es für verdiente In-Game-Währung, für Kostüme hingegen müsst ihr echtes Geld in die Hand nehmen. Ein einzelnes Kostüm kostet 9,99 Euro. Das ist echt frech, Ubisoft!
Statt neuer Events bekommt man Kohle, aber wofür soll man die bitte ausgeben, wenn nichts Gescheites da ist und man die Kostüme nur mit Echtgeld bekommt? Man ist also auf die Sternenaufstiege angewiesen für neuen Content. Wir traten für den Test immer und immer wieder in bereits gespielten Wettbewerben an, da man jedes Mal erneut dafür Sterne erhält. Sprich: Wir mussten grinden. Als wir dann auf Sternstufe 600 waren, gab es ein paar neue Shackdaddy-Challenges. Wir griffen dabei ein paar Sterne ab und mussten dann weiter auf Stufe 750 grinden, um die Highlight-Events von Riders Republic freizuschalten.
Selbst in einer Crew und mit vielen Teilnahmen an Multiplayer-Wettbewerben sind diese Wege zur neuen Sternstufe viel zu weit, da es in diesem Zeitraum eben keinerlei neue Events gibt. Da nützt auch eine wöchentliche Shackdaddy-Challenge nicht. Letzlich tappt Ubisoft mit Riders Republic also in die gleiche Falle wie schon mit Steep: Es wird ein riesiger Spielplatz nicht enden wollenden Spaßes versprochen, nach etwa 20 Stunden gibt es aber keine neuen Inhalte mehr. Gleichzeitig setzt man aber voraus, dass man noch mehr als doppelt so viel Zeit im Spiel verbringt. Das geht so nicht zusammen. Wir gehen jede Wette ein, dass 90% der Spieler vor Stufe 750 die Flinte ins Korn oder vielmehr das Snowboard in den Schnee werfen.
