Riders Republic: Dr. Jekyll und Mr. Grind - Ubisofts Extremsport-Spektakel im Test
Test 35,99 €
Am 28. Oktober erschien mit Riders Republic der Nachfolger des Extremsportspiels Steep. Diesmal ist man jedoch nicht nur auf verschneiten Berggipfeln unterwegs, sondern in sage und schreibe sieben US-Nationalparks. Warum Riders Republic zwar ein tolles Open-World-Spektakel ist, dem Ubisoft-Titel aber trotzdem vor der Ziellinie die Luft ausgeht, erfahrt ihr in unserem Test.
Ubisoft Annecys Riders Republic klingt beinahe zu schön, um wahr zu sein: Eine riesige Spielwelt, die aus sieben Nationalparks besteht und sich frei erkunden lässt. Ganze fünf Extremsportarten, die nochmal in verschiedene Disziplinen unterteilt sind. Die Möglichkeit, sich zu Crews zusammenzuschließen, gemeinsam die Welt zu erkunden oder sich mit Freunden und Fremden in zahlreichen Wettbewerben zu messen. Und natürlich die großen Massenstart-Rennen, in denen man gegen bis zu 63 andere Spieler antritt. Die aufgezählten Features versprechen ein schillerndes Trendsportfest, das einen wochenlang beschäftigt. Dieses Versprechen kann Riders Republic jedoch nicht halten. In unserem Test entpuppt sich der Titel als spaßiges Sportspiel, das jedoch ab einem bestimmten Zeitpunkt in nervigen Grind ausartet.
Riders Republic im Test
Abenteuer-Spielplatz
Vorgänger Steep schickte uns 2016 auf mehrere schneebedeckte Berge, doch typisch für Ubisoft muss im Nachfolger natürlich alles noch viel größer sein. Das ist in diesem Fall jedoch nicht als Kritik gemeint, denn Riders Republic profitiert tatsächlich von der noch mal vergrößerten Spielwelt, die sich viel abwechslungsreicher präsentiert als noch in Steep. Die Karte setzt sich zusammen aus Teilen der sieben amerikanischen Nationalparks Bryce Canyon, Yosemite, Zion, den Canyonlands, Mammoth Mountain, Grand Teton und dem Sequoia Park.
Quelle: PC Games
Seid ihr nicht in einer Crew unterwegs, tretet ihr in den Karrieren nur gegen die Geister anderer Fahrer an. Abseits davon trefft ihr in der Welt aber auf andere Spieler.
Jeder, der diese Namen liest und schon mal an einem trüben Sonntagnachmittag in eine Naturdoku gezappt hat, weiß natürlich, dass einige der genannten Nationalparks nicht unbedingt als Schneegebiete bekannt sind. Natürlich darf man auch immer noch mit Ski oder Snowboard über eisige Bergpisten brettern, doch jetzt gibt es eben auch verschiedene Waldgebiete, kleine Dörfer, sonnige Täler und schier endlos wirkende Canyons zu erkunden. Die verschiedenen Nationalparks gehen auf der Karte nahtlos ineinander über und dürfen jederzeit frei erkundet werden.
Wer die Augen offen hält, entdeckt bekannte Sehenswürdigkeiten oder sogar Relikte. Überhaupt macht es wirklich Spaß, sich durch die Welt von Riders Republic (jetzt kaufen / 35,99 € ) zu bewegen. Den Entwicklern ist der Spagat gelungen, sowohl die Nationalparks authentisch ins Spiel zu übertragen, sie aber auch so anzupassen, dass sie hervorragend für die verschiedenen Extremsportarten genutzt werden können. Schließlich geht es in Riders Republic hauptsächlich um wilde Trendsport-Wettbewerbe.
Extremsport mit System
Da sich Riders Republic nicht nur auf Schnee beschränkt, gibt es natürlich auch mehr Sportarten als in Steep. Die eher nervigen Gleitschirm-Challenges aus dem Vorgänger sind rausgeflogen. Ski und Snowboard sind aber auch in Riders Republic enthalten und teilen sich in Rennen und Trick-Wettbewerbe auf. Auch der Wingsuit feiert in Riders sein Comeback, allerdings sind die Challenges damit weitaus besser ausbalanciert als noch in Steep. Außerdem gesellt sich nun der Raketen-Wingsuit hinzu, mit dem man wahnwitzige Checkpoint-Rennen bestreitet. Wenn man den Turbo zündet und zwischen Bäumen oder Felsformationen hindurchdüst, kommt mächtig Adrenalin ins Blut.
Ebenfalls neu sind die Fahrrad-Wettbewerbe, die genau wie die Wintersport-Contests nochmal in Trick- und RennVeranstaltungen aufgeteilt sind. Sämtliche Disziplinen sind in einzelne Karrieren mit eigenem Levelsystem aufgeteilt. Für abgeschlossene Events einer Disziplin erhält man Erfahrungspunkte. Die Menge der erhaltenen XP hängt davon ab, wie man sich im Wettbewerb angestellt und welchen der insgesamt vier Schwierigkeitsgrade man ausgewählt hat. Steigt man eine Stufe auf, erhält man Kohle, bessere Sportgeräte und eben neue Events zu dieser Disziplin. Nun, zumindest für eine Weile, aber dazu kommen wir noch.
Quelle: PC Games
Die Rennen mit dem Raketen-Wingsuit steuern sich gut, überzeugen mit tollem Geschwindigkeitsgefühl und werden später schön anspruchsvoll.
Anfangs stehen euch noch nicht alle Karrierezweige zur Verfügung. Die meisten werden erst nach und nach freigeschaltet, wenn ihr ein bestimmtes Stern-Level erreicht habt. Sterne erhaltet ihr in Riders Republic für viele Dinge. Wenn ihr Sponsorenverträge erfüllt, wenn ihr einen Aussichtspunkt erreicht, wenn ihr ein Relikt findet und wenn ihr einen Wettbewerb abgeschlossen habt. Richtig, abgeschlossen, nicht gewonnen. So verhindert Ubisoft Annecy, dass Spieler am Fortschritt gehindert werden, nur weil ihnen eine bestimmte Disziplin vielleicht nicht liegt. Das ist durchaus lobenswert.
Vor allem können Spieler, die die jeweilige Challenge beherrschen auch immer Bonus-Sterne verdienen, indem sie beispielsweise einen bestimmten Trick ausführen, eine Zielzeit unterbieten oder Stern-Ballons auf der Strecke einsammeln. Das ganze Rangsystem mit seinen Unterteilungen mag überfrachtet klingen, ist aber eigentlich sehr simpel und gut gelöst. So bleibt man stetig motiviert, sich in den verschiedenen Sportarten auszutoben. Für eine Weile. Aber wir schrieben ja bereits, dass wir uns diesem Thema später noch widmen.
Quelle: PC Games
Sämtliche Sportarten dürfen auch aus der Ego-Perspektive bestritten werden. Nur für Tricks wird dann immer wieder in die Third-Person-Ansicht geschaltet.
Mehr Sport, mehr Spaß
Bleiben wir erstmal weiter bei den positiven Aspekten von Riders Republic. Die verschiedenen Wettbewerbe sind abwechslungsreich, machen Spaß und sind teilweise auch richtig kreativ. Fahrradrennen sind zum Beispiel nur selten abgesteckte Kurse. Die Nationalparks werden toll genutzt, um über Stock und Stein durch die Natur zu rasen. Mal gibt es viele Checkpoints, die klar vorgeben, wo man herzufahren hat, mal sind nur wenige Checkpoints in der Region verteilt und man muss sich selbst den schnellsten Weg suchen.
Bei den Ski-Rennen hingegen geht es durch dichte Wälder oder durch enge Stadtkurse, aber auch klassische abgesteckte Abfahrts-Challenges sind dabei. Auch bei den Trick-Wettbewerben gibt es speziell darauf ausgelegte Abschnitte mit allerlei Rampen oder im Falle der Wintersportarten sogar Snow-Parks mit Pipes und Rails. In manchen Wettbewerben muss man aber auch quer durch die Natur fahren und sich selbst Objekte suchen, auf denen man tollkühne Tricks vollführt. Hinzu kommen dann noch spezielle Boss-Events wie etwa eine Downhill-Challenge von Red Bull in der Mountain-Bike-Karriere oder die X-Games bei den Wintersport-Trick-Disziplinen. Riders Republic bietet also jede Menge Abwechslung.
Darüber hinaus steuern sich sämtliche Sportarten auch wirklich präzise und größtenteils nachvollziehbar. Ab und an fragt man sich zwar, warum man sich voll auf die Fresse legt, obwohl man richtig aufgekommen ist, aber das ist nur selten der Fall. Außerdem darf man immer die Zeit ein wenig zurückspulen. Dieses Feature ist allerdings teilweise etwas bockig. Man darf nicht selbst bestimmen, wie weit zurückgespult wird, und das Spiel findet nicht immer einen guten Rücksetzpunkt.
Quelle: PC Games
Riders Republic bietet viel Abwechslung. Neben wilden Trick-Wettbewerben oder Extremsport-Rennen gibt es auch normale Abfahrtsläufe.
Bei allen Disziplinen gibt es gewisse Dinge, die man beachten muss, um wirklich erfolgreich zu sein. So muss man beim Abfahrtsski beispielsweise darauf achten, richtig zu bremsen, während es beim Downhill darauf ankommt, den Sprint richtig einzusetzen. Das ist aber alles keine Wissenschaft und geht dank der intuitiven Steuerung schnell in Fleisch und Blut über.
Man darf sich sogar aussuchen, ob man lieber die Kamera steuert und Tricks mit den Buttons des Gamepads ausführt oder man auf eine freie Kamera verzichtet und dafür lieber noch mehr Kontrolle über die Tricks hat, indem man dafür die Analogsticks benutzt. Zudem darf man einstellen, ob Landungen komplett automatisch erfolgen, das Spiel einem dabei ein wenig unter die Arme greift oder man die volle Kontrolle hat. Riders Republic ist enorm einsteigerfreundlich, doch auch virtuelle Profi-Extremsportler werden mit dem Titel aufgrund der Einstellungsmöglichkeiten ihren Spaß haben.
Crazy, but that's how it goes
Bei so viel Abwechslung und Zugänglichkeit machte es uns auch nicht so viel aus, dass die Präsentation des Spiels teilweise ziemlich nervig ist. Gerade zu Beginn des Spiels muss man viele Fremdscham-Dialoge von ach so coolen Extrem-Hipster-Torfnasen über sich ergehen lassen. Ein paar Sprüche sind tatsächlich ganz amüsant, meistens ging uns das peinliche Gelaber aber ziemlich auf den Keks. Glücklicherweise meldet sich die Cringe-Crew später nur noch kurz, wenn man besondere Events freigeschaltet hat. Auf die Glückwünsche von diesen Nervensägen könnten wir zwar verzichten, aber das ist alles halb so wild.
Man merkt Riders Republic schon an, dass es sehr witzig und craaaaazy sein will, aber das hat auch was Gutes, denn die sogenannten Shackdaddy-Bandit-Events bringen noch weiteren frischen Wind ins Spiel. Zwar steckt einen das Spiel hier schon mal in doofe Kostüme, aber man darf auch Rennen mit Raketen-Bikes fahren oder Tricks auf altertümlichen Skiern vollführen. Diese etwas abgedrehteren Sportgeräte schaltet man entweder in den Events frei oder man findet sie als Relikte in der Spielwelt. Die lassen sich dann genauso in den Wettbewerben oder zur Erkundung der Karte einsetzen wie die anderen Sportgeräte.
Ist man frei in der Welt unterwegs kann man quasi nahtlos zwischen den Utensilien hin und her wechseln. So steigt man beispielsweise mit dem motorisierten Gleitschirm in die Lüfte, wechselt dort zum Raketen-Wingsuit, wählt dann das Snowboard aus und landet auf einem schneebedeckten Abhang. In seinen besten Momenten vermittelt Riders Republic wirklich das Gefühl von Freiheit.
