Project Cars im Test gegen Assetto Corsa

Test Florian Stangl David Martin
Project Cars bietet jede Menge Abwechslung, bei den Strecken wie bei den Autos. (PC)
Quelle: PC Games

Endlich kommt Project Cars auf den Markt: Im Test der PC- und PS4-Versionen erfahrt ihr, ob sich die mehrfachen Verschiebungen gelohnt haben und ob das Community-unterstützte Rennspiel dem entfachten Hype auch gerecht wird. Hinweis: Den Test des Online-Modus liefern wir nach, sobald wir das Spiel unter echten Bedingungen testen konnten!

Project Cars – Tuning und dynamisches Wetter

Das Tuning ist ein wichtiger Aspekt im Spiel. Nein, Motorteile können ebenso wenig ausgetauscht werden wie Spoiler oder Aufkleber. Stattdessen darf man in der Box an den Teilen herumschrauben, die die Straßenlage des Autos beeinflussen. Also etwa die Federung, die Bremsbalance oder auch die Getriebeübersetzung. Das Spiel gibt mit knappen, aber verständlichen Texten Hilfestellung beim Ändern des jeweiligen Setups, das pro Auto und Strecke gespeichert werden kann. Die Auswirkungen sind je nach Änderung subtil bis deutlich, aber immer nachvollziehbar. So lässt sich zum Beispiel ein Wagen für einen sehr kurvigen Kurs wie die berüchtigte Nordschleife des Nürburgrings optimieren – was aber nur sinnvoll ist, wenn man es auch schafft, die Kurven dann so zu nutzen, das bis zur langen Geraden der Vorsprung gegenüber einem für Höchstgeschwindigkeit ausgelegten Gegner groß genug ist. Während eines Rennen lässt sich das Setup in der Box anpassen, was aber nur ab einer gewissen Renndauer sinnvoll ist. Zum echten Problem wird das, wenn sich während eines Rennens das Wetter drastisch verändert und man nur drei oder vier Runden eingestellt hat.

Im Test passierte das im Karrieremodus beim zweiten Rennen der klassischen Tourenwagen-Meisterschaft. Während Training und Qualifying bei trockenem Wetter stattfanden und das Rennen auch bei Sonnenschein begann, fing es jedes Mal zu regnen an. Mal nach der ersten von drei Runden, mal nach der zweiten Runde. Ein gewisser Zufallsfaktor spielt also durchaus eine Rolle, aber offensichtlich sind die Events im Karrieremodus geskriptet. Bei nur drei Runden ist ein Boxenstopp im Rennen sinnlos, man muss also entweder im Trockenen mit dem Regen-Setup beginnen oder im Regen mit der Einstellung fürs Trockene leben – beides ist suboptimal. Zumal die KI-Gegner ganz offensichtlich schummeln und ohne Boxenstopp plötzlich Regenreifen haben. Denn während man selbst auf der langsam immer rutschiger werdenden Strecke immer langsamer in die Kurven fahren muss, düsen die Computerfahrer unbeirrt wie auf Schienen mit den gleichen Rundenzeiten wie im Trockenen durch den Regen. Schade.

Project Cars – Noch nicht fehlerfrei

Mit den Formel-Flitzern kommt echtes Highspeed-Feeling auf. Quelle: PC Games Mit den Formel-Flitzern kommt echtes Highspeed-Feeling auf. Generell hat Project Cars noch die eine andere Macke, trotz des üppigen Day One-Patches. So kam es im Karrieremodus immer wieder mal vor, dass der Rundenzähler streikte und die Rennen somit unendlich lang dauerten. Manchmal bekamen wir die blaue Flagge angezeigt, obwohl wir bis zu 30 Sekunden Vorsprung vor dem nachfolgenden Gegner hatten. Manchmal übersteuerte der Ton beim Hochschalten, bei der PC-Version passte der Klang in den Tunnels nicht und wurde viel zu laut. So toll es ist, dass die KI-Gegner nicht nur stur auf der Ideallinie fahren, sondern sich gegenseitig bekämpfen und auch ab und zu Fehler machen, so schade ist ihre gnadenlose Stärke bei Zusammenstößen. Es kam im Test von Project Cars häufiger vor, dass seitliche Rempeleien mit einem KI-Gegner dazu führte, dass sich unser Auto wie von einem Zug getroffen überschlug und der Kontrahent nur leicht ins Schlingern geriet, danach aber ungerührt und unbeschädigt weiterfuhr. Diese und andere Macken sollten die Slightly Mad Studios also noch mit einem Patch beheben – bitte zeitnah!

Coole Kameraperspektive, aber nur für den Replay-Modus. (PS4) Quelle: PC Games Coole Kameraperspektive, aber nur für den Replay-Modus. (PS4) Im Vergleich zu anderen Rennspielen für die PS4 ist Project Cars derzeit mit Abstand das Beste – wenn man auf eine Story und üppiges Tuning verzichten kann. Im Vergleich zu Driveclub sind Grafik, Steuerung, Fahrverhalten und Ausstattung deutlich überlegen. Auch The Crew kann bei weitem nicht mithalten, obwohl der Open World-Ansatz ohnehin ein anderer ist. Project Cars bietet in punkte Umfang und Fahrverhalten sowie Schmankerln wie der genialen Helmkamera, dynamischem Wetter mit realistischem Regen, toller Konfigurierbarkeit und der herausragenden Grafik (abzüglich des sichtbaren, aber beim Fahren nicht störenden Tearings) schlicht am meisten. Wer also gerne Rennen fährt und sein Können nach und nach steigern will, ist mit Project Cars bereits als Solo-Spieler bestens bedient. Ob es auch im Multiplayer-Modus die neue Referenz wird, testen wir wie angekündigt noch.

Project Cars vs. Assetto Corsa & Co.

Auf dem PC sieht die Sache anders aus. Hier gibt es mit Assetto Corsa, Race Room Experience, iRacing, Live for Speed, Netkar Pro und einige anderen harte Konkurrenz, die bereits ihre Fans mit realistischem Fahrverhalten und eingespielten Multiplayer-Ligen überzeugt haben. Insbesondere Assetto Corsa (hier im Test) verfolgt einen ähnlichen Ansatz wie Project Cars, präsentiert sich aber als eher knochentrockene Simulation. Die Italiener von Kunos Simulazioni setzen vor allem auf ihre Fahrphysik als Verkaufsargument. Auch Project Cars will mit seinem realistischen Fahrverhalten punkten, aber im Detail hat Assetto Corsa hier die Nase knapp vorn – vor allem das Abfangen von ausbrechenden Wagen klappt hier besser, weil die Rückmeldung via Force Feedback besser ist. Dafür transportiert Project Cars die Bodenunebenheiten einen Tick plastischer als Assetto Corsa.

Wie sich die beiden Spiel grafisch unterscheiden, zeigt der nachfolgende Slider-Vergleich. Zu sehen ist jeweils die Nordschleife aus dem BMW Z4 GT3.

Assetto Corsa vs. Project Cars

Assetto Corsa Project Cars

Wer also besonders großen Wert auf ein realistisches Fahrverhalten legt, mit den gebotenen Strecken und Wagen (inklusive lizenzierten Ferraris und Lamborghinis!) leben kann und gerne im Multiplayer-Modus fährt, der ist mit Assetto Corsa bestens bedient. Außerdem gibt es bereits eine sehr aktive Modder-Szene, die den Titel mit weiteren Inhalten anreichert. Doch als Spiel bietet Project Cars mehr: Schönere Grafik, mehr Auswahl und Abwechslung, bessere Eignung für Einsteiger und Fortgeschrittene und vor allem die faszinierendere Immersion. Daher ist Project Cars die beste Empfehlung für alle Gamer, die sich wie ein Rennfahrer fühlen wollen. Profis brauchen eh Project Cars und Assetto Corsa in ihrer Sammlung.

Multiplayer: Ein Langzeit-Test

Der Multiplayer-Modus bietet neben den Down- und Uploads von Zeiten anderer Spieler ("Ghosts") auch einen Server-Browser für Partien, an denen bis zu 32 Spieler (PC, 64 Bit-Windows) bzw. 16 Spieler (PC, 32 Bit und Konsolen) teilnehmen können. Problem in den Tagen nach dem Launch: Viele Rennen starteten erst nach 20 oder 30 Minuten, weil der Host so lange wartete, bis seiner Ansicht nach genug Spieler beigetreten waren. Im Rennen stiegen dann oft wieder viele Spieler noch in der ersten Runde aus. Das Problem haben viele Spiele mit simplen Server-Browser, doch kommt so leider kaum Rennspiel-Feeling auf. Nach einer Woche hat sich die Situation etwas verbessert. In den Rennen selbst fällt immer wieder auf, dass es kein gutes System für die Ahndung von besonders chaotischen Fahrern gibt. Hier sind private Rennen oder Rennen mit Freunden besser als die öffentlichen Rennen, die aber für viele Spieler sicher die häufigste Variante darstellen. Wir werden den Multiplayer-Modus weiter spielen und beobachten, ob Slightly Mad die Organisation der Rennen noch verbessert und gegebenenfalls die Wertung anpassen.

Fazit und Wertung

Meinungen

Wertung zu Project CARS (PS4)

Wertung:

9.0 /10

Wertung zu Project CARS (PC)

Wertung:

9.0 /10

Wertung zu Project CARS (XBO)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Fantastische GrafikHerausragende Helmkamera und KurvenblickGute SoundkulisseTolles FahrverhaltenSehr gut steuerbar mit Gamepad und LenkradSehr umfangreiche Auswahl an Strecken und AutosGute bis sehr gute KI-GegnerDynamisches WetterDynamischer Tag- und NachtwechselViele KonfigurationsmöglichkeitenNachvollziehbare Tuning-OptionenÜberwiegend kurze LadezeitenGroßartiger Mix aus Spiel und Simulation
Noch einige Bugs und MackenTearing bei der PS4-VersionXbox One-Version sichtbar niedriger aufgelöstKönnte noch etwas simulationslastiger seinManchmal längere Ladezeiten
Fazit

Die finale Wertung reichen wir mit dem Test des Online-Modus nach!

Bildergalerie

  1. Seite 1 Project Cars im Test - Das komplette Rennspiel
  2. Seite 2 Project Cars - Test der Xbox One-Version
  3. Seite 3 Project Cars im Test gegen Assetto Corsa
  4. Seite 4 Project Cars - Auto-Liste und Strecken-Übersicht
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