Im Ballsaal der Wraith tritt die Heldin gegen eine Gräfin an.
Manchmal steckt eben doch mehr in einer Person, als selbst diese Person sich zu träumen wagte. Jennifer Tate zum Beispiel stellt plötzlich fest, dass ein Dämon in ihr steckt. Keiner im sokratischen Sinne, der ja in jedem Menschen verborgen ist, sondern einer aus einer dunklen Unterwelt namens Oblivion. Ebendort findet sich die junge Frau wieder, nachdem ein blutrünstiges Monster sie ins Koma geprügelt hat. Als Reiseführer tritt eine groteske kleine Steinfigur auf, die sich als Scree vorstellt. Und was der zu berichten hat, ist gar nicht erfreulich. Irgendeine dunkle Macht bedroht die Ordnung in dem Schattenreich. Gemeinsam beschließen die beiden, sich der Bedrohung zu stellen und das Chaos zu bekämpfen.
LIVING IN OBLIVION
Beide Charaktere bringen für diese Aufgabe vorteilhafte Eigenschaften mit. Jen kann sich in vier verschiedene Dämonen verwandeln, in deren Gestalten sie dann stärker ist, höher springt oder unter Wasser atmet. Außerdem kommt die schlanke Dame durch sehr enge Spalten oder über sehr schmale Vorsprünge, woran Scree scheitert. Der hat dafür andere Fähigkeiten: Er kann zum Beispiel steinerne Wände hoch- und entlangklettern oder seinen Geist in andere Steinfiguren transferieren, was für einige Rätsel und Kämpfe wichtig ist. Normalerweise ist aber für die Kämpfe ausschließlich Jen zuständig. Für den Spieler bedeutet das, dass er meistens einfach auf die Knöpfe des Controllers hämmern muss. Für die Schläge sind die vier Schultertasten zuständig. Zwar hat jede davon eine eigene Funktion und auch die Attacken sind unterschiedlich je nachdem, wie fest man auf die Knöpfe drückt. Auswirkungen auf die Kampftaktik hat das jedoch nicht. Die besteht fast immer darin, wild in der Gegend herumzuschlagen, bis alle Feinde besiegt sind. Einige lassen sich nur mit einem "Finishing Move" überwältigen, bei dem man zwei Tasten gleichzeitig drücken muss. Und das kann ganz schön nervig sein. Da liegen die Gegner schon bezwungen am Boden und man schafft es einfach nicht, den Finishing Move rechtzeitig zu platzieren.
Die Gegner werden im Verlauf des Spiels zwar mächtiger und zahlreicher, aber selbst das beeinflusst die Kämpfe kaum. Wenn die Feinde in Gruppen auftreten, stellen sie sich der Reihe nach an, um Prügel zu kassieren. Dadurch zieht sich das Rumschlägern häufig in die Länge. Auch wenn das nicht besonders schwierig ist, geht es einem schon nach kurzer Zeit auf die Nerven.
VEREINT MARSCHIEREN
Beim Rätselraten und Erforschen der Umgebungen werden die Nerven ebenso wenig geschont. Die beiden Protagonisten sind in ihrer Bewegungsfähigkeit stark eingeschränkt. Sie können nur die vorgegebenen Wege gehen, die sich selten verzweigen. Wenn die beiden mal ein Hindernis überspringen müssen, erfolgt das automatisch. Dadurch kann man grundsätzlich die vorgegebene Route nicht verlassen, um mal einen Blick in die Umgebung zu werfen. So ist es ziemlich einfach, den richtigen Weg zu finden. Frustrierend wird es nur bei einem häufig auftretenden Programmfehler: Normalerweise folgt der Charakter, den man gerade nicht steuert, dem anderen bedingungslos. Doch manchmal stehen Hindernisse im Weg und er bleibt zurück, ohne dass man es merkt. Dann bleibt nur eine Möglichkeit: Man schaltet auf den anderen Charakter um und geht den gleichen Weg noch einmal. Wenn es aber doch mal nicht weitergeht, steht vermutlich ein Rätsel im Weg. Die beziehen häufig die unterschiedlichen Fähigkeiten der beiden Protagonisten mit ein. Da muss etwa Scree ein Seil suchen, damit ihm Jen eine steile Wand hinauf folgen kann. Oder Jen muss durch einen engen Mauerspalt, um Scree die Tür zu öffnen. Manchmal sind das echte Kopfnüsse, die jedoch eher durch Ausprobieren als durch Nachdenken zu lösen sind. Welcher der Helden zur Lösung beitragen kann, ist immer von vornherein klar. Auch hier gibt es also keine richtige spielerische Freiheit. Zwar kann man jederzeit zwischen den beiden umschalten, doch macht es für den normalen Spielverlauf keinen Unterschied, wen man steuert.
