Der Motorsport ist so beliebt wie lange nicht mehr. Wir verraten, woher der Boom kommt und warum Sim-Racing zusammenschweißt.
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Dem Aussterben entronnen
Mit den Dauerbrennern iRacing und Assetto Corsa, dem rundumerneuerten Automobilista 2 und RaceRoom Racing Experience, dem brandaktuellen Le Mans Ultimate sowie dem bald erscheinenden Project Motor Racing gibt's für Sim-Racer am Ende des Jahres so viel Auswahl wie noch nie im Genre.
Die Spielerzahlen der meisten Rennsimulationen haben außerdem in den vergangenen Monaten immer wieder neue Höhepunkte erreicht. An dem Ansturm ist sicherlich auch der Hype um den echten Rennsport nicht ganz unschuldig.
Noch vor wenigen Jahren lag die Formel 1 am Boden und hatte aufgrund der Mercedes-Hamilton-Dominanz an Ansehen verloren. Zudem wurde immer mehr Nachhaltigkeit gefordert und in der Königsklasse schien das schwer vorstellbar. Doch die F1 hat reagiert und konnte tatsächlich eine 180-Grad-Wende hinlegen.
Quelle: Electronic Arts
Die Formel 1 ist derzeit sicherlich nicht unschuldig am Hype des Sim-Racings. Durch Regeländerungen und die Netflix-Doku Drive to Survive steht die Königsklasse erneut im Rampenlicht wie zu Schumis Glanzzeiten.
Bis zum Jahr 2030 soll der CO₂‑Ausstoß weiter verringert werden und ein Null-Emissions-Ziel in Sachen Logistik erreicht sein. Durch die Netflix-Doku Drive to Survive, die Einblicke hinter die Kulissen des F1-Zirkus zulässt, interessieren sich jüngere Leute und eine gewaltige, weibliche Zielgruppe für die Königsklasse. Die Einschaltquoten schießen seit Jahren international in die Höhe.
Das sorgt im Endeffekt auch für mehr Interesse an realistischen Rennspielen. Die Faszination für das Rennfahren entwickelt sich durch die Spannung, das Drama und das Adrenalin schnell von selbst. Und auch virtuell schießt der Puls zwischendurch immer wieder in die Höhe. Ein Zurückspulen wie in den F1-Spielen von Codemasters und anderen Arcade-Rennspielen steht schließlich nicht zur Verfügung. Jeder Rutscher oder Verbremser endet unter Umständen in der Mauer, im Kiesbett oder im Heck eines Kontrahenten.
Ich bin beispielsweise immer sehr angespannt, wenn ich im Qualifying nur wenige Möglichkeiten auf eine schnelle Runde habe. Für eine gewisse Zeit muss alles passen und jeder kleine Fehler wird direkt durch Zeitverlust und eine schwächere Startposition bestraft. Da macht es wenig Unterschied, ob ich in meinem Gaming-Stuhl oder im richtigen Cockpit sitze - einzig die Gefahren eines Unfalls sind für mich deutlich zurückgeschraubt.
Quelle: PC Games
Die Nürburgring-Nordschleife zählt im echten Motorsport und im Sim-Racing zu den größten Herausforderungen. Nur die Besten bestehen auf der Grünen Hölle!
Zusammen um die Wette fahren
Was ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden darf, sind die Verbindungen in der Szene. Sim-Racing ist ein Subgenre von Rennspielen und trotz des derzeitigen Booms bleibt die Community überschaubar. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass sich viele Leute immer wieder in unterschiedlichen Simulationen treffen. Man kennt und verabredet sich!
Da Le Mans Ultimate, iRacing und Co. auf sehr ausgeklügelte Wertungssysteme setzen, treffen sich Hobbyfahrer häufig in denselben Ligen und treten gegeneinander an. Das sorgt für Freundschaften oder Konkurrenzdenken - insgesamt gesehen, schweißt es zusammen.
Treffen sich Spieler nicht auf der Strecke, dann eben in Discord-Chats, in Livestreams bei bekannten Content-Erstellern oder in Events, die vom jeweiligen Entwickler organisiert werden. Die Community hält aufgrund ihrer eher kleinen Fangemeinschaft zusammen und bringt aus diesem Grund auch Leben neben die virtuellen Rennpisten.
Quelle: PC Games
Positionskämpfe sorgen für einen ordentlichen Adrenalinschub. Wer selbst schon einmal in einem Simulator saß, weiß, wie anstrengend Sim-Racing sein kann.
Die Szene wächst beständig und erlangt dadurch mehr Popularität und Professionalität. Schon seit dem Jahr 2018 gilt Sim-Racing beispielsweise beim DMSB, dem Deutschen Motorsport Bund, als offizielle Motorsport-Disziplin. Dort werden regelmäßig Meisterschaften organisiert und ausgetragen.
Ich bin überzeugt, dass die Reise mit anstehenden Titeln wie Project Motor Racing oder Assetto Corsa EVO vor allem hierzulande spannend weitergeht. Project Motor Racing wird schließlich vom halbdeutschen Publisher des Landwirtschafts-Simulator Giants Software herausgebracht.
AC EVO soll in der Zukunft dagegen mit der ersten Open World in Deutschland punkten. Rund um die Nürburgring-Nordschleife werden 1600 Quadratkilometer Straßen befahrbar sein. Das könnte die Grenzen des Genres sprengen und noch mehr Leute in die Community bringen.
Die Faszination fürs Sim-Racing entsteht aufgrund einer gesunden Mischung aus dem Traum, ein berühmter Rennfahrer zu werden, den Emotionen und der Dramatik des Motorsports und der sich stetig weiterentwickelnden Technik. In Rennsimulationen kommt man der Realität so nah, wie in keiner anderen Software.
Und damit sind wir auch schon am Ende angelangt. Ich hoffe, ich konnte euch die Faszination der Randsportart ein wenig näherbringen. Lasst uns in den Kommentaren gerne wissen, was euch am Sim-Racing begeistert und welche Themen ihr euch für zukünftige Folgen wünscht. Bis zum nächsten Mal, und jetzt heißt es: Driver, start your engines!
