Outcast 2 ist fantastisch und ambitioniert - zumindest auf dem Papier. Doch im Test zeigen sich auch etliche Schnitzer. Muss man sich daran stören?
So geht es von dichten Dschungeln über schneebedeckte Gipfel bis hin zu tropischen Küsten und trockenen Savannen - und das alles ohne Ladezeiten, denn anders als im Vorgänger ist die Spielwelt diesmal wirklich aus einem Guss. Das sieht nicht nur schick aus, sondern spielt sich mit etwas Übung auch ziemlich gut. Okay: Das Springen fällt anfangs zwar hakelig aus. Eine Kletterfunktion gibt es nicht. Und hin und wieder tut sich Cutter sogar schwer, eine einfache Treppe raufzusteigen (die Laufanimationen schlafen da regelrecht ein). Doch hat man sich daran gewöhnt und ein paar Upgrades für das Jetpack freigeschaltet, macht es richtig Laune, damit durch die Gegend zu düsen oder sich im Gleitflug einfach mal treiben zu lassen.
Schöne Kulisse, wenig drin
So schön und einladend die Welt auch sein mag, gibt es da leider nur wenig zu entdecken. Natürlich warten eine ganze Reihe von Nebenaktivitäten auf euch, die auch überdeutlich auf der Karte eingezeichnet sind (zu denen kommen wir später noch!). Doch unterwegs trefft ihr praktisch niemanden, es laufen zum Beispiel kaum NPCs herum, es gibt keine Zufallsereignisse, keine Wetterwechsel, Tageszeiten, Karawanen oder dynamische Quests.
Die Leveldesigner haben zwar ein paar Sammelgegenstände in der Welt versteckt, doch die bringen euch spielerisch kaum weiter und motivieren nicht so richtig zum Erkunden. Die Welt fühlt sich darum oft erschreckend leer an - und das, obwohl man hier und da hübsch designten Wildtieren begegnet.
Quelle: PCGH
Auch auf Gefahren braucht ihr praktisch nie zu achten, denn in der Wildnis trifft man nur vereinzelte Alien-Viecher wie Riesenspinnen, Wolfsrudel oder bissige Adler-Kreaturen. Die darf man zwar bekämpfen, doch im Grunde kann man sich das auch einfach sparen, denn Erfahrungspunkte bekommt man dafür ohnehin keine: Outcast 2 ist kein Rollenspiel, Levelaufstiege im klassischen Sinn gibt's hier also nicht.
Es macht zwar trotzdem Spaß, die Welt zu bereisen, doch gerade in Sachen Open World liegt die Messlatte heutzutage einfach verdammt hoch: Spiele wie Risen, Horizon oder Skyrim hatten hier schon viel früher lebendigere Welten mit mehr Secrets, Schätzen und Nebenaufgaben zu bieten. Die Welt von Outcast 2 ist dagegen weitestgehend Kulisse - wenn auch eine überaus hübsche. Dichte Vegetation, saubere Beleuchtung, tolle Weitsicht und abwechslungsreiche Biome mit fantasievollen Alien-Pflanzen machen Adelpha zu etwas Besonderem.
Talaner in Not
Der mit Abstand schönste Teil von Outcast 2 spielt sich in den sieben Siedlungen ab, die über die gesamte Map verteilt sind. Als Teil der Hauptquest müsst ihr dafür sorgen, dass alle Dörfer zufrieden sind, bevor sie sich eurer Rebellion gegen die mechanischen Invasoren anschließen. In den Dörfern ist zwar viel weniger los, als wir uns gewünscht hätten (kein Vergleich zum belebten Talanzaar aus Outcast 1!), doch dafür stimmt die Atmosphäre: Da gibt es zum Beispiel eine Dschungelsiedlung, in der wir über Stege und Sprungpflanzen bis hinauf in die höchsten Baumwipfel klettern können.
Dort müssen wir den Bewohnern dabei helfen, eine riesige Kreatur auszubrüten, die wir danach sogar selbst reiten können. Kurz darauf besuchen wir ein gemütliches Bierbrauerdorf, erkunden eine einladende Fischersiedlung an der Küste. Später steigen wir sogar auf ein irrsinnig hohes Wüstenplateau, in das eine lauschige Bergsiedlung hineingefräst wurde, in der sich die Bewohner mit Wettflügen die Zeit vertreiben.
Quelle: PCGH
Hier zeigt sich auch eine große Stärke, die schon das erste Outcast so gut hinbekommen hat: Ihr begegnet allerlei Geistlichen, Heilern, Aufsehern, Handwerkern, Bauern und anderen fleißigen Talanern, die euch dann unterschiedlichste Quests aufs Auge drücken. Im Grunde sind das meistens nur Sammelaufgaben oder Botengänge, die aber schön miteinander verzahnt wurden und die kleine, sympathische Geschichten erzählen.
In jedem Dorf gibt's auch eine praktische Questübersicht, die euch die Zusammenhänge der Aufgaben zeigt: Für die Bierbrauer müsst ihr zum Beispiel leckeren Sabber von Tieren ernten, einen Transport vor Wildtieren beschützen oder Mineralien sammeln. Ist die Bierproduktion dann erst mal im Gange, schaltet das die nächste Queststufe frei - und zwar nicht nur in dieser Siedlung, sondern vielleicht auch in einem anderen Dorf, das schon dringend auf die nächste Bierlieferung wartet.
