Onrush im Test: Ein Rennspiel ohne Rennen – kann das gutgehen?
Test
Test zu Onrush: Die Entwickler von Onrush haben sich etwas Ungewöhnliches vorgenommen - ein Rennspiel ohne Rennen zu programmieren nämlich. Kann das gutgehen - und viel wichtiger, macht das Konzept Spaß, welches anstatt der Jagd nach dem ersten Platz Nitro-Boosts und Crashes in den Vordergrund stellt? Dieser Frage gehen wir in unserem Review zu Onrush auf den Grund!
Ein Rennspiel wie Forza 7, so sagt es die in vielen Jahren erlernte Logik, setzt es im Normalfall heraus, auf einer linearen Strecke möglichst als Erster über die Ziellinie zu düsen. Klar, es gibt verschiedene Spielmodi - Checkpoint, Eliminieren, Time Attack und mehr -, an diesem Grundprinzip wird aber nur selten gerüttelt.
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Onrush (jetzt kaufen 15,90 € ) hingegen geht in eine andere Richtung - nichts ist in diesem Spiel unwichtiger, als der erste auf der Strecke zu sein; mehr noch, existiert noch nicht einmal eine Positionsanzeige. Stattdessen stellen die Entwickler von Codemasters, die zuvor unter anderem Namen unter anderem an Motorstorm und Driveclub gearbeitet haben, Chaos und Zerstörung in den Mittelpunkt, angereichert um aus anderen Genres übernommene Spielelemente.
Alles außer Rennen!
Lizensierte Gefährte erwarten uns in Onrush nicht. Stattdessen rasen wir in verschiedenen Kategorien mit Motocross-Bikes, Outdoor-Vehikeln, Speeder-Cars und besonders mächtigen Gefährten über die insgesamt zwölf verschiedenen Strecken. Diese sind ganz gut gestaltet, aber allesamt nicht sonderlich erinnerungswürdig.
Quelle: PC Games
Im Singleplayer etwas nervig, im Multiplayer sehr gut geeinget: Wie in einem Online-Shooter wird man nach einem Crash wieder zurück auf die Strecke "gespawned".
Und weil eben nicht auf "normalem" Wege gewonnen werden muss beziehungsweise kann, erfordern die vier zum Launch des Spiels vorhandenen, Team-basierten Spielmodi ein anderes Vorgehen. Für Overdrive müssen wir durch Boosts - dazu gleich mehr - eine Leiste nach oben treiben, wer am schnellsten die erforderlichen Punkte erreicht, gewinnt. Switch setzt uns zu Beginn auf ein Bike, sobald wir crashen, verlieren wir einen Teil unserer Lebensenergie und werden in ein anderes Fahrzeug gesetzt. Nach drei Crashes haben wir unsere drei "Leben" verbraucht und müssen hoffen, dass unsere Teammitglieder sich geschickter anstellen. Weiterhin mitfahren dürfen wir aber trotzdem. Countdown ist der Modus, der einem "normalen" Rennspiel noch am nächsten kommt und erfordert, dass wir durch Lichttore fahren, um einen gnadenlos ablaufenden Timer durch kleine Zeitboni oben zu halten. Lockdown schlussendlich orientiert sich an King of the Hill, wie man es aus Mehrspieler-Shootern kennt und erfordert, dass wir über mehrere Sekunden hinweg im Inneren eines Lichtkreises fahren und das gegnerische Team von dort fernhalten.
The Good and the Bad
Quelle: PC Games
In der Kampagne kann man kurzzeitig Spaß haben, der Fokus von Onrush liegt aber definitiv auf dem Mehrspieler-Erlebnis.
So weit, so gut, so unterhaltsam, zumindest Overdrive und Countdown. In Switch hingegen entscheidet dadurch, dass Crashes oft nur schwer vorherzusehen sind und es oft willkürlich wirkt, ob man selber oder der Gegner eine Konfrontation überleb, zu oft das Glück, wer gewinnt. Ähnliches gilt für Lockdown - man kann noch so gut fahren, wenn die restlichen Teammitglieder nicht in der Nähe sind, dann zählt der Eroberungs-Countdown für das Team mit mehr Fahrern im Lichtkreis. Gerade mit KI-Gefährten verkommen Sieg und Niederlage hier zum Glücksspiel. Ob man vorne oder hinten auf dem Fahrerfeld ist, ist zudem, wie gesagt, vollkommen wurst; fällt man zu weit zurück, wird man sogar kurzerhand wieder zurück ins Spitzenfeld gesetzt.
Boost-Bonanza
Quelle: PC Games
Aus verschiedenen Klassen wählen wir unser Fahrzeug. in manchen Rennen sind die verfügbaren Vehikel vorgegeben.
Am Nitro hängt, zum Nitro drängt doch alles, und somit dreht sich in Onrush alles darum, unsere Boost-Anzeige aufzufüllen; sei es durch Sprünge, riskantes Fahren, Tricks oder das Ausschalten von Computer-gesteuertem Auto-Kanonenfutter auf den Pisten (man stelle sich das in etwa so vor wie die Standard-Soldaten in Dynasty Warriors oder die Bots im Mehrspielermodus von Titanfall). Das ist vor allem im Modus Onrush zwingend notwendig, aber auch sonst kommt man ohne ständiges Boosten nicht weit; zumal man einen besonders mächtigen Boost aktivieren kann, wenn man oft genug die Standard-Variante einsetzt. Dann fällt es etwas leichter, andere Autos zu Crashes zu zwingen - aber noch immer zu schwer, als das sich ein befriedigendes Gefühl á la Burnrout einstellen würde. Meistens fährt man einfach und hofft halt, dass die Feinde Fehler machen, anstatt aktiv gegen sie vorzugehen.
Quelle: PC Games
Onrush enthält Lootboxen - die wir allerdings nur durch Ingame-Leistungen erhalten können. Eine seltsame Design-Entscheidung.
Zudem ist unser Handlungsspielraum sehr beschränkt, auch, was Tricks und vor allem Items angeht. Diese kleinen Helferlein, welche etwa den Feinden kurzzeitig die Sicht rauben können, sind vom jeweiligen Fahrzeugtyp und der Klasse abhängig und werden automatisch aktiviert. Besser wäre es, wenn wir sie wie in Nintendos Mario Kart-Reihe aufsammeln und manuell verwenden könnten. Beim aktuellen System stellt sich durch sie keinerlei Befriedigung ein. Auch das Drift-System lässt zu wünschen übrig. Es ist beeindruckend, wie viel mehr man aus dem Spiel herausholen hätte können! Stattdessen sind die Steuerung und daraus resultierend das Gameplay auf ein absolutes Minimum beschränkt.
Online-Freuden
Quelle: PC Games
Im Spielmodus "Switch" verfügen wir über drei Leben und müssen versuchen, die Lebensleiste des gegnerischen Teams zu leeren.
Wir dürfen wahlweise im Mehrspielermodus oder in einer Art Story-Kampagne ran. Obwohl die Einstellungsmöglichkeiten bei den Online-Matches sehr beschränkt sind, entpuppt sich diese Spielvariante als die mit Abstand unterhaltsamste - erstens natürlich aufgrund der menschlichen Mitspieler, zweitens, weil sie herrlich unkompliziert funktioniert. Einfach dem Modus auswählen und schon ist man fast mitten drin im Geschehen - vorbildhaft! Lediglich die relativ langen Ladezeiten direkt vor den Rennen stehen hier als Spielspaß-Hindernis im Weg. Alternativ kann man, inklusive erweiterter Einstellungsmöglichkeiten, auch in privaten Matches ran, sowie später mal auch in Ranked Matches; zum Testzeitpunkt hieß es bei diesem Menü-Unterpunkt aber noch "Coming soon".
Quelle: PC Games
Im Modus "Overdrive" ist es unsere Aufgabe, Punkte zu sammeln, indem wir möglichst oft unseren Nitro-Boost benutzen.
Die als "Superstar" bezeichnete Karriere schickt uns durch eine Reihe von Missionen mit optionalen Herausforderungen. Im Endeffekt laufen die Aufgaben aber doch einfach immer wieder darauf hinaus, auf denselben Maps wie im Multiplayer die vier verschiedenen Rennarten zu fahren. Im Grunde also kann man die (von einer mauen, extrem simplen Erzählung getragene) Kampagne einfach als ausgedehntes Tutorial betrachten; so man sich mit der zwar relativ realistisch agierenden, wie erwähnt schlussendlich aber viel zu willkürlichen KI abfinden kann .
Schöner fahren
Quelle: PC Games
Der Modus "Countdown" schickt uns durch Lichttore, um zu verhindern, dass ein Timer gnadenlos in Richtung Null tickt.
Abseits von all dem können wir noch unabhängig voneinander unseren ausgewählten Fahrer sowie unsere Fahrzeuge personalisieren - rein kosmetisch, Leistungsunterschiede gibt es keine. Auch von uns sowohl im Singleplayer als auch im Multiplayer erspielte Level-ups haben keinen Einfluss auf unsere Leistung, sondern nur darauf, was uns an Klamotten, Skins und Co. zur Verfügung steht. Das ist ganz okay, ob einem das als Motivation zum Weiterspielen reicht, muss aber jeder selbst wissen. Etwas ungeschickt finden wir es, dass zusätzlich Lootboxen auf uns warten, in denen ebenfalls neue Gegenstände stecken können. Diese werden allerdings nicht mit Echtgeld gekauft, sondern durch Leistungen im Spiel ergattert.
Eigentlich lobenswert - warum man sich ohne Not aber ungeliebte Lootboxen ins Nest holt und damit geradezu zu negativem Feedback einlädt, ist uns nicht bewusst. Wir zumindest haben erst einmal (wie gesagt zum Glück vergeblich) nach dem Echtgeld-Shop gesucht. Ob dieser aufgrund des Fan-Backlashes bezüglich Lootboxen in letzter Zeit in der Endphase der Entwicklung entfernt wurde? Oder ob er irgendwann doch noch kommen soll? Man wird sehen.
Keine Renn-Offenbarung
Quelle: PC Games
"Lockdown" funktioniert nach dem King of the Hill-Prinzip und verlangt von uns, dass wir die Kontrolle über einen leuchtenden Kreis übernehmen.
Schlussendlich gelingt es Onrush auf jeden Fall, anders zu sein als die meisten klassischen Rennspiele, ohne aber in reine Crash-Orgien á la Destruction Derby oder Twisted Metal abzugleiten. Wirklich mitgerissen hat uns das neue Konzept aber auch nicht. Dafür krankt es an zu vielen Stellen, etwa bezüglich der KI, der wenigen und unterschiedlich guten Spielmodi, des generell recht kleinen Umfangs und der mäßig interessanten Kampagne. Der wirklich sehr komfortable Online-Mehrspielermodus kann sich aber sehen lassen und ein Spiel dieser Art im Jahr 2018, welches nicht versucht, einen mit Mikrotransaktionen über den Tisch zu ziehen, ist traurigerweise auch keine Selbstverständlichkeit. Wer einfach mal "etwas anderes" spielen will, kann also durchaus zugreifen, sollte sich aber keine Offenbarung erwarten.
