Vorschau Observation: Weltraum-Adventure mit wenig Spiel, aber viel Atmosphäre

Special Lukas Schmid 20,99 €
Vorschau Observation: Weltraum-Adventure mit wenig Spiel, aber viel Atmosphäre
Quelle: Devolver Digital

Die ISS schwirrt schon seit vielen Jahren über unseren Köpfen. In der Welt von Observation ist es eine andere Weltraumstation, auf der wir uns wiederfinden: Der namensgebenden Observation. Der Clou: Wir sind kein Mensch, sondern eine künstliche Intelligenz, die auf der Hightech-Einrichtung für Ordnung sorgt. Dass auf der Station alles schiefgeht, was schiefgehen kann und der interstellare Horror über sie hereinbricht, daran ändert der überraschende Rollentausch aber nichts.

Im Weltraum hört dich niemand schreien. Der Weltraum, unendliche Weiten. So, nachdem die die Standard-Floskeln zu jedem Artikel über Spiele, die im Weltraum angesiedelt sind, aus dem Weg sind, nun zum Eingemachten. Nur wenige Wochen vor dem Release am 21. Mai durften wir Observation (jetzt kaufen 20,99 € ), das neue Baby der Macher von Stories Untold, No Code, dessen PC-Version exklusiv im Epic Games Store erscheinen wird, selbst ausprobieren.

Wir durften das Einleitungskapitel des Abenteuers spielen, welches uns in einer nahen Zukunft an Bord der namensgebenden Weltraumstation Observation verfrachtet. Wie es jede gute Horror-Science-Fiction-Geschichte erfordert, lässt das Unglück nicht lange auf sich warten. Der Strom geht aus, alle Kommunikationskanäle der Station verweigern ihren Dienst und die junge Astronautin Emma Fisher findet sich auf einmal völlig allein in all dem Chaos wieder, ihre Kollegen augenscheinlich wie vom Erdboden verschluckt.

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Allerdings, es ist nicht Emma, über die wir die Kontrolle übernehmen. In einem interessanten Twist verfolgen wir zwar ihre Handlungen an Bord und helfen ihr regelmäßig weiter. Wir schlüpfen jedoch in die Rolle von Sam, seines Zeichens die künstliche Intelligenz, welche die Station am Laufen hält. Wer jetzt an 2001: Odyssee im Weltraum und HAL denkt, der liegt nicht falsch, denn wenig verwunderlich ist der Kinoklassiker eine der, wenn die die eine große Inspiration hinter Observation, wie die Entwickler unumwunden zugeben.

Das Böse in uns

Und von Anfang an stellt sich darum die Frage: Sind wir eine gut K.I., die brav Befehle ausführt und Emma hilft, oder leiten uns sinistre Motivationen an? Werden wir gar von jemandem im Hintergrund gelenkt? Wir wollen an dieser Stelle natürlich nicht spoilern, aber Observation legt diese Fragen alle sehr subtil und spannend aufbereitet auf den Tisch und etabliert eine ungemein interessante Prämisse; abseits unserer Rolle keine allzu kreative, aber eine echt gut gemachte.

Astronautin Emma Fisher findet sich nach einem mysteriösen Zwischenfall völlig alleine auf der Weltraumstation Observation wieder. Quelle: Devolver Digital Astronautin Emma Fisher findet sich nach einem mysteriösen Zwischenfall völlig alleine auf der Weltraumstation Observation wieder. Gleich in der ersten Spielstunde erwarten uns mehrere Plot Twists, welche die Geschehnisse in vielversprechende Richtungen lenken. Dass all das so gut rüberkommt, liegt nicht zuletzt an den toll geschriebenen Dialogen zwischen Emma und Sam und den ebenso mysteriösen wie spannenden Einträgen, die wir in Logbüchern und E-Mails auf Laptops lesen können. Auch die schauspielerische Leistung der beiden (zumindest zum jetzigen Zeitpunkt einzigen) Protagonisten trägt ihren Teil dazu bei; umso beeindruckender, da wir im Falle von Emma aus ihren Reaktionen und Emotionen Rückschlüsse ziehen können, bei Sam aber alles durch seine Stimme übermittelt werden muss. Beide Sprecher machen einen tollen Job und tragen zur ungemein dichten Atmosphäre des Titels bei.

I am Sam

Observation orientiert sich nicht nur atmosphärisch und bezüglich der Art der Geschichte an der Filmwelt, auch die Aufmachung ist näher dran an einem Film denn an einem klassischen Videospiel. Das fängt beim Intro samt Nennung der Schauspieler an und setzt sich fort in der Art und Weise, wie die Geschehnisse sich entwickeln. Und vor allem ist es daran ersichtlich, dass das Gameplay hinter der Handlung eindeutig die zweite Geige spielt. Es ist kein Zufall, dass wir erst jetzt darauf eingehen, denn tatsächlich gibt es nach einer Stunde mit dem Spiel nicht allzu viel dazu zu sagen und wir denken auch nicht, dass sich daran im späteren Spielverlauf drastisch etwas ändern wird.

Auch außerhalb der Station sind Kameras angebracht und erlauben uns einen Blick auf das All sowie die Basis selbst. Quelle: Devolver Digital Auch außerhalb der Station sind Kameras angebracht und erlauben uns einen Blick auf das All sowie die Basis selbst. Als Sam können wir frei zwischen den verschiedenen Kameras an Bord wechseln. Dann sehen wir uns um und wählen stets den besten Blickwinkel, um mit Terminals, Laptops und anderen Objekten zu interagieren. Außerdem steht uns nach einer Weile die Möglichkeit offen, die Kontrolle über Drohnen zu übernehmen, die wir frei (und etwas schwammig steuerbar) durch die Gegend düsen lassen können und die ansonsten genauso funktionieren wie die Kameras. Unsere primäre Aufgabe: Auf das hören, was Emma uns sagt und ihr auf diese Weise helfen. Also öffnen wir Türen, stellen die Stromversorgung wieder her oder löschen kleine Brände, indem wir Lüftungsschächte freigeben. Ab und an müssen wir uns in kleinen Minispielen beweisen, deren Funktionsweisen zwar nicht immer sofort klar verständlich sind, die aber niemanden langfristig vor große Herausforderungen stellen sollten.

Game Over, nein danke

Zumal es so wirkt, als könnten wir in Observation nicht das Zeitliche segnen. Oder es kam in unserer Spielzeit noch nicht dazu; so oder so ist spielerische Herausforderung definitiv nicht der Fokus der Entwickler. Versagen wir bei einem der zeitbasierten Kopfnüsse, starten wir einfach noch einmal von vorne. Somit ist Observation ein ziemlich entspanntes Spiel, welches darauf ausgelegt ist, dass wir die Atmosphäre aufsaugen und nicht durch zu viel Gameplay davon abgehalten werden. Das zeigt sich auch daran, dass alles, was wir tun, vom Drehen der Kameras über das Zoomen und das Herumfliegen mit der Drohne, sehr gemächlich vonstatten geht.

Das ist kein Problem, sondern offensichtlich eine bewusste Designentscheidung der Entwickler. Man sollte aber wissen, worauf man sich einlässt. Observation ist kein herausforderndes Spiel, es ist aber auch nicht wirklich ein Adventure. Ähnlich wie die Telltale-Abenteuer, aber ohne den Entscheidungs-Faktor - Observation bietet eine völlig lineare Erzählung -, ist es wohl am ehesten ein interaktives Erlebnis.

Atmosphäre über Gameplay

Kann Emma uns, der Künstlichen Intelligenz Sam, vertrauen? Diese Frage dürfte eine der spannendsten im späteren Verlauf der Handlung sein. Quelle: Devolver Digital Kann Emma uns, der Künstlichen Intelligenz Sam, vertrauen? Diese Frage dürfte eine der spannendsten im späteren Verlauf der Handlung sein. Technisch reißt der Titel keine Bäume aus und hatte beim Anspielen auf dem PC (zusätzlich erscheint das Spiel für die PS4) auch mit kleineren Ruckeln zu kämpfen. Es ist in sich aber sehr stimmig und die in keinerlei Hinsicht störenden, sondern im Gegenteil sehr passenden Filter, durch die wir beim Betrachten der Welt durch Kameras und Drohen die Raustation und das Weltall wahrnehmen, kaschieren so manchen kleineren Makel. Die Station, ihr Interieur und Exterieur vermitteln einem sehr gut das Gefühl, tatsächlich fernab jeglicher Zivilisation auf sich alleine gestellt zu sein. Emmas Figurenmodell wirkt zudem sehr glaubwürdig und ihre Animationen realistisch. Lediglich ihre etwas starre Mimik reißt einen ab und an aus der Immersion. Dennoch, gerade mit Blick auf das kleine Team, das hinter dem Spiel steckt - gerade mal aus etwas mehr als zehn Leuten setzt sich No Code zusammen -, wurde hier dem bisherigen Anschein nach ordentliche Arbeit geleistet.

Das gilt für Observation an sich, denn das, was es tun will, scheint ihm sehr kompetent zu gelingen. Man muss es halt mögen, denn der ein oder andere wird sich vielleicht die Frage stellen, warum man die Geschichte nicht gleich als Film inszeniert hat, wenn spielerisch wenig geboten wird. Die Idee, dass wir als künstliche Intelligenz ein bekanntes Szenario mal aus einer ungewohnten Perspektive erleben und dass wir selbst unsere Rolle darin nicht kennen, macht aber einen großen Teil des Reizes aus. Wir freuen uns auf jeden Fall darauf, in wenigen Wochen die Observation weiter erforschen zu dürfen und ihre mysteriöse Geschichte zu erfahren.

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