Liebe, Leid und Globalstrategie: Norland fordert Crusader Kings zum Duell heraus. Wie gut und bitterböse das Taktikspiel ist, klären wir im ausführlichen Test.
Wenn der König mit der Magd fremdgeht und die Königin blutige Rache plant, dann riecht das stark nach einem Globalstrategiespiel wie Crusader Kings 3. Denn nirgendwo sonst lässt sich das "Game of Thrones" so perfide nachspielen wie in diesen charaktergetriebenen Taktikabenteuern.
Norland (jetzt kaufen 14,99 € ) ist ein ambitionierter Genrevertrter des britischen Indie-Entwicklers Long Jaunt. Aber nicht täuschen lassen! Mit seiner "Mensch ärgere dich nicht"-Grafik wirkt Norland auf den ersten Blick harmlos, hat aber eine enorme Spieltiefe. Das im frühen Mittelalter angesiedelte Strategiespiel geht am 18. Juli 2024 in den Early Access und hat das Potenzial, Crusader Kings, Rimworld und Co. die Stirn zu bieten.
Keine Kampagne, aber viele Freiheiten
Norland bietet keine Kampagne, sondern einen Baukasten, mit dem wir die vor uns liegende Partie individuell gestalten können. Zunächst basteln wir uns die virtuelle Adelsfamilie zusammen und legen die Verwandtschaftsverhältnisse der Lords fest.
Im Anschluss gelangen wir auf die Karte und bestimmen hier die Grundbedingungen: Szenarien sorgen dabei für Abwechslung und einen ersten roten Faden. Beispielsweise könnte ein Familienmitglied von Banditen entführt worden sein, sodass wir den Gefangenen entweder mit Waffengewalt oder gegen Lösegeldzahlung befreien müssen.
Ein weiterer Faktor ist etwa der drohende Angriff der "Unheiligen Horde". Aktivieren wir diesen, generiert die drohende Invasion einen gewissen Zeitdruck. Schließlich müssen wir unsere Armee aufgebaut haben, um nicht von den Feinden überrannt zu werden. Modifikatoren wie "Schneller Stoffwechsel" (schnellere Entwicklung der Charaktere) oder "Keine Prophezeiungen" (keine Katastrophen) verändern das Spiel ebenfalls.
Eine separate Einstellung von Goldreserven, Vorräten oder verfügbaren Ressourcen ist leider nicht möglich. Wer es etwas leichter mag, wechselt kurzerhand zum "friedlichen Modus". Dieser bewahrt das Reich vor Angriffen und bietet dezent bessere Startbedingungen.
Quelle: Hooded Horse
Das zum Start integrierte Tutorial erweist sich als hilfreich, wenn auch etwas oberflächlich. Im weiteren Spielverlauf greifen wir jedoch auf das Ingame-Handbuch zurück und werden immer wieder durch Pop-up-Hilfen unterstützt. Auch die Auswahl des Startgebietes sowie die Anzahl der Vasallenstädte erleichtern den Einstieg erheblich.
Eins sei an dieser Stelle aber gleich gesagt: Norland mag zwar mit seiner Püppchen-Grafik verspielt und witzig aussehen, ist aber ein komplexes Globalstrategiespiel, das starke Anleihen bei Rimworld und Die Sims nimmt. Ziel ist es, das Reich zu vereinen und selbst Kaiser zu werden. Der Weg dorthin ist jedoch von Misserfolgen und Rückschlägen gesäumt. Norland ist mitunter knackig schwer und erfordert neben Fingerspitzengefühl und Kalkül auch eine gehörige Portion Frustresistenz.
Mehr als ein Aufbauspiel
In jeder Partie beginnen wir mit einer Halle, einer Handvoll Bauern und Arbeitern sowie den Lords. In den ersten Minuten fühlt sich Norland an wie Die Siedler: Wir platzieren Holzfällerlager und ziehen erste Wege. Letzteres ist zwar nur optional, erhöht aber das Tempo unseres Computervolkes. Sobald ein Produktionsgebäude steht, weisen wir ihm einen unserer Lords als Verwalter zu.
Quelle: Hooded Horse
Ohne Lords steht die Produktion still. Warum das wichtig ist? Das erklären wir später. Auf jeden Fall haben die Bauern neben einem Dach über dem Kopf zwei Bedürfnisse: Nahrung und Alkohol. Am Anfang reichen Steckrüben und Schnaps, später stellen wir auch Bier oder schmackhaftes Ale her. Für den vollen Bauch sorgen dann Brot oder Fleisch.
Die Bauern sind Arbeitskraft und Geldbringer in Personalunion. Sie erhalten ihren Lohn direkt aus der Staatskasse, geben die Goldmünzen aber auch wieder für Alkohol und Lebensmittel aus. Im Finanzmenü justieren wir die Preise und auch die zur Verfügung gestellte Menge der Waren. Hier müssen wir eine feine Balance finden.
Die Computermenschen in Norland benötigen etwa Hochprozentiges, um die harte Arbeit überhaupt ertragen zu können. Zugleich sollten sie sich nicht jeden Tag die Kante geben! Denn das führt in die Abhängigkeit. Diese Problematik können wir durch den Bau eines Drogenmarkts und dem dortigen Verkauf von Nektar ebenfalls schüren.
Nektar spült auf der einen Seite viel Geld in die Kasse, bringt aber auch reichlich Probleme mit sich. Die richtige Balance und die entsprechenden Preise zu finden, ist gerade am Anfang eine große Herausforderung.
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Denn herrscht ein gutes Arbeitsklima in unserem Reich, lockt das Zuwanderer an, die wir zur Expansion benötigen. Lassen wir unsere Untergebenen gar hungern, müssen wir womöglich auf Sklaven zurückgreifen. Die kosten aber viel Geld und können ebenfalls für Probleme innerhalb der Bevölkerung sorgen.
