Norland entpuppt sich im Test als Crusader Kings - mit einem Haken

Test Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid
Norland entpuppt sich im Test als Crusader Kings - mit einem Haken
Quelle: Hooded Horse 

Liebe, Leid und Globalstrategie: Norland fordert Crusader Kings zum Duell heraus. Wie gut und bitterböse das Taktikspiel ist, klären wir im ausführlichen Test.

Lords und ihre Probleme

Und damit sind wir auch bei den Lords und Ladys angekommen. Die Adligen sind nämlich unser verlängerter Arm in der Welt von Norland. Wie in einem Rollenspiel besitzen die zufällig ausgewürfelten Royals Eigenschaften, die ihr Handeln beeinflussen. Hohe Werte in Intelligenz oder Lehren beschleunigen beispielsweise die Forschung oder auch die Ausbildung des Nachwuchses. Wer hingegen gut in der Verwaltung ist, generiert einen Bonus beim Management von Produktionsgebäuden.

An diesem Punkt beginnt das Mikromanagement, denn die Zeit und Energie jedes Lords ist begrenzt. Wird er mit Aufgaben überhäuft, führt dies zu Stress und Unzufriedenheit. Gleichzeitig haben Adlige Wünsche und Sehnsüchte: Manche suchen den Nervenkitzel, andere die Liebe oder den Glauben, und die meisten wollen Einfluss und Reichtum in Form von "Heiligen Ringen".

Diese sind neben Gold die wichtigste Währung im Spiel und werden auch für bestimmte Aktionen wie Glücksspiel oder dem Beichten von Sünden benötigt. Blöderweise können wir die Ringe aber nicht selbst herstellen, sondern nur für bare Münze beim täglich aufschlagenden Händler kaufen.

Ackerbau Quelle: Hooded Horse  Während es anfangs noch recht einfach ist, die Lords bei Laune zu halten, wird es zunehmend schwieriger, alle Bedürfnisse zu befriedigen. Schließlich kommt es auch zu Problemen zwischen den Charakteren. Beispielsweise geraten sie bei ausgelassenen Gelagen immer wieder aneinander oder begehen moralische Verfehlungen, indem sie etwa ihre Ehepartner betrügen. Frustration und im schlimmsten Fall Gewalt sind die Folge. Im Test mussten wir sogar ein Paar trennen, um Blutvergießen zu vermeiden!

Die grundsätzliche Laune unserer Lords lesen wir an den kleinen Konterfeis am oberen Spielfeldrand ab. Sobald sich der Hintergrund des Bildschirms rot färbt, haben wir ein Problem. Denn dann droht der Lord mit Arbeitsverweigerung, was sich wiederum auf die Produktionsketten auswirkt. Bei einer handfesten Familienkrise kollabiert also parallel auch gleich die Wirtschaft.

Deshalb birgt Norland ein enormes Frustpotenzial: Es dauert eine ganze Weile, die Launen unserer Adligen zu verstehen und ihnen entgegenzuwirken. Das Spiel zeigt zwar Lösungsvorschläge auf, warnt aber oft zu spät vor den Schwierigkeiten. So ist nicht immer klar, warum bestimmte Adelige plötzlich schlecht gelaunt sind.

Zudem sind viele Gegenmaßnahmen an Ringe, Gold oder gar den Bau bestimmter Gebäude wie Tempel gebunden. Wenn wir aber schon knapp bei Kasse sind, fallen solche Optionen leider weg. Wir haben im Test mehr als eine Partie abbrechen und neu starten müssen.

Straßennetz Quelle: Hooded Horse  Dass sich Norland noch im Early Access befindet, merkt man auch an der Benutzerführung und der Spieloberfläche. Es gibt zwar viele Übersichten zum Wirtschaftssystem, diese sind aber noch lange nicht ausgereift.

So müssen wir die Produktion von Bier, Werkzeug und Co. immer selbst anstoßen und erhalten eine Meldung, wenn der entsprechende Auftrag erledigt ist. Gleichzeitig sind die verwendeten Symbole nicht selbsterklärend und eindeutig genug. Auch fehlten uns Filter, um zum Beispiel Engpässe oder Probleme direkt zu erkennen.

Die eigene Familiengeschichte

Im weiteren Spielverlauf erweitern wir unsere Adelsfamilie. Das hat den positiven Effekt, dass wir den stetig wachsenden Berg an Verwaltungsarbeit verteilen können. Neue Lords bringen wir auf verschiedene Arten an den Hof. Die einfachste ist die Hochzeit.

Die Gemahlin folgt stets ihrem Mann - zumindest gegen eine hohe Ablöse in Form von Goldmünzen. Eine solche Verbindung stärkt außerdem die Beziehung der beteiligten Parteien und hat somit auch politischen Charakter. Auf Liebe wird in diesem Fall übrigens keine Rücksicht genommen; eine Heirat ist in Norland mit wenigen Klicks sofort vollzogen.

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