Nintendo 3DS XL im Test: Mega-Bildschirm, aber klobiges Design - Lohnt der Kauf?

Special Christoph Kraus

Nintendo 3DS XL im Test: Mit einer größeren Version seines aktuellen Spiele-Handhelds buhlt Nintendo ab dem 28. Juli um neue Käufer. Doch für wen ist der Nintendo 3DS XL gemacht? Lohnt sich der Kauf für Spieler, die bereits das bisherige Modell besitzen? Wie lange hält der Akku? Fragen über Fragen - im Test zum Nintendo 3DS XL bekommt ihr die Antworten.

Nintendo 3DS XL im Test - Diese Meldung vom 22. Juni 2012 schlug ein wie eine Bombe: Nein, wir meinen nicht Thomas Gottschalks Entscheidung, künftig als Supertalent-Juror neben Dieter Bohlen aufzutreten, sondern die Ankündigung des Nintendo 3DS XL. In den frühen Morgenstunden des eben erwähnten Freitags präsentierte Satoru Shibata, der Präsident von Nintendo of Europe, ein überdimensioniertes Modell der aktuellen Mobilkonsole - und zog bei dieser Gelegenheit gleich noch ein paar Spiele-Neuheiten aus dem Hut.

Die sogenannte Nintendo Direct-Show wurde nicht etwa aus dem fernen Japan gesendet, sondern teilweise aus Großostheim, einem bayerischen Dorf an der Grenze zu Hessen, in dem sich Buchhaltung und Lager der europäischen Nintendo-Filiale befinden. Doch warum entschied sich das Unternehmen für solch eine überraschende Enthüllung eines neuen Konsolenmodells? Weshalb hielt man sich im Vorfeld so bedeckt darüber, vor allem angesichts der kaum einen Monat zurückliegenden E3-Messe? Videogameszone.de geht den Fragen auf den Grund und unterzieht dem Nintendo 3DS XL einen Praxistest.

Nintendo 3DS XL - Dickes Ding

Lassen wir zunächst die Fakten für sich sprechen: Der Nintendo 3DS XL ist ab dem 28. Juli 2012 in den Farben Silber-Schwarz, Blau-Schwarz, und Rot-Schwarz erhältlich, der Preis beläuft sich auf ungefähr 200 Euro - somit ist er knapp 40 Euro teurer als das Original. Die Mehrkosten erscheinen uns jedoch fair, wenn man bedenkt, dass der obere Bildschirm des neuen Geräts satte 4,88 Zoll misst (bisher: 3,53 Zoll), der untere 4,18 Zoll groß ist (bisher: 3,02 Zoll) und die Akkulaufzeit trotzdem wie bislang dreieinhalb bis sechseinhalb Stunden beträgt.

Zudem umfasst die beiliegende Speicherkarte 4 Gigabyte - früher passte nur die Hälfte drauf, nämlich 2 Gigabyte. Ansonsten bleibt alles beim Alten: Ob Menügestaltung, Tastenanordnung, Touchpen-Design -"Evolution statt Revolution" lautet die Devise. Zwei klitzekleine Änderungen sind uns jedoch schon jetzt aufgefallen: Einerseits sind die Tasten Select, Start und Home jetzt richtige Knöpfe (keine eingelassenen Druckflächen mehr), andererseits spart sich Nintendo die grüne Leuchte, die anzeigt, ob die aktuell laufende Software 3D-Effekte darstellen kann. Es lässt sich allerdings freilich darüber streiten, ob diese LED überhaupt jemand vermissen wird - schließlich befindet sich der 3D-Schalter bei den meisten Zockern ohnehin stets am Anschlag.

Nintendo 3DS XL - Kabel weggegeizt

Das Stromkabel liegt dem Nintendo 3DS XL nicht bei - das gibt's nur gegen Aufpreis. Quelle: Gamezone Das Stromkabel liegt dem Nintendo 3DS XL nicht bei - das gibt's nur gegen Aufpreis. Doch es gibt auch Anlass für starke Kritik, denn nicht alles, was man unbedingt zum Spielen benötigt, liegt der Konsole bereits ab Werk bei: Ausgerechnet das Stromkabel ist nur gegen Aufpreis erhältlich! Nintendo weist schon auf der Vorderseite der 3DS-XL-Verpackung darauf hin, dass die Strippe nicht zum Liefer umfang gehört, sondern gegen Bares dazugekauft werden muss. Zum Zeitpunkt der Recherche für diesen Artikel kostete das offizielle 3DS-Netzteil zwar lediglich acht Euro. Dennoch ist es für uns etwas befremdlich, dass ein so wichtiges Zubehör nicht von vornherein dabei ist. Nintendo begründet die Entscheidung damit, dass die meisten Käufer sowieso schon den alten 3DS besitzen und daher nicht mehr unbedingt Bedarf an weiterem Ballast im Spieleregal haben. So kann man's natürlich auch sehen … Für uns ist das eingesparte Stromkabel jedoch nicht nachvollziehbar. Viele Leser sehen es genauso, wie die zahlreichen Zuschriften zum Thema belegen.

Nintendo 3DS XL - Für wen gemacht?

Wer das herkömmliche Modell bereits sein Eigen nennt, braucht die überarbeitete Fassung zwar nicht unbedingt, kann aber problemlos umsatteln (schließlich sollen sich Spieldaten auf andere 3DS-Konsolen übertragen lassen). Zudem wird sich garantiert kein Frühkäufer veräppelt vorkommen, weil der 3DS ein Jahr und drei Monate nach Markteinführung überarbeitet wird. Dass dies früher oder später passieren würde, war ohnehin so gut wie sicher. Nur wann es eben geschehen würde, stand noch bis vor Kurzem offen. Man stelle sich übrigens vor, wenn Nintendo keinen 3DS XL präsentiert hätte, sondern eine kompakte Version des altbekannten Geräts - möglicherweise mit zweitem Schiebe-Pad, schärferem Bildschirm, besserem Betrachtungswinkel und neuen Funktionen, die zum Zocken neuer Software unerlässlich sind.

Wer das herkömmliche Modell bereits sein Eigen nennt, braucht die überarbeitete Fassung zwar nicht unbedingt. Quelle: Computec Media Wer das herkömmliche Modell bereits sein Eigen nennt, braucht die überarbeitete Fassung zwar nicht unbedingt. Wie hätten die Fans wohl darauf reagiert? Vermutlich nicht gerade mit Begeisterung - schließlich hätte ihnen eine solche Konsole vor Augen geführt, dass sie jetzt ein angestaubtes Modell besitzen, das bald vom Markt genommen wird. Stattdessen fährt Nintendo die Zwei-Konsolenparallel-Strategie: Sowohl der allseits bekannte 3DS als auch die XL-Variante werden nebeneinander angeboten - wie es einst auch schon beim DSi und beim DSi XL war. Dagegen ist nichts einzuwenden, schließlich ist es bei Handys, iPods, Fernsehern und anderen Geräten üblich, dass es sie in verschiedenen Produktversionen gibt. Warum sollte sich Nintendo das nicht zum Vorbild nehmen?

Nintendo 3DS - Der Praxistest

Der 3DS XL kann alles, was schon das alte Modell draufhatte, und besticht darüber hinaus mit deutlich größeren Bildschirmen. Dadurch ist die Konsole aber auch schwerer und wirkt viel klobiger. Die matte Oberfläche sieht für unseren Geschmack zudem nicht so edel aus. Wir wollten noch unbedingt wissen, wie leicht man seine gesamten Spieldaten vom alten 3DS auf die XL-Variante kopieren kann, und haben es mit einem USB-Kartenleser selbst ausprobiert - ohne Erfolg! Nintendo kündigte aber an, einen Extra-Kanal im eShop bereitzustellen, damit sich Daten leicht übertragen lassen. Dieser war zum Zeitpunkt unseres Praxistests allerdings noch nicht verfügbar.

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