Need for Speed Unbound im Test: Schicke Karosse, doch es hakt im Getriebe
Test
Entwicklungshölle, Grafik-Kontroverse und dann noch massenhaft Gameplay-Leaks vor Release: Die Entstehungsgeschichte von Need for Speed Unbound war nicht die unkomplizierteste. Jetzt ist der Arcade-Racer von Criterion und EA endlich erschienen. Wir haben ihn im Test auf den Prüfstand gestellt und nachgesehen, was er unter der Haube hat.
Need for Speed Unbound hatte schon weit vor seinem Release am 2. Dezember einen schweren Stand bei den Fans. Nicht, weil es nur noch für PC und Current-Gen-Konsolen erscheint. Nicht, weil es satte 80 Euro kostet. Und auch nicht, weil es mit Toyota einen der größten Autohersteller der Welt nicht in seinem Fuhrpark hat. Nein, sondern weil es optisch etwas Neues ausprobiert! Was für eine absolute Frechheit! Jeder weiß doch, dass Arcade-Racing und überzeichnete Grafik-Effekte überhaupt nicht zusammenpassen! Wir haben das Open-World-Rennspiel jetzt mehrere Dutzend Stunden gespielt und klären im großen Test: Wie "schlimm" ist der neue Street-Art-Stil von NFS: Unbound wirklich? War die Kontroverse im Vorfeld gerechtfertigt? Und was hat sich abseits der Grafik sonst noch getan?
Street-Art-Style
Sprechen wir erst mal den Elefanten im Raum an. Den hippen Elefanten mit Tattoos, Goldkettchen und Snapback-Mütze - wir meinen den Look von Need for Speed Unbound (jetzt kaufen 69,99 € ). Der wurde ja schon im Vorfeld des Release heiß diskutiert. Die einen fanden es super, dass sich die Entwickler mit einem Graffiti-Look mehr in Richtung Untergrund-Street-Art orientieren. Die anderen konnten mit Anime-Flügeln, handgezeichneten Rauchwolken und anderen Effekten so gar nichts anfangen.
Auch wir waren zu Beginn skeptisch, ob das neue Design-Konzept von Entwickler Criterion Games aufgehen würde. Mittlerweile können wir aber guten Gewissens sagen: Hey, so schlecht ist es gar nicht! Es braucht zwar etwas Eingewöhnungszeit, aber irgendwann haben uns die Ingame-Effekte tatsächlich gefallen.
Sie verleihen dem Spiel mehr Style, mehr Flair. Man könnte fast sagen "Street Cred". Wir hatten deshalb nie das Verlangen, die Effekte im Menü auszuschalten - was ja zumindest beim eigenen Auto jederzeit eine Option ist.
Merkwürdig fanden wir nur die Charaktermodelle. Die gezeichneten Figuren passen irgendwie nicht in die realistisch gehaltene Spielwelt, sie wirken wie Fremdkörper. Das liegt auch daran, dass sie sich abgehackt bewegen und die Lippenanimationen nicht zur Synchro passen.
Wer braucht schon Story?
Aber keine Sorge: Oft zerrt Need for Speed Unbound seine Protagonisten ohnehin nicht durchs Bild. Das Spiel arbeitet viel mit Telefongesprächen. Cutscenes gibt es nur wenige, hauptsächlich zu Beginn. Am Anfang lassen sich die Macher nämlich überraschend viel Zeit. Euch erwarten fast zwei Stunden Prolog, bevor man euch endlich auf die Straße lässt.
Quelle: EA
Need for Speed Unbound im Test: Schicke Karosse, doch es hakt im Getriebe (5)
Die Story in der Kurzfassung: Da gibt's diesen Typen Rydell, in dessen Werkstatt ihr arbeitet, zusammen mit eurer Freundin Jasmine. Wie sich rausstellt, ist die allerdings 'ne Snitch, und zieht euch eines Nachts all eure getunten Karren ab. Ihr steht also mit leeren Händen da und müsst eure Garage und euren Ruf als Street-Racer von null neu aufbauen. Wortwörtlich. Denn alles Geld, das ihr im Intro erspielt, ist danach futsch.
Das Ganze ist nicht sonderlich komplex oder logisch oder unvorhersehbar. Aber das muss es auch nicht sein. Wer von Need for Speed eine gute Story erwartet, der hoffte wahrscheinlich auch, dass Vin Diesel in Fast and Furious eine Charakterentwicklung durchmacht. Immerhin kann man Unbound zugutehalten: Die Erzählung ist deutlich weniger fremdschämig als in den Vorgängern und hält sich meist im Hintergrund. Die coolen Kids texten euch nicht mehr penetrant mit Jugendsprech voll, sondern lassen euch einfach eure Rennen fahren.
