Agatha Christie wäre stolz: In Loco Motive jagen wir durch einen Tatort auf Schienen und suchen dabei nicht nur einen Mörder, sondern lüften eine ganze Reihe Mysterien um die anderen Passagiere.
Zeigen, Drücken und Grübeln
Das 2D-Point-and-Click fällt nicht durch überragend innovatives Gameplay aus der Reihe, sondern erinnert in seiner Spielweise eher an klassische Genrevertreter wie Monkey Island und Zak McKraken.
Allerdings kommt uns Loco Motive durch Anzeigen der verwendbaren Gegenstände etwas mehr entgegen, wenn wir uns ihnen nähern, und gibt uns nicht zig verschiedene Interaktions-Prompts wie "benutze" oder "schau an", die das Erforschen der Umgebung unnötig erschweren würden.
Das bedeutet aber nicht, dass Loco Motive uns keine fordernden Rätsel stellt. Die Probleme, die es zu lösen gilt, erfordern das gründliche Untersuchen der Spielwelt, das Ausquetschen der anderen Figuren und ein gutes bisschen kreative Kombinationsgabe beziehungsweise Geduld und Spucke.
Quelle: PC Games
In der Theorie könnten wir in jeder Rolle den Bordservice anrufen, wo uns dann Hermans selbsterklärter Erzfeind Dirk Chiselton, ebenfalls Schriftsteller und Privatdetektiv, zu bestimmten Fragen vage Tipps gibt. Aber wie es sich nunmal für ein ordentliches Adventure gehört, helfen diese Hinweise uns nicht konkret weiter.
Die Lösungen sind manchmal furchtbar absurd und damit genau richtig! Sie bringen uns an den Rand der Verzweiflung, an dem wir weinend jedes Item im Inventar mit jedem anderen Item kombinieren und immer dieselben Dialoge wieder und wieder durchkauen, bis wir durch penetrantes Rumprobieren die Lösung finden, die im Nachhinein betrachtet offensichtlich war. Das ist das wahre Point-and-Click-Erlebnis!
Die Dialoge sind, wie bereits erwähnt, mit viel Persönlichkeit gespickt, wir nehmen mit den ausgewählten Optionen aber keinen direkten Einfluss auf die Handlung. Vielmehr müssen wir aus den Unterhaltungen die wichtigen Informationen herausfiltern und dann im Verlauf des Spiels einsetzen, um bestimmte Rätsel zu entschlüsseln.
Außerdem ist es ganz süß, dass das Inventar nicht aus einer externen Tasche besteht, sondern alle Verdächtigen ihre Items in eine beliebige Tasche ihrer Abendgarderobe stopfen. So entsteht eine gewisse Situationskomik, wenn Arthur ohne mit der Wimper zu zucken eine lebende, bissige Ratte in sein Jackett steckt, oder Herman einen Pappbecher voller Wasser in seiner Westentasche unterbringt.
Quelle: PC Games
Was Point-and-Click-Veteranen ebenfalls Tränen in die Augen treiben dürfte, ist die Möglichkeit, mit Tastatur oder Joystick zu steuern, und die Fähigkeit aller drei Protagonisten, zu rennen.
Klingt jetzt erst mal absurd, aber wer sich an Zeiten erinnert, in denen wir auf unser Ziel geklickt haben und dann erst mal eine halbe Stunde warten mussten, bis unsere Figur den Punkt erreicht hatte, um den nächsten anvisieren zu können, weiß, wie erleichternd das Sprinten ist.
Endstation!
Nach vollendung der dramatisch-fantastischen Reise bleibt uns nicht viel zu bemängeln. Auf der Switch gab es minimale technische Unreinheiten wie ein holpriges Speichermenü und die deutschen Textboxen ragten manchmal bis zur Unleserlichkeit über den Bildschirm hinaus, aber von diesen Lappalien abgesehen ist Loco Motive eine cozy Detektiv-Erfahrung, die uns für die kommenden Wintertage ein wohlig-warmes Gefühl im Bauch hinterlässt.
Wir haben den Titel auf der Nintendo Switch getestet, passenderweise hält die Dampflokomotive, die von Chucklefish gepublished wird, aber auch auf Steam an. Transparenzhinweis: Für die Erstellung dieses Beitrags wurde die Release-Fassung von Loco Motive von Robust Games und Chucklefish gestellt.
