Loco Motive: Ein dampfbetriebener Nostalgie-Kick für Point-and-Click-Fans

Test Marlin Nixdorf Annika Menzel
Loco Motive: Ein dampfbetriebener Nostalgie-Kick für Point-and-Click-Fans
Quelle: Robust Games

Agatha Christie wäre stolz: In Loco Motive jagen wir durch einen Tatort auf Schienen und suchen dabei nicht nur einen Mörder, sondern lüften eine ganze Reihe Mysterien um die anderen Passagiere.

Die letzte Fahrt von Lady Unterwald sollte eigentlich eine Gelegenheit zum Feiern sein. Im zarten Alter von 85 Jahren hatte sie geplant, sich in den Ruhestand zu begeben, und ihr Eisenbahn-Unternehmen, die "Wald-Bahn", in einer großen Ankündigung weiterzureichen.

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Ein letztes Mal als Geschäftsführerin mit dem Reuss-Express zu fahren und auf der Fahrt ihre Nachfolge zu verkünden, schien nur angemessen. Sie hatte alle potenziellen Anwärter im Abteil versammelt, ihre Rede geschwungen und musste nur noch einen Namen nennen, doch da trat der Erzfeind aller ruhestandsreifen Schienenmagnaten auf den Plan: ein Tunnel.

Wie es nicht anders kommen konnte, wurde es für Lady Unterwald nur einmal dunkel und dann nie wieder hell. Schockiert beobachteten alle Anwesenden, wie ihr Leibarzt nur noch den Tod feststellen konnte, und Chaos brach vom Zaun.

Der Mord aus Loco Motive . Quelle: PC Games Das Londoner Indie-Studio Robust Games rund um die Brüder Joseph und Adam Riches tritt mit ihrem Debüt-Titel Loco Motive

gleich in zwei berühmte Spuren: Die Story orientiert sich stark am Whodunnit-Aufbau, also einem Mysterium, dessen Umstände im Verlauf der Geschichte erforscht werden, und der Stil des Spiels erinnert an klassische Point-and-Click Adventures.

Die unüblichen Verdächtigen

Im Nachgang der turbulenten Zugfahrt finden wir uns immer wieder im Verhörzimmer der Polizei wieder. Zwei Kommissare vernehmen ihre verschiedenen Hauptverdächtigen im Fall Unterwald und puzzeln sich so retrospektiv die tatsächlichen Geschehnisse der Nacht zusammen.

Verdächtiger Nummer eins ist Arthur A. Ackerman, seines Zeichens leidenschaftlicher Aktenhengst und Nachlassverwalter von Lady Unterwald. Arthur ist ein naiver, von Zeit zu Zeit fast schon dümmlicher Kerl, der seine Lebensfreude am Sortieren und Stempeln von Papieren findet und mehr per Zufall in den verwirrenden Fall gestolpert ist als aus Eigenantrieb.

Verdächtiger Nummer zwei ist eine kleine Berühmtheit: Herman Merman, genialer und bescheidener Schrift- und Selbstdarsteller (und inzwischen auch verwaschener C-Promi), der auf Einladung Lady Unterwalds im Reuss-Express reiste, war ebenfalls zur Tatzeit zugegen.

Nach der Tragödie proklamierte er, ein Detektiv zu sein und den Mörder finden zu wollen, doch seine Beweggründe rühren von einer anderen Quelle als dem Wunsch nach Gerechtigkeit.

Der Schriftsteller Herman Merman aus Loco Motive. Quelle: PC Games Verdächtige Nummer drei ist mit Abstand die mysteriöseste Person im Fall Unterwald, abgesehen von Lady Unterwald selbst. Alles, was Diana Osterhagen zu wissen scheint, ist streng vertraulich.

Nach eigenen Angaben arbeitet für den Geheimdienst des britischen Finanzamts und war den verdächtigen finanziellen Aktivitäten des Unterwald-Geschäfts auf der Fährte, die sie auch nach dem Ableben der Lady Unterwald nicht loslassen konnte.

Jeder der Verdächtigen bekommt seine Zeit im Rampenlicht, denn auch wenn sich ihre Geschichten im begrenzten Raum des Reuss-Expresses zwangsweise überschneiden, erlebt jeder von ihnen den Abend anders und hat auch, beispielsweise durch bessere Beziehungen zu gewissen Personen, Zugang zu speziellen Abteilen des Zugs.

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  3. Seite 3 Loco Motive: Eine Fahrt voller Fragen
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