Dass GTA 5 ein Verkaufserfolg wird, war schon vor Release klar, zu beliebt sind die Grand Theft Auto-Serie und Entwickler Rockstar. Doch was steckt hinter dem Hype? Redakteur Peter Bathge hat sich die Testversion auf der Playstation 3 zur Brust genommen und verrät im Review, warum GTA 5 ein Quell der guten Laune ist - und welche minimalen Technik-Mängel den Spielspaß trüben.
Skurriles am laufenden Band
Nicht nur durch seine omnipräsente Heiterkeit erinnert GTA 5 auf charmante Weise an seinen Vorvorvorgänger Vice City und dessen Nachfolger San Andreas, auch das Missionsdesign stellt eine Rückkehr zu den Zeiten der gezielten Übertreibung dieser Serienteile dar. Kamen die Aufträge in GTA 4 zuweilen doch etwas standarisiert daher ("Fahr zum Zielpunkt und knall alle Gegner ab!"), überzeugt Teil 5 mit deutlich mehr Abwechslung und Mut zum Schrägen. Einige Beispiele (Achtung, Mini-Spoiler im nächsten Absatz):
Der Spieler rast mit dem Dirtbike einem Flugzeug hinterher, das er zuvor per Flugabwehrgeschütz abgeschossen hat. Dann wieder wacht man als vermeintlich Toter in einer Leichenhalle auf und schießt sich den Weg frei, stiehlt Nervengas aus einer Regierungsanlage, die man zuvor per Taucheranzug vom Meer aus betreten hat, heizt mit dem Motorrad über einen fahrenden Güterzug, entert ein Militärflugzeug von einem anderen Flugzeug aus, springt mit einem Quad aus einem Flieger und vollführt Stunts, zerlegt mit einer an James-Bond-Filme angelehnten Superkarre samt eingebauten Maschinengewehren Polizeiautos oder bringt einen aufsässigen Schauspieler dazu, ohne Murren in einem Film mitzuspielen, indem man ihn bei Helikopterflug durch riskante Flugmanöver ordentlich durchschüttelt.
Quelle: PC Games
Die "Freaks und Fremde"-Nebenmissionen glänzen mit skurrilen Szenen am laufenden Band.
Das Missionsdesign ist neben der atmosphärischen Spielwelt die größte Stärke des Spiels. Hier kommt auch die Besonderheit des Heldentrios voll zum Einsatz: Der schnelle Wechsel von einer Hauptfigur zur anderen überzeugt, weil Rockstar dem Spieler so viele unterschiedliche Aufgaben innerhalb kürzester Zeit abverlangt. Es macht Spaß, erst mit Franklin ein Schlachthaus voll übelgelaunter Chinesen aufzumischen, um kurz darauf als von der Decke hängender Michael dem zu Boden gerammten Kollegen Schützenhilfe zu leisten. Oder den Partnern erst aus der Ferne per Scharfschützengewehr Deckung zu geben und dann in der Rolle Trevors in den Nahkampf überzugehen. Die Feuerwechsel spielen dank Auto-Aiming mit komfortablem Durchschalten der Ziele sehr flüssig. Zu einfach wird es aber trotzdem nie, denn wer nicht in Deckung bleibt, wird schnell von den Kugeln der KI-Gegner durchlöchert. Die Balance stimmt auch bei der Steuerung, zum Beispiel ist es nicht einmal mehr annähernd so stressig wie im Vorgänger, Flugzeug oder Helikopter punktgenau zu landen.
Die Königsdisziplin der krummen Dinger im Verbrechersimulator GTA 5: fünf große Überfälle, die sich über mehrere Missionen ziehen und minutiös vorbereitet werden wollen. Vor Überfallbeginn heißt es nämlich, erst einmal den Ort des Verbrechens (Containerhafen, Juwelierladen, Bank, etc.) auszukundschaften. Mit dem jederzeit verfügbaren Handy schießt man Fotos, anschließend gilt es etwa, Geldtransporter zu verfolgen, um deren Route auszuspähen, Baupläne einem Architekten abzunehmen oder für den Job nötige Klamotten, Waffen und Fluchtfahrzeuge zu besorgen. Außerdem wählt man die Crew für den Job aus: Talentierte Verbrecher kosten mehr Geld, dafür ist das Risiko niedriger, dass etwas schief geht. Die zur Auswahl stehenden zwielichtigen Gestalten trifft man im Lauf der Geschichte oder während Neben- und Zufallsausgaben, das wirkt höchst organisch. Schön: Es gibt auch ein Wiedersehen mit ein paar alten Bekannten aus GTA 4!
Quelle: PC Games
Fahrzeuge lassen sich deutlich einfacher steuern als in GTA 4 - hier hat Rockstar der Zugänglichkeit den Vorzug vor einem realistischen Fahrmodell gegeben.
In der Planungsphase hat der Spieler die Möglichkeit, zwischen zwei verschiedenen Handlungsweisen zu entscheiden, was sich auf den Missionsverlauf auswirkt. Dringt man als Feuerwehrleute getarnt ins Gebäude ein oder seilt man sich vom Helikopter aufs Dach hinab? Die Überfälle verlaufen in jedem Fall spektakulär, unter anderem stampft der Spieler in fetter Juggernaut-Panzerung durch einen Vorort und sieht sich schwer bewaffneten Soldaten und Panzern gegenüber, bevor die Crew im letzten Moment per Zug mit der Beute flüchten kann. Im Vergleich zu diesen unheimlich spannenden, oftmals explosiven Auflösungen der Überfallplanung wirken die für die Vorbereitung nötigen Nebenjobs zuweilen einen Tick zu langweilig und öde. Oft sind mit diesen Aufgaben nämlich minutenlange Fahrten durch die riesige Spielwelt verbunden, in denen außer den spritzigen Dialogen mit den Beifahrern nichts passiert. Zum Glück nehmen diese Besorgungen nur einen winzigen Teil der Spielzeit ein.
Komfortabel: Alle Missionen lassen sich nach Abschluss aus dem Menü neustarten, um andere Lösungswege zu probieren. Da trifft es sich gut, dass GTA 5 die Leistung des Spielers in jedem Auftrag mit einer von drei Medaillen bewertet - wer überall Gold haben will, muss Wiederholungen in Kauf nehmen. Apropos: Wer drei Mal hintereinander an einer Mission scheitert, darf sie überspringen - GTA 5 ist bei weitem nicht so frustig wie die Vorgänger, auch weil die Checkpoints innerhalb der langen Missionen fair gesetzt sind und man außerhalb der Aufträge jederzeit frei speichern darf.
