GTA 5 im Test: Die Charaktere stehen im Mittelpunkt

Test Peter Bathge
In den abwechslungsreich designten Missionen geht es zur Sache, GTA 5 punktet mit überdrehter Action.
Quelle: PC Games

Dass GTA 5 ein Verkaufserfolg wird, war schon vor Release klar, zu beliebt sind die Grand Theft Auto-Serie und Entwickler Rockstar. Doch was steckt hinter dem Hype? Redakteur Peter Bathge hat sich die Testversion auf der Playstation 3 zur Brust genommen und verrät im Review, warum GTA 5 ein Quell der guten Laune ist - und welche minimalen Technik-Mängel den Spielspaß trüben.

Charakterfokussierte Geschichte

Eben diese Story handelt von drei sympathischen Verbrechern und ihrer Jagd auf die Millionen. Neben dem zur Ruhe gesetzten Familienmann Michael und dem aufstrebenden schwarzen Ghetto-Gangster Franklin steht der psychopathische Drogendealer Trevor im Mittelpunkt. Der Spieler übernimmt im Lauf der Handlung die Rolle von allen drei Charakteren, darf zeitweise in und zwischen Missionen sogar frei hin und her schalten. Manchmal zwingt einen das Spiel auch dazu, die Figur zu wechseln, am Ende der Kampagne hat man mit jedem der drei rund zehn Spielstunden verbracht. Zur Geschichte sei nur so viel gesagt (ganz ohne Spoiler): Sie handelt von Verrat, Freundschaft, korrupten Regierungsbeamten und zerrütteten Familienverhältnissen. GTA-typisch kommt die Story zuweilen mehr wie Stückwerk daher: Es gibt zwar einen Handlungsbogen, der alles halbwegs zusammenhält, aber der Plot dreht sich nicht um eine große Bedrohung, die Suche nach einem Heilmittel oder den fiesen Oberbösewicht, wie es sonst in Spielen üblich ist. GTA 5 erzählt mehr einen Schwenk aus dem Leben seiner drei Protagonisten, es dreht sich um die Beziehungen zwischen diesen und anderen starken Figuren. Daher könnte das Ende der Story auch den einen oder anderen enttäuschen. Denn Rockstar hat einer simplen, schönen Botschaft den Vorzug vor der erwarteten Klimax mit reichlich Bombast gegeben. Entwarnung: Zu keinem Zeitpunkt ist der Plot langweilig oder vorhersehbar.

Die Geschichte wird GTA-typisch in filmreif geschossenen Zwischensequenzen erzählt, wann immer der Spieler (auch das GTA-typisch) zu einem der bunten Missionssymbole auf der Karte fährt und einen Auftrag startet. Dabei ist dem Spiel jederzeit seine heitere, unbeschwerte Grundstimmung anzumerken. Die Erzählung hat zwar reichlich Potenzial für Dramatik und bewegende Zwischentöne, besonders was das Verhältnis zwischen Michael und Trevor sowie Michael und seiner Familie angeht. Aber zwischendrin ist immer Zeit für einen munteren Scherz, einen lustigen Spruch, eine hemmungslos überzogene Parodie der (amerikanischen) Gesellschaft.

Sonnenuntergänge sind in GTA 5 ausnehmend hübsch; die Lichteffekte gehören zu den Stärken der Engine. Quelle: PC Games Sonnenuntergänge sind in GTA 5 ausnehmend hübsch; die Lichteffekte gehören zu den Stärken der Engine. Der wie ein Technik-Messias auftretende CEO einer Handyfirma bekommt den den Kopf per im Smartphone-Prototypen versteckten Sprengsatz weggeblasen. Michaels Sohn Jimmy flucht wie ein Rohrspatz, während er einen Multiplayer-Shooter in seinem Zimmer spielt. Im Fernsehen laufen Comics, die Kinder vor der Roten Gefahr durch den Kommunismus warnen, und auf den 16 Radiosendern wirbt ein Kandidat für den US-Senat mit dem Spruch: "Bei mir wissen Sie immerhin von vornherein, dass ich ein Arschloch bin." Die Spieleszene bekommt besonders häufig ihr Fett weg: Es wird ge"tea-baggt" und getrollt bis der Arzt kommt und inhaltsleere Facebook-Spiele werden genauso auf den Arm genommen wie Call of Duty.

Der geistesgestörte Trevor, der stets am Rande eines fatalen Wutausbruchs durchs Leben spaziert, ist von allen drei Hauptcharakteren auch der lustigste, Franklin dagegen ist der zurechnungsfähigste aber auch blasseste Held des Spiels. Selbst wenn Trevor - in stark überzeichneter, fast schon comichafter Art und Weise - Unschuldige niedermetzelt oder zufällige Anhalter statt am Zielort im Zwangskloster auf einem Berggipfel absetzt, fällt es schwer, keine Sympathie für ihn zu empfinden. Der Humor von GTA 5 ist herrlich zynisch und abgrundtief schwarz, ein böses Fest der fiesen Lacher. Nur einmal geht das Spiel für meinen Geschmack zu weit: In einer Folterszene, die wohl den Kampf gegen den Terror der USA und die damit verbundene Art der Informationsbeschaffung auf den Arm nehmen soll.

Denn hier wird der Spieler gezwungen, einen Terrorverdächtigen im Auftrag der US-Behörden zu foltern, wobei man bei jeder Runde das Werkzeug wählen "darf": Elektroschocktherapie, Zähne ziehen ohne Betäubung oder doch das "gute" alte Waterboarding? Diese Szene schrammt nur ganz knapp an der Geschmacklosigkeit vorbei. Davon abgesehen ist GTA 5 aber unheimlich lustig mit einem Faible für das Abstruse. Unter anderem kommt es im Spielverlauf zu mehreren Drogentrips der Hauptcharaktere, bei denen Hanfkonsum zu einigen großartigen, weil völlig abgefahrenen Halluzinationen führt. Da kämpft man schon mal gegen Aliens oder Clowns, sieht Affen beim Tanzen zu oder fliegt nur mit einer Unterhose bekleidet an der Skyline von Los Santos vorbei!

Diverse Drogentrips führen zu schrägen Szenen. Hier geht es etwa einer Bande fieser Clowns an den Kragen. Quelle: PC Games Diverse Drogentrips führen zu schrägen Szenen. Hier geht es etwa einer Bande fieser Clowns an den Kragen. Die Kirsche auf der Torte stellen die herrlich bescheuerten Dialoge mit allerlei Verrückten dar, die man im Laufe der optionalen Nebenmissionen trifft, sinnigerweise betitelt als "Freaks und Fremde". Die sind für den Story-Fortschritt unerheblich, stellen aber pures Comedy-Gold dar. Da wären zum Beispiel die irren Briten, die auf Besuch in Los Santos sind und erst nur den Müll der ansässigen Filmsternchen durchwühlen, bis sie schließlich den Aufstieg aus der Stalker-Regionalliga ins Kidnapper-Oberhaus schaffen. Als Trevor habe ich dem Pärchen dabei geholfen, einen Star einzufangen und hatte dabei Schwierigkeiten, vor lauter Lachen den PS3-Controller in der Hand zu halten, so schlagfertig war das Hin und Her zwischen meinem Helden und den Stalkern, während ich mit Tempo 100 durch das Innere eine Krankenhaus düste!

Einziger Nachteil für alle deutschen Spieler: Die Sprachausgabe von GTA 5 ist komplett englisch. Wer nichts versteht, muss sich auf die guten deutschen Untertitel verlassen, um den Gesprächen zu folgen. In der Übersetzung geht aber so mancher überspitzer Gag verloren, zudem gibt es keine Untertitel für die Radiosender. Auf denen wechselt sich Musik mit minutenlangen News-Beiträgen ab, in denen die Nachrichtensprecher auf Ereignisse aus den Missionen eingehen, für die der Spieler zuvor selbstverantwortlich zeichnete.

  1. Seite 1 GTA 5 im Test für Konsolen: So haben wir getestet
  2. Seite 2 GTA 5 im Test: Die Charaktere stehen im Mittelpunkt
  3. Seite 3 GTA 5 im Test: Skurriles am laufenden Band
  4. Seite 4 GTA 5 im Test: Ausgereizte Konsolen-Hardware + Wertung
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