Frostpunk 2: Dieses Spiel hat fast nichts mehr mit dem Vorgänger gemein - Und das ist fantastisch!
Test
Hinter Frostpunk 2 steht ein grundsätzlich anderes Spiel, als sein Vorgänger. Nachdem wir uns in mehreren Partien durch die Eiswüste gekämpft haben, sind wir uns sicher: Das Experiment ist geglückt.
Frostpunk 2 ist anders. Der erste Teil hat 2018 noch mit einem stimmigen Setting, herzzerreißenden Entscheidungen und knallhartem Survival-Gameplay die Krone der schweren Aufbauspiele an sich gerissen. Neben Schnee und Frost kommt im Nachfolger noch die soziale Kälte und ein viel weiter gefasster Fokus dazu, was das bekannte Spielprinzip auf den Kopf stellt. Wir haben uns durch Materialschlachten und beinharte Ratssitzungen gekämpft und können sagen: Das gewagte Vorhaben ist geglückt - Frostpunk 2 nimmt seinen ganz eigenen Platz unter den besten Aufbauspielen ein.
Zurück im Eis
Dabei hätte ein Nachfolger zu Frostpunk so einfach für die 11 Bit Studios sein können. Einfach das Spielprinzip des ersten Teils nehmen und höher, schneller, härter machen. Stattdessen hat man sich entschlossen, einen echten Nachfolger zu entwerfen, der sich grundlegend anders spielt, als sein berühmter Vorgänger. So sehr, dass die Entwickler die Fans anweisen, lieber noch einmal den ersten Teil zu spielen, wenn sie mehr davon haben wollen.
Trotzdem teilt Frostpunk 2 (jetzt kaufen 58,05 € / 38,24 € ) natürlich auch ein paar Tugenden seines Vorgängers, allen voran das Setting. Erneut finden wir uns in der Eiswüste der Welt wieder. Seit den Geschehnissen des ersten Teils sind 30 Jahre vergangen und die Menschheit hat sich mit ihrem frostigen Schicksal arrangiert. So gut das in einer Postapokalypse eben geht. Doch stehen jetzt neue Probleme ins Haus. Einerseits gehen die Kohleflöze langsam zur Neige und neue Ressourcen müssen erschlossen werden.
Andererseits sind die Menschen nicht mehr gewillt, einfach einem Oberhaupt die Befehlsgewalt zu erteilen. Sie wollen Mitspracherecht und formieren sich in Fraktionen. Zu guter Letzt kehrt mit dem kontinuierlichen Frost ein alter Feind zurück, der mit seinen Whiteouts ebenfalls die Stadt bedroht.
Die hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Vorbei sind die Zeiten von windschiefen Hütten und einer Handvoll Leute, die sich verzweifelt um einen kleinen Generator scharen. Der Maßstab von Frostpunk 2 ist um einiges größer. Das erkennt man am besten in der Kampagne. Hier bestimmen wir erneut die Geschicke von Neu-London, der Stadt im Krater aus dem ersten Teil.
Neues aus Neu-London
Der Krater ist mittlerweile komplett bebaut, doch das reicht nicht. Die Stadt platzt aus allen Nähten und muss sich weiter ausbreiten. Das ist visuell hervorragend umgesetzt. Die Entwickler denken ihr Steampunk-Universum konsequent weiter und herausgekommen ist eine wahre Augenweide. Jedes Gebäude strotzt nur so vor Details. Überall finden sich Rohre, Antriebsräder und andere Details. Nahtlos zoomen wir von der Weltkarte bis zu den kleinen Dampfturbinen.
Gerade Neu-London glänzt hier ganz besonders. Die Stadt, die langsam aus ihrem geschützten Krater hinauswächst, ist gleichzeitig eine fantastische Metapher für ein Monster, das langsam seine Tentakel auf das Umland ausweitet. Die Entwickler haben hier stilistisch ganze Arbeit geleistet, an der wir uns auch nach vielen Spielstunden nicht satt sehen konnten.
Die volle Pracht setzt natürlich starke Hardware voraus, doch läuft Frostpunk 2 auch auf genügsameren Systemen. Wir haben für unseren Test in 4K, hohen Details und dem DLSS-Qualitätsmodus mit einer RTX 4080 und einem Ryzen 7 5800X gezockt. Wer geringere Auflösung und weniger Details in Kauf nehmen kann, wird aber auch schon mit einer RTX 3060 oder weniger gut spielen können. Das Spiel unterstützt aber auch alle gängigen Upscaling-Technologien von Intel, AMD und Nvidia.
Die wesentlich größeren Städte geben Frostpunk 2 ganz allgemein auch einen wesentlich weiter gezogenen Fokus. Anstatt nur ein paar Leute wohnen in unserer Stadt von Anfang an mehrere Tausend, die natürlich einen entsprechenden Ressourcenbedarf haben. Um den zu decken, erschließen wir die letzten Ressourcenquellen rund um unsere Stadt.
Bildergalerie
Um an die hexagonförmigen Bauflächen in Frostpunk 2 heranzukommen, müssen wir allerdings erst mal das Eis um unsere Stadt mit schwerem Gerät aufbrechen. Das erfordert Arbeitskräfte und etwas Geld. Anschließend stellen wir aber nicht nur ein Gebäude auf, sondern gleich ganze Distrikte, die mehrere Bauflächen in Beschlag nehmen. Solche Stadtteile können für Wohnungen, Nahrungsproduktion, Ressourcenförderung, Warenproduktion und Logistik errichtet werden.
