25 Jahre Final Fantasy 7: Die Playstation-Ära
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Für viele der beste Teil der Final-Fantasy-Saga und eines der prägendsten Rollenspiele aller Zeiten: Final Fantasy 7 feiert 2022 seinen 25-jährigen Geburtstag. Wie entstand Squares JRPG-Meilenstein?
Bye bye Nintendo, hallo Sony!
Dass Final Fantasy 7 letztlich für die erste PlayStation und nicht etwa für das Nintendo 64 erschien, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. "Square plante damals, ein Spiel für Nintendos Next-Generation-Maschine zu entwickeln. Aber die Entwickler-Kits waren nicht verfügbar und deren Technik noch nicht klar", erklärte Kazuyuki Hashimoto. "Ich schlug also vor, dass wir es mit einer Standard-Hardware probieren und von dort aus herausfinden könnten, was wir damit tun könnten. Wir könnten später diese Idee für kleinere Maschinen optimieren." Die leistungsfähigen Rechner gaben dem Team um Sakaguchi-san viele Freiheiten und verschafften ihm einen ersten Eindruck der Möglichkeiten.
Auch wenn Final Fantasy 7 Yoshinori Kitase zufolge nie offiziell für das Nintendo 64 in der Entwicklung war, spielte man doch mit den Optionen, die die später von Nintendo gelieferten Emulation-Kits hergaben. Er erinnert sich daran, dass man etwa ein aus 2.000 Polygonen bestehendes Behemoth-Monster renderte und animierte. An diesem Punkt kollidierten jedoch der künstlerische Anspruch der Entwickler und die Nintendo-Hardware: Die Bildrate war zu niedrig, und für die Darstellung des Charakters waren 2.000 Polygone das Minimum.
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Doch das war nicht das einzige Problem: Square konzipierte Final Fantasy 7 mit aufwendigen Hintergründen und Zwischensequenzen. Als das Spiel später auf den Markt kam, füllte es drei CD-ROMs mit insgesamt rund 1,8 Gigabyte Daten. Square überlegte gar, ob man Final Fantasy 7 irgendwie auf die Magnetdatenträger für das optionale 64DD-Laufwerk für das Nintendo 64 "pressen" könnte. Allerdings fasste ein solcher Datenträger lediglich 64 Megabyte; es hätte also Hunderte davon benötigt, um Final Fantasy 7 ausreichend Platz zu bieten. Kurzum: Mit der zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung stehenden Nintendo-Hardware hätte Square Final Fantasy 7, wie wir es kennen und lieben, niemals veröffentlichen können.
Quelle: Square Enix
Auch die Karte erstrahlte in 3D: Cloud reiste hier von einem Ort zum nächsten. Das unterstützte den Eindruck einer gewaltigen Spielwelt.
Gerüchte, dass der Bruch mit Nintendo auch an den strikten Verträgen oder an den inhaltlichen Vorgaben der Mario-Macher gelegen hätten, wurden nie offiziell bestätigt. Stattdessen wird vorrangig besagte Hardware-Problematik als Hauptgrund für den Wechsel herangezogen. "Dass PlayStation-Spiele CDs verwendeten, war der größte Faktor. Wenn du 3D-Actionspiele mit dem limitierten Speicherplatz der Nintendo-64-Cartridges entwickeln wolltest, dann konntest du das machen. Aber ich wollte ein 3D-Rollenspiel kreieren. Mir war sehr schnell klar, dass das auf der Nintendo-Hardware sehr schwierig gewesen wäre", führt Hironobu Sakaguchi im Polygon-Interview weiter aus.
Der damalige Executive Vice President und Producer erhielt von seinen Kollegen übrigens den Spitznamen "King" - also König. Sie führten dies unter anderem auf seinen Charakter zurück. Er hingegen betonte, dass dieser Name ursprünglich aus einer Phase stamme, in der er viel Champagner getrunken habe. Seine Kollegen nannten ihn "Champagner King" - und davon blieb schließlich "King" übrig. Doch das nur am Rande.Die Entscheidung, exklusiv für die Sony PlayStation zu entwickeln, sorgte auch zwischen Nintendo und Square für eisige Stimmung und beeinflusste die Geschäftsbeziehung der Unternehmen über Jahre negativ. Shinichiro Kajitani, der damalige Vizepräsident von Square USA, stellte etwa fest, dass Square-Mitarbeiter in den Büros von Nintendo rund zehn Jahre lang unerwünscht waren.
Quelle: Square Enix
Jeder Charakter beherrscht eigene Limit-Angriffe und kann diese im Kampf einsetzen. Barret beispielsweise setzt auf den Machtschlag, Cloud auf die Mutattacke.
Der Bruch mit Nintendo und der Wechsel zu Sony war für Square ein ebenso mutiger wie riskanter Schritt: Die PlayStation war Sonys erste Konsole, und als die Entwicklung von Final Fantasy 7 begann, lief das Geschäft mit der neuen 32-Bit-Plattform noch ein wenig schleppend. Doch dies sollte sich später ändern!
Die Entstehung einer neuen Welt
Auch wenn die Konzeption schon deutlich eher begann, startete die eigentliche Entwicklung von Final Fantasy 7 rund ein Jahr vor dem Release. Square griff zu diesem Zweck noch einmal tief in die Tasche und investierte in neues Personal, aber auch in Entwickler-Hardware. So wuchs das Team in kurzer Zeit von 30 bis 40 auf mindestens 150 Mitarbeiter an. Die tatsächliche Zahl der an dem Projekt beteiligten Menschen dürfte allerdings weitaus größer gewesen sein.
Fest steht: Für die damalige Zeit setzte Square alles auf eine Karte und rekrutierte viele Talente zur Fertigstellung von Final Fantasy 7. Diese Investitionen manifestierten sich auch in der für die 3D-Spielwelt notwendigen Hardware. Tomoyuki Takechi erklärte in Interviews, dass man damals 40 Millionen US-Dollar in die Entwicklung gesteckt habe. Beispielsweise schaffte man damals laut Vizepräsident Shinichiro Kajitani 200 Indigo2-Rechner zum Preis von jeweils 70.000 US-Dollar an und baute eine Arbeitsumgebung auf, die für die Entwicklung der 3D-Grafik notwendig war.
Quelle: Square Enix
Die Schauplätze in der Spielwelt von Final Fantasy 7 besitzen allesamt eine eigene Persönlichkeit.
Obwohl die Final Fantasy 7 zu Grunde liegende RPG-Mechanik jener aus den Vorgängern sehr ähnlich war, so stellten die Präsentation, das Storytelling und die gesamte Darstellung das Team vor große Herausforderungen. Die Grafikdesigner mussten aufgrund der veränderten Perspektive gelernte Muster ablegen und selbst Details überdenken. Verschiedenen Personen kamen in der Kreation des einprägsamen Looks von Final Fantasy 7 Schlüsselpositionen zu: Da wäre beispielsweise Tetsuya Nomura, der als Main Character Designer für die Figuren verantwortlich zeichnete.
Habt ihr euch schon einmal gefragt, wieso Protagonist Cloud Strife so "spitze" Haare hat? Die Antwort: Weil sie eine gewisse Tiefe bieten und in einer dreidimensionalen Spielwelt ihr Aussehen dynamisch zum Blickwinkel ändern. Ihm zur Seite stand mit Yusuke Naora ein Final-Fantasy-Veteran, dem der Sprung von 2D zu 3D bestens gelang. Er war für die Präsentation der Spielwelt mitverantwortlich - und dafür, dass Final Fantasy 7 eine klare optische Linie besaß. Naora arbeitete nicht nur an Texturen und 3D-Modellen, sondern teils auch an Logos und ganzen Räumen und Gebieten.
Quelle: Square Enix
Die Dungeons in Final Fantasy 7 fallen eher klein aus, haben aber auch dank der gezeichneten Hintergründe ihren eigenen Charme.
Doch Final Fantasy ist mehr als nur Grafik und Gameplay, natürlich darf der passende Soundtrack nicht fehlen! Der Name Nobuo Uematsu ist auf ewig mit der Marke verbunden, und der 1959 geborene Komponist steuerte auch für den siebten Teil die Musik bei. Der größere Speicherplatz gab ihm mehr Freiheiten, zugleich aber wählte er für das Spiel einen anderen musikalischen Ansatz. Die Musik trat zugunsten der Präsentation und des Spielflusses in den Hintergrund. Aufwendige Tracks hätten längere Ladezeiten mit sich gebracht. Stattdessen besaßen Uematsus Stücke weiterhin enorme Tiefe und Wiedererkennungswert, standen aber nur in Schlüsselsituationen wirklich im Mittelpunkt.
Dieser Erfolg war nur der Anfang
Final Fantasy 7 erschien am 31. Januar 1997 in Japan. In den Vereinigten Staaten kam das Spiel am 7. September, in Großbritannien am 14. November und in Kontinentaleuropa am 17. November 1997 auf den Markt. Dem Release ging eine weltweite Marketing-Offensive voraus. Square investierte 40 Millionen Dollar in die Werbung: Zehn Millionen für Japan und Europa und satte 20 Millionen für die USA. Square nutzte die von der Fachpresse veröffentlichten sehr guten Kritiken, um auch im westlichen Markt Fuß zu fassen. Final Fantasy 7 war ein weltweiter Erfolg. In Japan sorgte FF7 gar dafür, dass PlayStation-Konsolen zwischenzeitlich ausverkauft waren.
Quelle: Square Enix
Kamerafahrten erzeugen innerhalb der rundenbasierten Kämpfe eine zusätzliche Dynamik. Durch die 3D-Umgebung erscheint das Schlachtfeld größer und die Kämpfe fühlen sich dadurch wichtiger an.
Bis kurz vor der Veröffentlichung bestellten 1,83 Millionen Japaner ein Exemplar vor. Final Fantasy 7 wurde zum Systemseller und zum Glücksgriff für Sony. Bis 1998 verkaufte sich das Rollenspiel über acht Millionen Mal und war damit der meistverkaufte PlayStation-Titel bis zu diesem Zeitpunkt. Bis heute wurde Final Fantasy 7 über 13,3 Millionen Mal verkauft und rangiert mit einem Metacritic von 92 auch 25 Jahre nach Release noch oberhalb der magischen 90er-Marke.
Final Fantasy 7 war für japanische Rollenspiele, aber auch für Square ein Meilenstein. Mit diesem Titel allein setzte sich das Unternehmen ein Denkmal und sicherte sich einen Platz in den Geschichtsbüchern. Wie Tomb Raider und andere Franchises wuchs auch Final Fantasy durch diesen Erfolg über das Medium der Computer- und Videospiele hinaus. Merchandise, Kinofilme, Mangas und viele weitere Produkte hätte es bei einem Scheitern von Final Fantasy 7 wahrscheinlich nie gegeben. Mal ganz zu schweigen von aktuellen Ablegern oder gar einem Online-Epos wie Final Fantasy 14.
Quelle: Square Enix
Blick ins Menü: Das Managen von Materia zum Verwenden von Zaubersprüchen und Beschwörungen ist ein wichtiges taktisches Element innerhalb der Kämpfe.
Wer übrigens heute noch einmal Final Fantasy 7 spielen möchte, muss nicht zwangsläufig auf das 2020 veröffentlichte Remake zurückgreifen. Inzwischen gibt es adaptierte Versionen auf nahezu jedem System. Wir empfehlen aber wahlweise die angepasste Variante für die Nintendo Switch oder die im Abo-Service PlayStation Now enthaltene Fassung. Und glaubt uns, auch 25 Jahre später funktionieren Atmosphäre, Charme und Gameplay von Final Fantasy 7 noch immer ausgezeichnet. Denn das Abenteuer war mehr als nur ein "Final Fantasy in 3D", es war und ist ein wegweisendes Spiel für das Rollenspiel-Genre und eine der ersten echten Blockbuster-Produktionen der Spieleindustrie. In diesem Sinne: Happy Birthday, Final Fantasy 7!
