Test zu Fantasy General 2: Nicht perfekt, aber ein gelungenes Comeback des Hexfeld-Klassikers
Test
Die Strategie-Experten von Slitherine und das österreichische Studio Owned by Gravity haben einen Hexfeld-Klassiker der Neunziger wiederbelebt und schicken uns in einen Krieg, in der wir aufseiten von Barbaren gegen ein böses Imperium kämpfen. Ob Fantasy General 2 die Genreveteranen auf ganzer Linie zu überzeugen vermag, verraten wir euch in unserem Test.
Vor 23 Jahren gab es einen Publisher, auf dessen Spiele man sich als RPG- und Tabletop-Fan so gut wie immer verlassen konnte. SSI (Strategic Simulations Inc.) begann bereits in den Siebzigerjahren mit der Entwicklung von Strategie-Titeln, die sich vornehmlich mit den großen Konflikten der Menschheitsgeschichte beschäftigten, etwa dem Zweiten Weltkrieg oder den Feldzügen Napoleons. Einige Jahre später erwarben die Kalifornier zudem die AD&D-Lizenz und machten sich durch epische Rollenspiele wie Pool of Radiance und Eye of the Beholder einen Namen. Mit Fantasy General aus dem Jahr 1996 kamen schließlich beide Spielewelten sozusagen zusammen, wobei der Hexfeld-Klassiker nichts mit dem offiziellen Kanon von Advanced Dungeons & Dragons zu tun hatte. Doch trotzdem kämpften in Fantasy General Elfen, Zwerge sowie Menschen gegen Rattenmenschen, Skelette und Orks. Die Mischung aus High-Fantasy und Hexfeld-Strategie im Stile der Panzer-General-Reihe kam nicht nur bei Genrefans gut an, sondern ebenso bei den Kritikern. Noch heute erinnern sich viele Spieleveteranen an die spannenden, wenn auch nicht ganz fehlerlosen Schlachten von Fantasy General - wie etwa unser Chefredakteur Sascha Lohmüller in seiner Vorschau zum zweiten Teil.
Auf dieser Seite
Fantasy General 2 im Test: Echte Fortsetzung
Das österreichische Studio Owned by Gravity möchte nun mit Fantasy General 2 die epischen Schlachten wiederaufleben lassen. Im Gegensatz zu Panzer Corps, das ein waschechtes Remake des Weltkriegsklassikers aus den Neunzigern gewesen ist, handelt es sich beim zweiten von Fantasy General um eine richtige Fortsetzung. Das bedeutet, dass wir es nicht nur mit einer grafischen Aufhübschung zu tun haben, sondern ebenso eine komplett neue Kampagne samt Story und einigen frischen Spielregeln serviert bekommen. Was aber weitestgehend gleichgeblieben ist: das Schere-Stein-Papier-Prinzip und natürlich die rundenbasierten Hexfeld-Schlachten.
Quelle: PC Games
Die Missionen bieten relativ viel Abwechslung. Mal müssen wir die Karte erkunden oder einfach feindliche Siedlungen überrennen. In diesem Auftrag müssen wir hingegen unsere Dörfer gegen einfallende Feinde verteidigen.
In Fantasy General 2 schlüpfen wir in die Rolle von Falirson, den Sohn eines Klanführers. Unser Haudegen und seine Kameraden kämpfen in über 30 relativ langen Missionen zuerst gegen konkurrierende Stämme und später das sogenannte Imperium, das sich nicht davor scheut, auch Untote gegen unsere nordisch wirkenden Truppen einzusetzen. Im Gegensatz zum Vorgänger haben wir selbst nicht mehr die direkte Wahl darüber, welchen General und welche Einheitstypen wir in den Schlachten einsetzen wollen. Über die gesamte - vom Umfang her sehr großzügige Kampagne - erweitern wir unsere Berserker- und Schildmaide auch mit Trollen und anderen Fantasy-Wesen.
Fantasy General 2 im Test: Unnötige Makel
Gegen Mitte des Feldzuges wachsen die Armeen aus beschaulichen Truppenverbänden von rund zehn Einheiten zu relativ großen Streitmächten. Ein Problem ist aber, dass wir darauf achten müssen, dass alle unsere Truppen die Missionen überleben. Wenn eine Einheit in der Kampagne draufgeht, ist sie für immer verloren - und damit auch die Erfahrungspunkte und die Upgrades, die wir im Laufe des Spiels für sie gesammelt haben. Das führt zu einem ähnlichen Dilemma wie einstmals in der Homeworld-Reihe: In der zehnten oder fünfzehnten Mission kann es dann sein, dass unsere Armee insgesamt zu schwach ist und wir deshalb die ganze Kampagne neu anfangen müssen. Es gibt lediglich ein rabiates Mittel dagegen: stetiges Speichern. Das ist unserer Meinung nach für heutige Verhältnisse recht altbacken. Zudem ist es auch nicht mehr gerade modern, dass die für die Upgrades der Einheiten benötigten Ressourcen zufällig auf den Karten verteilt sind. Mal hat man so Glück und finden die passenden Zutaten innerhalb weniger Missionen, manchmal bekommt man an den Loot-Punkten aber nur Gold oder andere Dinge, die man gerade eigentlich nicht gebrauchen kann.
Quelle: PC Games
Das Missionsdesign hat einige Mängel. In Manchen Kapiteln können wir nicht vorausahnen, wo wir unsere stärksten Truppen einsetzen sollen. Hier haben wir zum Beispiel keine Chance mit lediglich einer Einheiten gegen die übermächtigen Spinnen zu gewinnen.
Diese beiden Dinge und die Tatsache, dass das zwar Missionsdesign abwechslungsreich ausfällt, aber nicht immer ganz einwandfrei ist, sind die größten Mängel von Fantasy General 2. Wir mussten des Öfteren die Missionen neustarten, weil wir erst so wussten, wo die Feinde etwa einen überraschenden Überfall geplant oder die meisten Einheiten platziert hatten. Ebenso wichtig ist es zu wissen, wo der Gegner die letzten Truppen versteckt hält, denn in vielen Missionen geht es lediglich darum, alle Feinde auszuschalten. In anderen Strategiespielen wäre das nicht allzu wichtig, doch in Fantasy General 2 müssen wir zügig vorgehen, weil wir nur an Geld für neue Truppen kommen, wenn wir die Aufträge zügig erledigen - für jede übriggebliebene Runde bekommen wir eine kleine Menge Gold.
Fantasy General 2 im Test: Herausragende Handlung
Abseits dieser Schwächen gibt sich Fantasy General 2 kaum die Blöße. Obwohl das Spiel nicht durch eine starke Inszenierung der Handlung auftrumpft, gehört es von der Story her zu den besten im Strategiegenre - Grund dafür sind die überraschenden Wendungen, von denen es zum Glück einige innerhalb der über 30 Stunden langen Kampagne gibt. Zudem ist die Auswahl der Einheiten nicht riesig, dafür aber für das Schere-Stein-Papier-Prinzip wie gemacht. So kann man zum Beispiel mit Speereinheiten die feindliche Kavallerie kontern, die Reiter sind hingegen stark gegen Fernkampfeinheiten oder Schwertkämpfer. Das Prinzip wird zudem durch Zusatzfähigkeiten der Truppen etwas modernisiert worden. Falls zum Beispiel die Einheiten über Schilde verfügen, können sie auch Pfeilsalven abwehren, die eigentlich gegen verbündete Einheiten gerichtet waren, die hinter ihnen liegen. Uns hat es auch sehr gut gefallen, dass es in den Missionen gelegentlich Dialogoptionen gibt, durch die sich der Verlauf der Kampagne leicht verändert.
Auch grafisch sind wir mit Fantasy General 2 durchaus zufrieden. Die Entwickler haben mit der Unity-Engine schöne Fantasy-Umgebungen sowie -Einheiten kreiert und auch die Benutzeroberfläche geht in Ordnung. Schade ist nur, dass man nicht sehr weit herauszoomen kann und ebenso ein keinen Zug wie noch im ersten Teil rückgängig machen kann. Wer über diese Mängel hinwegsehen kann, bekommt mit Fantasy General 2 ein gutes Rundenstrategiespiel, das mit seiner starken Story und dem großen Umfang punktet. Wer nach der Kampagne noch weiterspielen möchte, kann dies zudem im Mehrspieler- und Scharmützelmodus machen.
