Fallout 76: Wastelanders im Test - Kontrollbesuch im Ödland nach dem großen Update

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Fallout 76: Wastelanders im Test - Kontrollbesuch im Ödland nach dem großen Update
Quelle: PC Games

Das große Wastelanders-Update krempelt Fallout 76 zumindest inhaltlich gehörig um. Im Hauptspiel noch schmerzlich vermisst, kehren jetzt die NPCs in die Spielwelt zurück und bringen gleich eigene Fraktionen, Gefährten und eine ganz neue Hauptgeschichte mit sich. Grund genug für einen Kontrollbesuch im Ödland von West Virginia.

Nach dem Release im November 2018 blieb Fallout 76 auch im Jahre 2019 immer wieder in den Schlagzeilen. Die anhaltende Aufmerksamkeit war allerdings nicht von der Sorte, die sich die Macher von Bethesda vermutlich erhofft hatten. Statt Erfolgsmeldungen und Berichten von begeisterten Spielern schienen die Entwickler mit dem Online-Ableger der beliebten Rollenspiel-Reihe mit nahezu herausragender Präzision von einem Fettnäpfchen ins nächste zu stolpern. Immer neue (und auch alte) Bugs, die mit Updates ihren Weg ins Spiel gefunden haben, die Entscheidung, dass Cheater einen Aufsatz über ihr Fehlverhalten schreiben sollen, der Einbruch in den Entwicklerraum mit allen im Spiel vorhandenen Items sowie gebrochene Versprechen bezüglich des Verzichts im Atom-Shop Gameplay-relevante Gegenstände zu verkaufen sind da nur eine kleine Auswahl der Aufregerthemen. Hinzu kommen immer wieder große Probleme mit Hackern, ein gescheiterter PvP-Modus und die höchst umstrittene Einführung des Abo-Service Fallout 1st. Zu sagen, dass Fallout 76 bei der Spielerschaft einen schlechten Stand hat, wäre also eher eine Untertreibung. Mit dem nun veröffentlichten Wastelanders-Update soll aber alles besser werden. Immerhin krempeln die Entwickler damit West Virginia gehörig um, sodass ein Download nötig ist, der fast der gesamten Client-Größe entspricht.

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Zwei Handlungsstränge

Das große Heilmittel für Fallout 76 soll die Rückkehr der NPCs sein. Im ursprünglichen Konzept des Spiels hatten abgesehen von ein paar Robotern und Super Mutanten vom Computer gesteuerte Charaktere nämlich keinen Platz. Die Spieler sollten die Welt von Appalachia bevölkern. Es wurde jedoch schnell klar, dass dies viel von der Atmosphäre nimmt, für die Fallout-Spiele bekannt sind. Immerhin leben die Titel auch von den vielen interessanten Charakteren, auf die man als frisch aus dem Untergrund empor gestiegener Vault-Bewohner bei seinen Reisen durch das Ödland trifft. Dass dieser Aspekt nicht ersetzt werden kann, nur weil auf der Karte neben einem selbst noch andere Spieler herumrennen, mussten dann auch die Entwickler von Bethesda einsehen.

Schon auf dem Vorplatz von Vault 76 begegnen uns die ersten NPCs, die von einem Schatz und einer nahe gelegenen Taverne berichten. Quelle: PC Games Schon auf dem Vorplatz von Vault 76 begegnen uns die ersten NPCs, die von einem Schatz und einer nahe gelegenen Taverne berichten. Wir schreiben also das Jahr 2103, ein Jahr nachdem sich Vault 76 geöffnet hat und seine Bewohner mit dem Wiederaufbau West Virginias begonnen haben. Angetrieben von Legenden über dicke Schätze oder schlicht der Suche nach besseren Überlebenschancen hat ein regelrechter Ansturm von Menschen auf die Hügel von Appalachia begonnen. Den ersten neuen Bewohnern begegnet man bereits direkt vor der schweren Tür von Vault 76. Hier treffen wir auf zwei Schatzsucher, die von uns wissen wollen, ob in unserem Vault ein legendärer Schatz versteckt sei. Im Laufe des Gesprächs verweisen uns die beiden auf eine neue Taverne, die gleich in der Nähe aufgemacht hat. Dort können wir sowohl den Gerüchten um den Schatz nachgehen, als auch Informationen über den Verbleib unserer Aufseherin erfragen.

So beginnen parallel zueinander zwei völlig unterschiedliche Handlungsstränge. Denn zum einen existiert nach wie vor die alte Hauptstory von Fallout 76 (jetzt kaufen / 35,99 € ), die an einigen Stellen an die neuen Umstände und System wie das Dialogsystem angepasst wurde, und zum anderen bringt Wastelanders seine eigene völlig neue Hauptgeschichte mit. Wer das Spiel bereits gespielt hat, kann sich also auch auf ein völlig neues Abenteuer freuen. Es lohnt sich aber dennoch, einen neuen Charakter zu beginnen, der als Nachzügler aus Vault 76 kommt. So habt ihr zum Beispiel die Möglichkeit, während der altbekannten Hauptquest mit NPCs wie Rose und dem Bürgermeister von Grafton endlich richtige Dialoge zu führen. Wir haben nicht genügend Charisma oder Glück, um der Konfrontation mit diesem netten Zeitgenossen schon früh den Wind aus den Segeln zu nehmen. Quelle: PC Games Wir haben nicht genügend Charisma oder Glück, um der Konfrontation mit diesem netten Zeitgenossen schon früh den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Charismatische Gespräche

Mit Wastelanders kehrt nämlich ein wichtiger Aspekt eines Rollenspiels zurück, der von vielen zuvor schmerzlich vermisst wurde. In Gesprächen mit NPCs formt man seinen Charakter, in dem man entsprechende Antwortmöglichkeiten auswählt und so mit der Welt interagiert. Für das neue Dialogsystem haben sich die Entwickler an Fallout 3 orientiert. Während der eigene Charakter stumm bleibt, wählen wir in Gesprächen aus einer ganzen Reihe von vollständig ausformulierten Antwortmöglichkeiten aus einer Liste aus. Der ungeliebte "Stichwort-Kreis" von Fallout 4 kehrt glücklicherweise nicht zurück.

Selbst bei den wenigen NPCs der alten Haupthandlung, wie dem Raider-Roboter Rose, kommt das neue Dialogsystem inklusive Attributscheck zum Einsatz. Quelle: PC Games Selbst bei den wenigen NPCs der alten Haupthandlung, wie dem Raider-Roboter Rose, kommt das neue Dialogsystem inklusive Attributscheck zum Einsatz. Wie es sich gehört, spielen in den Dialogen auch die "S.P.E.C.I.A.L."-Attribute eine große Rolle. Je nachdem was bestimmte Gesprächsoptionen versuchen zu erreichen, benötigen wir einen Charakterwert in ausreichender Höhe, um diese Option wählen zu können. Wollen wir zum Beispiel jemanden auf nette Art und Weise zu etwas überreden, kommt häufig Charisma als Skill-Check zum Einsatz. Wer lieber auf die harte Tour vorgeht und Leute einschüchtert, sollte sich vielleicht auf den Ausbau seiner Stärke konzentrieren. Aber auch jedes der anderen von insgesamt sieben Attributen kann für bestimmte Situationen zum Einsatz kommen.

Dieser "neue" Einsatz der Charakterwerte hat zur Folge, dass sich Spieler möglicherweise noch einmal Gedanken über die Skillung ihrer Avatare machen müssen. Waren die Builds bisher vor allem auf die optimale Ausnutzung der Skillkarten in Bezug auf den eigenen Kampfstil ausgelegt, muss jetzt auch der Spielstil im Umgang mit NPCs bedacht werden. So war zum Beispiel Charisma bisher vor allem für das Teamplay von Bedeutung und wurde daher von Einzelspielern eher weniger genutzt. Wer nun aber als Solo-Akteur einen freundlichen Charakter spielen will, sollte vielleicht doch ein paar zusätzliche Punkte in Charisma investieren.

Vielfältige Vorgehensweisen

Das eigene Auftreten nutzt ihr im Verlauf der neuen Handlung immer wieder zum eigenen Vorteil. So lassen sich in den Dialogen mit geschicktem Einsatz der eigenen Charakterwerte unter Umständen wertvolle Informationen oder Hilfestellungen ergattern, die die nächsten Aufgaben erleichtern. So müssen wir recht früh im Spiel für die bereits angesprochene Taverne das Lager einer Raider-Gruppierung aufsuchen und dafür sorgen, dass die kein Problem mehr für die Bar darstellen. Das Ziel erreichen wir auf unterschiedlichen Wegen.

Wir erreichen Foundation, die Niederlassung der Siedler-Fraktion, wo wir mit einer fröhlichen Stimmung, musizierenden Einwohnern und gut gefüllten Händlern begrüßt werden. Quelle: PC Games Wir erreichen Foundation, die Niederlassung der Siedler-Fraktion, wo wir mit einer fröhlichen Stimmung, musizierenden Einwohnern und gut gefüllten Händlern begrüßt werden. So machen wir auf dem Weg zum Banditenlager einen Abstecher zum Hause einer Familie, die angeblich schon mit den Raidern zu tun hatte. Hier will man uns aber nicht helfen, weil unser Gesprächspartner misstrauisch gegenüber Fremden ist und wir für eine erfolgreiche Überredung im Dialog nicht den richtigen Charismawert haben. Beim Verlassen des Geländes schnappen wir jedoch einen Hinweis auf einen versteckten Safe auf. Den knacken wir kurzerhand unentdeckt auf und finden darin eine Information, die uns helfen wird, das Lager der Banditen friedlich zu betreten. Damit ersparen wir uns ein gewaltsames Eindringen und können mit dem Raider-Anführer in Verhandlungen treten.

Mit solch vielfältigen Herangehensweisen unter Einbeziehung von Dialogen lassen sich viele der Quests im Verlauf der Handlung von Wastelanders angehen. Da kommt in Fallout 76 erstmals wieder richtiges Rollenspiel- und Fallout-Feeling auf. Dazu tragen auch die zwei großen Fraktionen Siedler und Raider bei, mit denen wir im weiteren Verlauf der Handlung Kontakt aufnehmen. Beide Gruppierungen haben sich jeweils ihre eigene größere Siedlung in Appalachia aufgebaut. Hier finden wir Questgeber, tägliche Aufgaben und Händler mit interessantem Angebot. Wie für Fallout üblich können wir für lange Zeit die Geschichte beider Lager verfolgen, müssen uns gegen Ende aber für eine Seite entscheiden. Mit der Zeit lässt sich sogar bei den Fraktionen ein Ruf aufbauen, der Zugang zu speziellen Belohnungen gewährt.

Mitcamper gesucht

Das alles fühlt sich auf jeden Fall endlich wieder deutlich mehr wie Fallout an als vor dem Update. Allein schon die Tatsache, dass wir beim Streifen durch die Wildnis zufällig auf friedliche Siedler beim Holzhacken, Plünderer beim Durchsuchen eines Schuttberges oder schlicht auch einfach nur auf menschliche Feinde treffen, lässt die Welt endlich wieder wie das Ödland wirken, dass wir kennen und schätzen. Bei den zufälligen Begegnungen hätte es jedoch ruhig etwas mehr Abwechslung geben können, wo auch mal ein paar einzigartige Charaktere und nicht immer nur generische NPCs dabei sind.

Einem Notruf folgend entdecken wir die abgestürzte Astronautin Sofia, der wir anbieten können, sich in unserem Camp niederzulassen.  Quelle: PC Games Einem Notruf folgend entdecken wir die abgestürzte Astronautin Sofia, der wir anbieten können, sich in unserem Camp niederzulassen.  Dafür gibt es immerhin zwei spezielle NPCs, die in eurem persönlichen Abenteuer eine ganz besondere Rolle einnehmen können. Der Möchtegern Barbesitzer Beckett und die Astronautin Sofia, die auf einer Langzeitmission im All nichts vom Atomkrieg auf der Erde mitbekommen hat, wenden sich in misslichen Lagen an unseren Vault-Helden. Im Verlauf eigener Questreihen lernen wir die Charaktere kennen und können sie sogar in unser Camp einladen. Dort helfen sie fortan das Lager zu verteidigen und bieten Tagesquests an. Wer den Gefährten seiner Wahl besonders gut kennenlernt, kann mit diesem sogar eine romantische Beziehung eingehen.

Zusätzlich bring das Update einige wirklich sinnvolle Detail-Verbesserungen bei der Handhabung des Spiels. So lassen sich Gegenstände wie Nahrungsmittel und Rezepte durch Gedrückthalten der Interaktionstaste direkt aus der Welt heraus benutzen, was den Umweg über den PipBoy erspart. Allerdings funktioniert das nur bei Items, die offen in der Welt herum liegen, nicht wenn wir sie aus Behältern looten. Erfreulich auch die verbesserte Questverfolgung, die jetzt auf der großen Weltkarte alle offenen Aufgaben anzeigt und in ihrer Symbolisierung zwischen aktiven und inaktiven Quests unterscheidet.

Alte Probleme

Alles sinnvolle Ergänzungen und für sich genommen, nur auf die neuen Inhalte geschaut, ist Wastelanders ein wirklich gelungenes Update. Aber, es ist halt immer noch ein Update für Fallout 76. Abgesehen von einigen inhaltlichen Kritikpunkten, wie den fehlenden NPCs, hat sich am mangelhaften Grundgerüst des Spiels nur wenig geändert. Die hoffnungslos veraltete Engine gibt mit matschigen Texturen und zweifelhafter Performance nach wie vor keine gute Figur ab. Da helfen auch die leichten Änderungen am Rendering der Beleuchtung nicht wirklich, vor allem wenn die zu bestimmten Tageszeiten immer dafür sorgt, dass unser Charakter glänzt, als hätte er gerade in einer Wanne voll Massageöl gebadet. Auch Abstürze gehören leider noch immer zu den regelmäßig auftretenden Problemen. Wie es besser geht, hat Bethesda ja selbst mit The Elder Scrolls Online gezeigt, das zwar schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel hat, aber dank neuerer Engine auch heute noch ein besseres Bild abgibt als Fallout 76.

Auch die Probleme des hakeligen und oft sehr unpräzisen Kampfsystems verschwinden mit dem Inhaltsupdate nicht plötzlich. Wir können gar nicht mehr zählen, wie oft unser Charakter das Zeitliche gesegnet hat, weil selbst wiederholtes Drücken der Schnelltaste für Stimpacks vom Spiel keinerlei Reaktion hervorrief. Oder wie oft klar erkennbare Kopftreffer ohne Wirkung blieben. Der gesamten Handhabung des Spiels merkt man an, dass dessen Grundkonzept eng mit der Engine verbunden ist und so schon mindestens seit Oblivion zum Einsatz kommt. Für ein modernes Rollenspiel ist das absolut nicht mehr Zeitgemäß.

Die veraltete Technik ist auch einer der Hauptgründe für die Anfälligkeit des Spiels für Hacker. Erst um den Jahreswechsel gab es große Probleme mit einem Inventar-Exploit. Glitches, wie wild durch die Luft fliegende Leichen und durch Wände ballernde Feinde, werden da schon fast zur Gewohnheit. Weiterhin ist auch Bethesdas Monetarisierungs-Strategie zu kritisieren. Mit Fallout 1st bieten die Entwickler einen überteuerten Abo-Service an, hinter dem das vielfach geforderte Feature von Privat-Servern sowie die für so ein Rohstoff-lastiges Spiel essentiell wichtige unbegrenzte Lagertruhe für Ressourcen versteckt werden. Dass der Atom-Shop nicht mehr nur rein kosmetische Gegenstände anbietet, ist ja auch schon seit längerer Zeit zu Recht in der Kritik der Community. Inhaltlich hat Fallout 76 inzwischen einiges Interessantes zu bieten, aber für eine Rehabilitation des Titels müsste sich auch in anderen Bereichen des Spiels noch einiges tun. Die Wertung für Fallout 76 bleibt daher unverändert.

Meinung

Wertung zu Fallout 76 (PC)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Fallout 76 (PS4)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Fallout 76 (XBO)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Abwechslungsreiche SpielweltGroße Vielfalt an Waffen und RüstungenKoop mit Freunden, inklusive teilbarer PerksFlexibles SkillsystemUmfangreiches Crafting und BasenbauSehr gute VertonungGroßer UmfangNeue große Haupthandlung (Wastelanders)Zwei große Fraktionen mit Siedlung und Rufsystem (Wastelanders)klassisches Dialogsystem mit S.P.E.C.I.A.L.-Checks (Wastelanders)Zwei Gefährten mit eigener Story für das eigene Camp (Wastelanders)Belebtere Spielwelt durch NPCs (Wastelanders)
Hässliche TexturenKampfsystem hakelig und teilweise unpräzisePräsentation der Handlung nur über Texte und Holobänder (alte Quests)Aufgesetzte Survival-MechanikTechnisch veraltetBugs und GlitchesAbstürze, ServerinstabilitätSchlechte PerformanceÜberfrachtete und eigenwillige Steuerung (PC)

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