Dolmen im Test mit Video: Im Weltraum hört dich niemand weinen - Ein Souls-like für die Schrottpresse

Test Stefan Wilhelm
Dolmen im Test mit Video: Im Weltraum hört dich niemand weinen - Ein Souls-like für die Schrottpresse
Quelle: PC Games

Ihr habt euch gerade erst durch Highlights wie Elden Ring oder Horizon: Forbidden West gekämpft und braucht mal wieder so ein richtig mieses Spiel als Absacker? Dann solltet ihr euch Dolmen trotzdem nicht zulegen - denn was dieses grauenhafte Souls-like abliefert, ist nicht einmal unfreiwillig komisch.

Ihr kennt dieses Problem wahrscheinlich: Monat für Monat buhlen unzählige Spiele um eure Aufmerksamkeit, eines interessanter als das andere, der Pile of Shame wird unaufhörlich größer. Sogar Fans von Souls-likes werden mittlerweile mit derart vielen Titeln überhäuft, dass sie teils kaum noch wissen, wo sie eigentlich anfangen sollen. Zum Glück gibt es da noch Spiele wie Dolmen! Denn das erste Großprojekt des brasilianischen Massive Work Studios ist ein derart grauenhaftes Machwerk geworden, dass wirklich niemand in Erwägung ziehen sollte, sich näher damit zu beschäftigen.

Marsmännchen-Invasion in 360p

Dass ihr es hier mit einer Produktion zu tun habt, die offenbar mit einem Budget von ein paar belegten Brötchen entstanden ist, bemerkt ihr schon während der Intro-Cutscene: Mit niedriger Auflösung und jeder Menge Kompressionsartefakten versucht euch Dolmen (jetzt kaufen 23,97 € ) die Geschichte eines Minenplaneten zu erzählen, der von einer fremden Alien-Spezies überfallen wurde. Wenn es euch noch nicht reicht, dass die NPCs und Gegner im Spiel aussehen, wie die ersten paar Ergebnisse einer Google-Bildersuche nach "Generic Alien" und "Alien Bug", sollten spätestens beim Wort "Minenplanet" die Alarmglocken angehen. Klingt ungefähr so spannend wie "Das Land der Kanalisationslevel" oder "Das Fabrikhallen-Universum"? Genauso ist es auch.

Als auserwählter Typ in generischer Sci-Fi-Rüstung dürft ihr euch eine von vier Startklassen aussuchen und werdet dann auf den Planeten Revion Prime geschickt. Hier gibt es jede Menge Tunnels und Korridore zu erkunden, die, und das muss man dem Spiel lassen, zwar extrem langweilig aussehen, aber immerhin gelegentlich durch freischaltbare Abkürzungen miteinander verbunden sind.
Das pixelige Intro und die Kompressionsartefakte lassen schon zu Beginn nichts Gutes hoffen – und das Spiel wird mit der Zeit nicht besser. Quelle: PC Games Das pixelige Intro und die Kompressionsartefakte lassen schon zu Beginn nichts Gutes hoffen – und das Spiel wird mit der Zeit nicht besser. Weil dem Spiel die ohnehin schon kaum vorhandenen Ideen zum Ende hin völlig ausgehen, schmeißt es euch einfach Horden von Klongegnern vor die Nase. Quelle: PC Games Weil dem Spiel die ohnehin schon kaum vorhandenen Ideen zum Ende hin völlig ausgehen, schmeißt es euch einfach Horden von Klongegnern vor die Nase. In den ersten paar Spielstunden schimmert tatsächlich noch manchmal so etwas wie Spielspaß durch die lieblose, dilettantische Präsentation. Das liegt vor allem daran, dass Dolmen ein Souls-like ist, und der Spielablauf im Kern immer noch motivierend sein kann.

Die Ruhe vor dem Shitstorm

Das Gerüst aus Kämpfen, Draufgehen, Aufleveln und Erkunden hält auch dann noch eine Zeit lang, wenn die Streben aus durchgeweichter Pappe bestehen. Obwohl sich beispielsweise die Gefechte dank der abgehackten Animationen hakelig und kraftlos anfühlen, haben frühere Genrekollegen wie Lords of the Fallen das durchaus schon schlechter hingekriegt.

Der Einsatz von Schusswaffen ist zwar selten erforderlich, aber immerhin lassen sie sich flüssig bedienen. Das Trefferfeedback lässt allerdings zu wünschen übrig. Quelle: PC Games Der Einsatz von Schusswaffen ist zwar selten erforderlich, aber immerhin lassen sie sich flüssig bedienen. Das Trefferfeedback lässt allerdings zu wünschen übrig. Bei der Verbindung von Nah- und Fernkampf hat das ansonsten schamlos zusammenkopierte Spiel außerdem eine nette, eigene Idee in petto: Neben Schwertern und Äxten stellt euch Dolmen einen überschaubaren Pool an Schusswaffen zur Verfügung, die ihr mit eurer blauen Energieleiste abfeuert. Der Clou: Diese Leiste benutzt ihr auch, um euch zu heilen und den Reaktor eurer Rüstung anzuwerfen, der euch kurzzeitig Schockwellen und Elementarschaden austeilen lässt.

Lieber schlecht geklaut, als ... Moment mal!

Trefft ihr den richtigen Gegner mit einem der drei Elemente, erhält er einen Debuff, der seine Verteidigung senkt. Das könnte in der Theorie für spannendes Abwägen zwischen Heilung und Angriffskraft sorgen, in der Praxis sind die Schusswaffen aber zu schwach und die Gegner zu beschränkt und simpel, um derartige Taktiken zu erfordern.
Im Gefecht schnell den Reaktor oder die Knarre auszutauschen, oder sich mit gesammelten Materialien einen neuen Schießprügel zu basteln, wird wegen der grauenhaft gestalteten Benutzeroberfläche außerdem zur Geduldsprobe. Allein die Tatsache, dass ihr oft doppelt und dreifach nachchecken müsst, welche Schaltfläche ihr eigentlich gerade ausgewählt habt, macht das Interface quasi unbenutzbar. Ganz zu schweigen davon, dass ein durchschnittlicher Schüler mit Powerpoint vermutlich hübschere Menüs designen könnte.

Dolmen wirkt an jeder Ecke, als hätte man einen Roboter zwei Stunden lang Dark Souls und Returnal spielen lassen und ihn dann mit 150 Euro auf dem Konto in die Sci-Fi-Abteilung des Unreal-Asset-Stores geschickt. Dass die Checkpoint-Maschinen, die eure Energietränke wieder auffüllen und alle Gegner respawnen lassen, plump als "Leuchtfeuer" bezeichnet werden, ist hier nur die Spitze des Eisbergs. In den Ladebildschirmen findet ihr neben pixeligen, seltsam ausgeschnittenen Artworks beispielsweise noch nützliche Tipps wie "Achte auf deine Umgebung. Sie kann dich töten."

Du sag mal, Jonas, wie nennen wir denn jetzt dieses Alien?

Die einzigen NPCs, mit denen ihr sprechen könnt, sind die bereits erwähnten Marsmännchen, die das Spiel mit thematisch passenden Namen wie "Jonas" oder "Nicole" ausschmückt. Die Bergarbeiter-Aliens Günther und Sören haben wir zwar nicht gefunden, wir kennen allerdings den einzigen Satz, den sie uns sagen könnten: "Habt Dank. Bitte, nehmt dies entgegen." Wofür wir überhaupt belohnt werden? Das bleibt genauso im Unklaren wie der Rest der bemerkenswert uninteressanten Geschichte, die wir in lieblosen Textboxen von allerlei toten Jonassen und Nicoles erfahren.

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